Kommentar von Benjamin Kradolfer
Gemessen am Gleichmut, mit dem wir seit Jahrzehnten die unzähligen US-Wirtschaftssanktionen rund um den ganzen Globus hinnehmen, ist das Geschrei um Trumps Zölle unverhältnismässig und unsachlich. Zwar erschweren Zölle auf der Kostenebene den internationalen Handel mit bestimmten Produkten, aber sie verbieten ihn nicht, wie es Sanktionen gegen ganze Nationen oft nicht nur mit einzelnen Produkten, sondern möglichst vollumfänglich tun. Folglich werden sowohl die Produzenten wie auch die Endverbraucher, die Bevölkerungen, von Zöllen viel weniger brutal geschädigt als von Sanktionen. Ausserdem sind Zölle ein legales Mittel der Handelspolitik, während Sanktionen Völkerrecht brechen, wenn nicht die UNO sie beschlossen hat, wie im Falle des Irak-Embargos zwischen den beiden Irak-Kriegen der beiden Bush-Männer 1991 und 2003; bezeichnenderweise wurde auch nur hier nach Beendigung eine offizielle Opfer-Bilanz gezogen: rund eine halbe Million Kinder krepierten daran – und wie viele erwachsene Iraker? das ist bis heute ein Geheimnis. Dennoch kann die Zahl als nachträgliches Teil-Eingeständnis der UNO gewertet werden, dass dieses ihr Sanktions-Regime einer humanitären Katastrophe gleichkam.
Gemessen am chronischen Schweigen, ja gar der Zustimmung zu den Sanktionen gegen Kuba seit über 60 und gegen Iran seit über 40 Jahren, gegen Nord-Korea, Russland, Gaza und unzählige andere ist die Hysterie wegen Trumps Zöllen also nicht nur unverhältnismässig, sondern auch zutiefst verlogen.
Zölle und Sanktionen
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