Seite 1 von 1

ZDF - Programmbeschwerde ZDF Heute live - Der lachende Keupp

Verfasst: 17. Juni 2026, 13:51
von Maren
ZWEITES DEUTSCHES FERNSEHEN
Fernsehrat - Gremienbüro
ZDF-Straße 1
55127 Mainz


Förmliche Programmbeschwerde – Verletzung der Menschenwürde und journalistischer Sorgfaltspflicht in „ZDFheute live“ vom 10.06.2026

Sehr geehrte Damen und Herren Fernsehräte,

in der Sendung „ZDFheute live“ vom 10. Juni 2026 kommentierte der als Experte geladene Militärökonom Marcus Keupp, ab ca. Minute 01:30 (Abschnitt „Straße des Todes“) Aufnahmen eines ukrainischen Drohnenangriffs auf russische Soldaten, fröhlich lachend mit folgenden Worten: „Lustig auch die Russen, die da gerade noch weglaufen, bevor die Drohne einschlägt.“

Er ergänzte, dies gebe „ein Bild der Realität“. Weder die Moderation noch die Redaktion nahmen eine Einordnung, Distanzierung oder kritische Nachfrage vor. Der Kommentar blieb unkommentiert stehen.

https://www.zdfheute.de/video/zdfheute-live/putin-krieg-lage-wirtschaft-video-100.html

Der gezeigte Clip bezog sich auf aktuelle ukrainische Drohnenoperationen im Juni 2026 auf der Kinburn-Spitze (Kherson-Region), wo russische Nachschubrouten massiv unter Druck stehen.

Wir sehen folgende Verstöße gegen bestehende Gesetze und Programmrichtlinien im Einzelnen:

- Das öffentliche Belächeln von Menschen in akuter Todesangst – unabhängig von ihrer Nationalität – ist mit der Würde des Menschen unvereinbar. Ein öffentlich-rechtlicher Sender darf eine solche Häme – egal von welcher Seite - nicht unkommentiert ausstrahlen. (Verletzung der Menschenwürde, Art. 1 GG)

- Die einseitige zynische Darstellung ohne jegliche humanitäre Einordnung oder Gegenperspektive verstößt gegen das Neutralitäts- und Objektivitätsgebot und stellt eine Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht nach §26 Medienstaatsvertrag, des ZDF-Staatsvertrages § 5 (2) sowie der Gestaltung der Angebote und Grundwerte journalistisch-redaktioneller Grundprinzipien (1 und 2) der ZDF-Programmgrundsätze dar.

- Durch die moderativ unkommentierte Verbreitung eines derart zynischen Kommentars wirkt der Beitrag parteiisch und verharmlost Gewalt in einem laufenden Krieg. Man wähnt sich angesichts des feixenden Experten als unfreiwilliger Zuschauer eines PC-Ballerspiels.

Unsere Kritik berührt zudem eine zentrale ethische und professionelle Debatte über die Berichterstattung und Kommentierung von Kriegshandlungen im Fernsehen. Die emotionale Reaktion eines Militärexperten oder Journalisten angesichts menschlicher Opfer – unabhängig von deren Nationalität – wurde unmittelbar nach Ausstrahlung von vielen Zuschauern kritisch kommentiert.
Die Erwartung an Experten in öffentlich-rechtlichen Formaten wie dem ZDF ist in der Regel durch eine gewisse analytische Distanz geprägt. Von Militär- und Politikexperten wird eine sachliche, objektive und neutrale Einordnung des Geschehens erwartet, keine emotionale Parteinahme. Das Zeigen von Freude, Genugtuung oder gar Spott über den Tod von Menschen – auch über gefallene Soldaten des Gegners – verstößt gegen ethische Grundsätze journalistischen Wirkens, für das die Wahrung der Menschenwürde konstitutiv ist.

Die zunehmend unempathische Sprache in der Kriegsanalyse des ÖRR blendet das reale menschliche Leid hinter den statistischen oder strategischen Gewinnen aus, was die Gefahr der Abstumpfung birgt – auch auf Seiten des Publikums. Die emotionale Aufladung des Themas führt dabei oft zu rassistischen und nationalistischen Stereotypen und lässt die professionelle Distanz verloren gehen. Medienethischer Anspruch muss sein, dass das Töten im Krieg niemals Gegenstand von Euphorie oder Unterhaltung sein darf.

Bei Experten wie Marcus Keupp, der für seine harten und oft rein daten- und strategiebasierten Analysen bekannt ist und der nebenbei bemerkt ziemlich oft in der Prognose danebenlag, zeigt sich ein wiederkehrendes Problem in der Fernsehberichterstattung: Diese Leute betrachten das Kriegsgeschehen primär als ein System aus Logistik, Abnutzung, wirtschaftlichen Kennzahlen und strategischen Erfolgen. Ein erfolgreicher Drohnenangriff ist in dieser rein mathematisch-militärischen Logik ein „wichtiger Meilenstein“ zur Schwächung des Gegners. Wenn ein Experte angesichts des Gelingens einer solchen Taktik sichtbare Genugtuung, Erleichterung oder gar ein für Keupp ungewohnt fröhliches Lachen zeigt, blendet er in diesem Moment die menschliche Tragödie – das Sterben von Menschen, selbst wenn es sich um Soldaten der Gegenseite handelt – komplett aus. Auf gut Deutsch: Der Experte hat sich nicht im Griff.

Für kritische Zuschauer bricht Keupp die notwendige ethische Distanz. Während der Experte öffentlich einen „Erfolg“ feiert, sieht der empathische Betrachter das grausame Ende von Menschenleben, das in Kriegszeiten jeden treffen kann - Söhne, Brüder, Väter, Ehemänner, Freunde, Zivilisten. Das unkontrollierte Zeigen von Freude wirkt in diesem Kontext zynisch, roh und unmenschlich. Ein Experte wie Keupp, der sich in einer Live-Sendung emotional „nicht im Griff hat“, beschädigt nicht nur seine eigene Glaubwürdigkeit als Analyst, sondern transportiert eine gefährliche Verharmlosung oder gar Entmenschlichung im Zuge eines Kriegsgeschehens, welches längst hätte beendet sein müssen.
Ein öffentlich-rechtlicher Sender sollte ihm keine Plattform dafür bieten oder zumindest mäßigend eingreifen.

Grundwerte und journalistisch-redaktionelle Grundprinzipien

(1) Das gesamte Angebot wahrt die Würde des Menschen, seine Freiheit und Eigenverantwortlichkeit. Die Persönlichkeitsrechte jedes Menschen werden geachtet.
(2) Die Angebote leisten einen wichtigen Beitrag zur Anerkennung der vom Grundgesetz geschützten Werteordnung. Besondere Beachtung verdienen die Ehrfurcht vor dem menschlichen Leben, die körperliche Unversehrtheit die Förderung und Erhaltung der natürlichen Grundlagen des Lebens ….

III. Demokratie und Kultur

(8) Im Gesamtangebot ist die Wirkung von Gewaltdarstellungen zu berücksichtigen. Die Angebote dürfen keine verrohende oder verhetzende Wirkung haben.
https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/MStV-26
https://www.zdf.de/unternehmen/organisa ... n-100.html

Aus Gründen der Transparenz werden wir diese Beschwerde sowie die Antwort der Programmverantwortlichen auf der Webseite des Vereins https://forum.publikumskonferenz.de/ veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen

Maren Müller
Vorsitzende Publikumskonferenz