Vier Jahre Krieg, vier Jahre Talkshow: Wer durfte über den Frieden reden?
Verfasst: 22. September 2026, 11:18
Kriegsbefürworter werden ununterbrochen durch die Öffentlich-Rechtlichen Medien belegt befeuert. Diejenigen, die jedwede Eskalation ablehnen werden entweder nicht gehört oder im Setting untergebuttert. So die Auswertung der KI Claude für die letzten 4 Jahre.
(...)
Die im ÖR geladenen Stammgäste
Im ersten Kriegsjahr zählte eine wissenschaftliche Auswertung 242 Talkshows mit Ukraine-Bezug bei ARD, ZDF und Phoenix mit 1.105 Gästeeinladungen. Am häufigsten eingeladen waren Norbert Röttgen, Marie-Agnes Strack-Zimmermann und Roderich Kiesewetter. Die drei Spitzenplätze gingen damit an Politiker, die für eine harte Linie gegenüber Russland stehen. Strack-Zimmermann und Kiesewetter forderten im September 2022 öffentlich die sofortige Lieferung von Marder- und Leopard-Panzern. Sie gehen heute viel weiter, indem sie die Zerstörung von Ministerien Russlands fordern und den Angriff auf das russische Hinterland. Dazu sollen Taurus, Drohnen und alle möglichen neuen westlichen Waffensysteme, die an die Ukraine geliefert werden, diese Land ertüchtigen und von Wiesbaden aus wird der Krieg mit koordiniert.
Das blieb kein Strohfeuer. Von 2022 bis 2025 kamen allein diese drei Politiker zusammen auf 140 Auftritte in den fünf großen Polit-Talkshows: Röttgen auf 55, Strack-Zimmermann auf 43, Kiesewetter auf 42. Zugleich betont der Autor der Auswertung, dass auch Kritiker einer militärischen Unterstützung eingeladen wurden Erich Vad, Johannes Varwick und Sahra Wagenknecht. Die Stimmen gab es also. Sie wurden aber gerne in einem 4:1 Setting + Moderatorvorgabe einfach niedergemacht, so dass die Bevölkerung direkt erfuhr, was mit jenen geschieht, die sich auf die scheinbar "falsche" Seite stellen.
Frieden, kein eigenes Thema
Im ersten Kriegsjahr ging es in 46 von 105 Ausgaben von Anne Will, hart aber fair und Maybrit Illner um den Ukraine-Krieg. Ein eigener Themenkomplex „Frieden, Verhandlungen, Diplomatie“ taucht in den Jahresbilanzen dieser Sendungen bis 2025 nicht auf. Die Rüstung dagegen hat eigene Rubriken: 2023 zählt die Bilanz fünf Sendungen zu „Bundeswehr/Rüstungspolitik“, 2025 fünf zu „Verteidigungspolitik/Wehrpflicht“.
Der Frieden kam vor, aber als Frage am Rand und nicht, wie es Pacifisten lösen würden. Im Dezember 2022 fragte Maybrit Illner, ob die Zeit reif sei für Verhandlungen. Es gab damit in 4 Jahren Talkshows keine einzige Sendung, die allein dem Weg zu Waffenruhe und Friedensvertrag gewidmet war und nur von Protagonisten besetzt war, die hierfür einstehen, um Lösungen in diesem Sektor statt Krieg aufzuzeigen.
Die Bühne und das Land
Eine Inhaltsanalyse von rund 107.000 Texten aus den Leitmedien, darunter Tagesschau und ZDF heute, ergab ein deutliches Bild. Unter den zitierten Experten zu schweren Waffen entfielen 60 % der Erwähnungen auf Befürworter und nur 34 % auf Skeptiker. Auf Twitter war es umgekehrt. In den Leitmedien wurde die Debatte über Verhandlungen und Waffenstillstand zugleich immer seltener geführt. Eine weitere Studie stellte fest, dass die Tagesschau in den ersten drei Kriegsmonaten diplomatische Maßnahmen überwiegend als nicht sinnvoll darstellte. Das Land dagegen war gespalten. Im Januar 2023 standen sich bei der Frage nach Kampfpanzern im ARD-Deutschlandtrend 46 zu 43 Prozent gegenüber, bei RTL/ntv 44 zu 45 Prozent. Nur das ZDF-Politbarometer fand mit 54 zu 38 eine klare Mehrheit. Das Land war gespalten. Die Bühne war und blieb bis heute jene der Kriegsbefürworter.
Mitschuld? Und was sagt das Grundgesetz?
Ob eine Talkshow einen Krieg verlängert, kann niemand messen. Kriege werden werden zunächst bei den Stakholdern der Rüstungsindustrie ausgeheckt, die die Profiteure jedes Krieges sind. Ihnen ist es egal an wen sie die Waffen liefern, wen sie finanzieren, weil sie an den Waffen, der Zerstörung und dem Wiederaufbau verdienen, und zwar alles aus einer Hand. Je mehr Zerstörung, desto größer das Vorhaben des Wiederaufbaus. (...)
Den Medien ist vorzuwerfen, dass sie die Profitketten nicht transparent machen und wer konkret von welcher kriegerischen Maßnahem wie konkret profitiert, wohin die Steuergelder fließen und in wessen Hände die Rüstungskonzerne sind, die sowohl den Krieg als auch später den Wiederaufbau finanzieren.
Eine publizistische Verantwortung tragen die öffentlich rechtlichen Medien und auch die großen Talk Shows sehr wohl. Denn wird von der Bevölkerung 1 Billion EUR Schulden im Kern zur Kriegsführung gegen Russland nicht von der Deutschen Bevölkerung mitgetragen, dann machen sie die Rechnung ohne den Wirt. Dort wo Friedrich Merz die Deutschen in den Krieg zerren will, macht kein Deutscher mit. Dieses Risiko wollen sie nicht eingehen, weshalb den Öffentlich - Rechtlichen Sendern die Propaganda - Aufgabe zuteil wurde den Krieg mit Russland als alternativlos darzustellen, um wenigsten Einige davon zu überzeugen, dass die Zerstörung von allem, was Generationen aufgebaut haben es Wert sei. (Was für Narren).
Das Friedensgebot des Grundgesetzes richtet sich an den Staat. Es verbietet Handlungen, die den Frieden zwischen den Völkern stören sollen. Wenn der Staat genau diesen Frieden stört, indem er Lügengeschichten über russische Waffenlage bei Berlin oder eine Drohne in Leipzig erfindet und daran diplomatische Konsequenzen knüpft ohne den Deutschen für ihre Behauptung Beweis zu liefern und wenn gleichzeitig das Interesse angesichts der Wahlen hoch ist, einen Spannungsfall zu konstruieren, um den Kanzler bis zum St. Nimmerleinstag ohne weitere Wahlen an der Macht zu halten, dann ist es Aufgabe der Medien, ganz ordentlich und saftig dazwischen zu funken und das STOP Zeichen zu setzen, dass hier die Grenze der gangbaren Propagande weit überschritten wird, wenn es um die Abschaffung der freiheitlich demokratische Grundordnung geht, wenn sich der große gemeinsame Ausschuss zur Dauerregierung etabliert.
Doch für ARD und ZDF gibt es einen genaueren Maßstab. Der Medienstaatsvertrag verlangt von ihnen, die Meinungsvielfalt ausgewogen darzustellen und die internationale Verständigung zu fördern. Wer ausschließlich Settings wählte, indem immer die Kriegspropaganda - Seite zu gewinnen hatte - der berichtet nicht ausgewogen, sondern hat sich auf die Seite der Kriegstreiber geschlagen und das ganz unverhohlen.
Nach dem ZDF-Staatsvertrag sollen die Angebote der Verständigung unter den Völkern dienen. Daran müssen sich die Sender messen lassen, und zwar mit messbaren Zahlen statt mit Beteuerungen. An der Ausgewogenheit in Bezug auf die ausschließliche Führung der Debatte durch die Kriegsbefürworter lässt auch das ZDF zu wünschen übrig.
Was jetzt geschehen muss
Die Sender wissen, wen sie eingeladen haben und mit welcher Haltung. Sie sollten offenlegen, wie oft in vier Jahren die Stimmen für Verhandlung und das Ruhen der Waffen in einer Runde in der Mehrheit präsentiert waren und wie oft sie ganz fehlten. Der neue Medienrat, der die Auftragserfüllung von ARD und ZDF bewerten soll, hat dafür das Mandat. Die Rundfunkräte haben es auch. (...)
Rechtliche Einordnung
Das Friedensgebot des Grundgesetzes ergibt sich aus der Präambel sowie aus Art. 1 Abs. 2, Art. 24 Abs. 2, Art. 25 und Art. 26 GG. Es bindet in erster Linie die staatliche Gewalt. Art. 26 Abs. 1 GG erfasst zwar auch Private. Er setzt aber Handlungen voraus, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören. Strafrechtlich umgesetzt ist das in § 13 VStGB und § 80a StGB.
Die öffentliche Debatte über die Unterstützung eines angegriffenen Staates bei seiner Selbstverteidigung nach Art. 51 UN-Charta erfüllt diese Voraussetzungen nicht selbst wenn sie propagandistisch über die Stränge schlägt. Die Auswahl der Gäste gehört zur Programmfreiheit der Sender nach Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG, so die ständige Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Nicht entschieden ist, wenn über vier Jahre eine einheitliche stets mehrheitliche Kriegspropaganda vorherrschte und eine gänzliche Unausgewogenheit in der Überzeugung aller entstand.
Rundfunkrecht als Maßstab:
§ 26 Abs. 2 Satz 2 MStV verlangt Objektivität, Unparteilichkeit und eine ausgewogene Darstellung der Meinungsvielfalt.
§ 26 Abs. 1 Satz 3 MStV verpflichtet die Sender, die internationale Verständigung zu fördern.
§ 5 Abs. 3 Satz 2 ZDF-StV verlangt, dass die Angebote der Verständigung unter den Völkern dienen.
Durchsetzen lässt sich das über eine Programmbeschwerde an den zuständigen Rundfunkrat bzw. den ZDF-Fernsehrat sowie über den Medienrat nach § 26b MStV, der einen Bericht zur Auftragserfüllung erstellt. Einen einklagbaren Anspruch Einzelner auf eine bestimmte Gästebesetzung gibt es nicht. Der Beweis lässt sich aber allein nur in diesem Programmpunkt wissenschaftlich und ohne wenn und aber führen, dass in allen obigen drei Punkten alle öffentlich - rechtlichen Sender jeweils gegen den Medienstaatsvertrag verstießen. „Mitschuld“: Eine rechtliche Verantwortung mag bei der derzeitigen rechtsprechenden Gewalt ausscheiden, weil sich ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Gästeauswahl, Möglichkeit die Deutschen mit Billionen Schulden zu überrumpeln ohne Volksaufstand und Kriegsverlauf mit den Juristen heute nicht nachweisen lässt. Als Werturteil ist der Vorwurf aber schon heute zulässig, solange er auf zutreffenden Tatsachen aufbaut.
Gegenpositionen
Mit folgenden Gegenargumenten ist zu rechnen: Welsch hält es für richtig, dass die Redaktionen nach 2022 zunehmend nach Kompetenz und Relevanz einluden statt nach Parteienproporz, was die Einladung von Kiesewetter, Strack-Zimmermann und Röttgen daher immer Kraft ihrer Position rechtfertige.
Mehrheitsmeinung: Die Mainzer Studie verweist darauf, dass ab April 2022 eine Mehrheit von 56 % die Lieferung schwerer Waffen befürwortete, deren Meinung die Medien erst durch ihre Berichterstattung erschufen, um sie dann für sich zu verwenden. Die Medien seien zudem nicht regierungsnah gewesen, sondern hätten die Regierung für ihr Zögern schwere Waffen zu liefern kritisiert.
Völkerrecht und Sicherheit: Das Lager „Frieden durch Endsieg“ wendet ein, Gebietsabtretungen unter militärischem Druck belohnten einen Angriffskrieg. Eine Waffenruhe ohne Sicherheitsgarantien könne nach den Erfahrungen mit den Minsker Abkommen den nächsten Angriff vorbereiten, weshalb nur der eigene Sieg gegen Russland Abhilfe schaffe. Die Deutschen sollten sich also wieder zeitnah auf einen Einsatz an der Ostfront als Kanonenfutter einstellen. "Frieden gibt es nur auf dem Friedhof" (Zitat Friedrich Merz).
Quelle: Quelle: https://x.com/AnwaltUlbrich/status/2102098317744206094
Anmerkung:
Marcus Welsch ist ein deutscher Dokumentarfilmregisseur, Publizist und Medienanalyst. Welsch hat Geisteswissenschaften (Philosophie, Literaturwissenschaften, Geschichte) sowie Regie studiert.Er verfasste die zugrundeliegende empirische Studie über die Besetzung von Talkshows von 2013 bis 2023, die im Rahmen der Ukraine-Analysen von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) herausgegeben wurde. Neben seinen medienwissenschaftlichen Auswertungen arbeitet er regelmäßig an zeitgeschichtlichen Dokumentationen und Publikationen.
(...)
Die im ÖR geladenen Stammgäste
Im ersten Kriegsjahr zählte eine wissenschaftliche Auswertung 242 Talkshows mit Ukraine-Bezug bei ARD, ZDF und Phoenix mit 1.105 Gästeeinladungen. Am häufigsten eingeladen waren Norbert Röttgen, Marie-Agnes Strack-Zimmermann und Roderich Kiesewetter. Die drei Spitzenplätze gingen damit an Politiker, die für eine harte Linie gegenüber Russland stehen. Strack-Zimmermann und Kiesewetter forderten im September 2022 öffentlich die sofortige Lieferung von Marder- und Leopard-Panzern. Sie gehen heute viel weiter, indem sie die Zerstörung von Ministerien Russlands fordern und den Angriff auf das russische Hinterland. Dazu sollen Taurus, Drohnen und alle möglichen neuen westlichen Waffensysteme, die an die Ukraine geliefert werden, diese Land ertüchtigen und von Wiesbaden aus wird der Krieg mit koordiniert.
Das blieb kein Strohfeuer. Von 2022 bis 2025 kamen allein diese drei Politiker zusammen auf 140 Auftritte in den fünf großen Polit-Talkshows: Röttgen auf 55, Strack-Zimmermann auf 43, Kiesewetter auf 42. Zugleich betont der Autor der Auswertung, dass auch Kritiker einer militärischen Unterstützung eingeladen wurden Erich Vad, Johannes Varwick und Sahra Wagenknecht. Die Stimmen gab es also. Sie wurden aber gerne in einem 4:1 Setting + Moderatorvorgabe einfach niedergemacht, so dass die Bevölkerung direkt erfuhr, was mit jenen geschieht, die sich auf die scheinbar "falsche" Seite stellen.
Frieden, kein eigenes Thema
Im ersten Kriegsjahr ging es in 46 von 105 Ausgaben von Anne Will, hart aber fair und Maybrit Illner um den Ukraine-Krieg. Ein eigener Themenkomplex „Frieden, Verhandlungen, Diplomatie“ taucht in den Jahresbilanzen dieser Sendungen bis 2025 nicht auf. Die Rüstung dagegen hat eigene Rubriken: 2023 zählt die Bilanz fünf Sendungen zu „Bundeswehr/Rüstungspolitik“, 2025 fünf zu „Verteidigungspolitik/Wehrpflicht“.
Der Frieden kam vor, aber als Frage am Rand und nicht, wie es Pacifisten lösen würden. Im Dezember 2022 fragte Maybrit Illner, ob die Zeit reif sei für Verhandlungen. Es gab damit in 4 Jahren Talkshows keine einzige Sendung, die allein dem Weg zu Waffenruhe und Friedensvertrag gewidmet war und nur von Protagonisten besetzt war, die hierfür einstehen, um Lösungen in diesem Sektor statt Krieg aufzuzeigen.
Die Bühne und das Land
Eine Inhaltsanalyse von rund 107.000 Texten aus den Leitmedien, darunter Tagesschau und ZDF heute, ergab ein deutliches Bild. Unter den zitierten Experten zu schweren Waffen entfielen 60 % der Erwähnungen auf Befürworter und nur 34 % auf Skeptiker. Auf Twitter war es umgekehrt. In den Leitmedien wurde die Debatte über Verhandlungen und Waffenstillstand zugleich immer seltener geführt. Eine weitere Studie stellte fest, dass die Tagesschau in den ersten drei Kriegsmonaten diplomatische Maßnahmen überwiegend als nicht sinnvoll darstellte. Das Land dagegen war gespalten. Im Januar 2023 standen sich bei der Frage nach Kampfpanzern im ARD-Deutschlandtrend 46 zu 43 Prozent gegenüber, bei RTL/ntv 44 zu 45 Prozent. Nur das ZDF-Politbarometer fand mit 54 zu 38 eine klare Mehrheit. Das Land war gespalten. Die Bühne war und blieb bis heute jene der Kriegsbefürworter.
Mitschuld? Und was sagt das Grundgesetz?
Ob eine Talkshow einen Krieg verlängert, kann niemand messen. Kriege werden werden zunächst bei den Stakholdern der Rüstungsindustrie ausgeheckt, die die Profiteure jedes Krieges sind. Ihnen ist es egal an wen sie die Waffen liefern, wen sie finanzieren, weil sie an den Waffen, der Zerstörung und dem Wiederaufbau verdienen, und zwar alles aus einer Hand. Je mehr Zerstörung, desto größer das Vorhaben des Wiederaufbaus. (...)
Den Medien ist vorzuwerfen, dass sie die Profitketten nicht transparent machen und wer konkret von welcher kriegerischen Maßnahem wie konkret profitiert, wohin die Steuergelder fließen und in wessen Hände die Rüstungskonzerne sind, die sowohl den Krieg als auch später den Wiederaufbau finanzieren.
Eine publizistische Verantwortung tragen die öffentlich rechtlichen Medien und auch die großen Talk Shows sehr wohl. Denn wird von der Bevölkerung 1 Billion EUR Schulden im Kern zur Kriegsführung gegen Russland nicht von der Deutschen Bevölkerung mitgetragen, dann machen sie die Rechnung ohne den Wirt. Dort wo Friedrich Merz die Deutschen in den Krieg zerren will, macht kein Deutscher mit. Dieses Risiko wollen sie nicht eingehen, weshalb den Öffentlich - Rechtlichen Sendern die Propaganda - Aufgabe zuteil wurde den Krieg mit Russland als alternativlos darzustellen, um wenigsten Einige davon zu überzeugen, dass die Zerstörung von allem, was Generationen aufgebaut haben es Wert sei. (Was für Narren).
Das Friedensgebot des Grundgesetzes richtet sich an den Staat. Es verbietet Handlungen, die den Frieden zwischen den Völkern stören sollen. Wenn der Staat genau diesen Frieden stört, indem er Lügengeschichten über russische Waffenlage bei Berlin oder eine Drohne in Leipzig erfindet und daran diplomatische Konsequenzen knüpft ohne den Deutschen für ihre Behauptung Beweis zu liefern und wenn gleichzeitig das Interesse angesichts der Wahlen hoch ist, einen Spannungsfall zu konstruieren, um den Kanzler bis zum St. Nimmerleinstag ohne weitere Wahlen an der Macht zu halten, dann ist es Aufgabe der Medien, ganz ordentlich und saftig dazwischen zu funken und das STOP Zeichen zu setzen, dass hier die Grenze der gangbaren Propagande weit überschritten wird, wenn es um die Abschaffung der freiheitlich demokratische Grundordnung geht, wenn sich der große gemeinsame Ausschuss zur Dauerregierung etabliert.
Doch für ARD und ZDF gibt es einen genaueren Maßstab. Der Medienstaatsvertrag verlangt von ihnen, die Meinungsvielfalt ausgewogen darzustellen und die internationale Verständigung zu fördern. Wer ausschließlich Settings wählte, indem immer die Kriegspropaganda - Seite zu gewinnen hatte - der berichtet nicht ausgewogen, sondern hat sich auf die Seite der Kriegstreiber geschlagen und das ganz unverhohlen.
Nach dem ZDF-Staatsvertrag sollen die Angebote der Verständigung unter den Völkern dienen. Daran müssen sich die Sender messen lassen, und zwar mit messbaren Zahlen statt mit Beteuerungen. An der Ausgewogenheit in Bezug auf die ausschließliche Führung der Debatte durch die Kriegsbefürworter lässt auch das ZDF zu wünschen übrig.
Was jetzt geschehen muss
Die Sender wissen, wen sie eingeladen haben und mit welcher Haltung. Sie sollten offenlegen, wie oft in vier Jahren die Stimmen für Verhandlung und das Ruhen der Waffen in einer Runde in der Mehrheit präsentiert waren und wie oft sie ganz fehlten. Der neue Medienrat, der die Auftragserfüllung von ARD und ZDF bewerten soll, hat dafür das Mandat. Die Rundfunkräte haben es auch. (...)
Rechtliche Einordnung
Das Friedensgebot des Grundgesetzes ergibt sich aus der Präambel sowie aus Art. 1 Abs. 2, Art. 24 Abs. 2, Art. 25 und Art. 26 GG. Es bindet in erster Linie die staatliche Gewalt. Art. 26 Abs. 1 GG erfasst zwar auch Private. Er setzt aber Handlungen voraus, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören. Strafrechtlich umgesetzt ist das in § 13 VStGB und § 80a StGB.
Die öffentliche Debatte über die Unterstützung eines angegriffenen Staates bei seiner Selbstverteidigung nach Art. 51 UN-Charta erfüllt diese Voraussetzungen nicht selbst wenn sie propagandistisch über die Stränge schlägt. Die Auswahl der Gäste gehört zur Programmfreiheit der Sender nach Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG, so die ständige Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Nicht entschieden ist, wenn über vier Jahre eine einheitliche stets mehrheitliche Kriegspropaganda vorherrschte und eine gänzliche Unausgewogenheit in der Überzeugung aller entstand.
Rundfunkrecht als Maßstab:
§ 26 Abs. 2 Satz 2 MStV verlangt Objektivität, Unparteilichkeit und eine ausgewogene Darstellung der Meinungsvielfalt.
§ 26 Abs. 1 Satz 3 MStV verpflichtet die Sender, die internationale Verständigung zu fördern.
§ 5 Abs. 3 Satz 2 ZDF-StV verlangt, dass die Angebote der Verständigung unter den Völkern dienen.
Durchsetzen lässt sich das über eine Programmbeschwerde an den zuständigen Rundfunkrat bzw. den ZDF-Fernsehrat sowie über den Medienrat nach § 26b MStV, der einen Bericht zur Auftragserfüllung erstellt. Einen einklagbaren Anspruch Einzelner auf eine bestimmte Gästebesetzung gibt es nicht. Der Beweis lässt sich aber allein nur in diesem Programmpunkt wissenschaftlich und ohne wenn und aber führen, dass in allen obigen drei Punkten alle öffentlich - rechtlichen Sender jeweils gegen den Medienstaatsvertrag verstießen. „Mitschuld“: Eine rechtliche Verantwortung mag bei der derzeitigen rechtsprechenden Gewalt ausscheiden, weil sich ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Gästeauswahl, Möglichkeit die Deutschen mit Billionen Schulden zu überrumpeln ohne Volksaufstand und Kriegsverlauf mit den Juristen heute nicht nachweisen lässt. Als Werturteil ist der Vorwurf aber schon heute zulässig, solange er auf zutreffenden Tatsachen aufbaut.
Gegenpositionen
Mit folgenden Gegenargumenten ist zu rechnen: Welsch hält es für richtig, dass die Redaktionen nach 2022 zunehmend nach Kompetenz und Relevanz einluden statt nach Parteienproporz, was die Einladung von Kiesewetter, Strack-Zimmermann und Röttgen daher immer Kraft ihrer Position rechtfertige.
Mehrheitsmeinung: Die Mainzer Studie verweist darauf, dass ab April 2022 eine Mehrheit von 56 % die Lieferung schwerer Waffen befürwortete, deren Meinung die Medien erst durch ihre Berichterstattung erschufen, um sie dann für sich zu verwenden. Die Medien seien zudem nicht regierungsnah gewesen, sondern hätten die Regierung für ihr Zögern schwere Waffen zu liefern kritisiert.
Völkerrecht und Sicherheit: Das Lager „Frieden durch Endsieg“ wendet ein, Gebietsabtretungen unter militärischem Druck belohnten einen Angriffskrieg. Eine Waffenruhe ohne Sicherheitsgarantien könne nach den Erfahrungen mit den Minsker Abkommen den nächsten Angriff vorbereiten, weshalb nur der eigene Sieg gegen Russland Abhilfe schaffe. Die Deutschen sollten sich also wieder zeitnah auf einen Einsatz an der Ostfront als Kanonenfutter einstellen. "Frieden gibt es nur auf dem Friedhof" (Zitat Friedrich Merz).
Quelle: Quelle: https://x.com/AnwaltUlbrich/status/2102098317744206094
Anmerkung:
Marcus Welsch ist ein deutscher Dokumentarfilmregisseur, Publizist und Medienanalyst. Welsch hat Geisteswissenschaften (Philosophie, Literaturwissenschaften, Geschichte) sowie Regie studiert.Er verfasste die zugrundeliegende empirische Studie über die Besetzung von Talkshows von 2013 bis 2023, die im Rahmen der Ukraine-Analysen von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) herausgegeben wurde. Neben seinen medienwissenschaftlichen Auswertungen arbeitet er regelmäßig an zeitgeschichtlichen Dokumentationen und Publikationen.