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Programmbeschwerde - Vorbereitung eines angeblichen EM-Attentats

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Maren

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Programmbeschwerde - Vorbereitung eines angeblichen EM-Attentats

Beitrag8. Juni 2016, 20:24

Programmbeschwerde : Unangemessenes Aufbauschen von Informationen über die Vorbereitung eines angeblichen EM-Attentat, diverse ARD-aktuell- Nachrichten am 6./7/.6.2016

und

Eingabe: Verstoß gegen die Pflicht zur wirtschaftlichen Haushaltsführung bei ARD-aktuell


Sehr geehrte Damen und Herren,

am 6. und 7. Juni 2016 brodelte der ARD-aktuell-Kanal: Endlich wieder ein Anlass, positiv über die "Verbündeten" in Kiew zu berichten. Diesmal brauchte die Ukraine nicht als Bollwerk gegen den Russen zu dienen, sondern konnte als Schutzschirm gegen Terroristen-Gefahr kolportiert werden.

Die Nachrichten überschlugen sich, allein am 6.6.2016 gab es u.a. folgende Meldungen:

http://www.tagesschau.de/multimedia/aud ... 30811.html
http://www.tagesschau.de/multimedia/sen ... 14391.html
http://www.tagesschau.de/multimedia/vid ... 89587.html
http://www.tagesschau.de/ausland/franzo ... e-103.html
http://www.tagesschau.de/multimedia/sen ... -3905.html
http://www.tagesschau.de/multimedia/vid ... 89673.html
http://www.tagesschau.de/ausland/franzo ... e-101.html
http://www.tagesschau.de/multimedia/vid ... 89705.html
http://www.tagesschau.de/ausland/em-fra ... t-101.html

Der Anlass: Ein Franzose war in der Ukraine festgenommen worden, weil er Waffen transportierte, die für angeblich geplante Attentate während der Fussball-EM gedacht gewesen sein sollen.

Vom ukrainischen Geheimdienst SBU – diese Organisation ist geradezu berüchtigt für ihre Politik gezielter Falschmeldungen und bösartiger Beiträge zur psychologischen Kriegsführung – hatten „Dr. Gniffke & friends" ungeprüft und ohne sachgerechte Einordnung die Story von dem angeblich rechtzeitig aufgeflogenen Terrorakt auf die EM in die deutschen Wohnstuben gebracht, das reinste Räubermärchen. (Video über die Festnahme vom 21.5.16, die Verhaftung 10 Tage später, erste Presseinformation am 6.6., Anmerkung d.V.)

In wohltuendem Unterschied zur boulvardesken Tagesschau hatte hingegen Telepolis berichtet :

"Der ukrainische Geheimdienst nimmt einen des Rechtsextremismus verdächtigen Franzosen fest mit einem großen Waffenarsenal, das ihm der SBU selbst verkauft hat […] Schaut man sich das die Festnahme dokumentierende SBU-Video an, so staunt der Laie darüber, wie das ganze ausgebreitete Arsenal im Kangoo Platz gefunden haben soll. Viel mehr noch wundert, dass vom Beifahrer, der wie der Mann am Steuer, Grégoire M., ebenfalls von SBU-Mitarbeitern in Kampfmontur aus dem Auto gerissen wird, augenscheinlich weder in der Pressekonferenz noch in den Berichten in den französischen und ukrainischen Medien die Rede ist. Er wird nicht erwähnt. Eine der möglichen Erklärungen wäre, dass er ein SBU-Mitarbeiter war. Denn die Waffen stammen vom SBU. Der Geheimdienst hatte dem Franzosen aus Lothringen eine Falle gestellt. Man hatte ihm die Waffen besorgt und dazu eine Erlaubnis, die Grenze zu passieren."


Dass ARD-aktuell wieder einmal eine Tatarenmeldung von Geheimdiensten (wie kürzlich schon in Deutschland) übernimmt und verbreitet, überrascht uns nicht. Staatsjournalisten sind geneigt und dazu da, alles für wahr anzusehen, was Behörden über ihre Pressestellen absondern. Mutmaßlich verbarg sich hinter der Story die Absicht, die Ukraine als ein mithilfe des Westens befreites" Land positiv in die Schlagzeilen zu bringen, denn außer von fortschreitender Verelendung der Bevölkerung, grassierender Korruption, Machtmissbrauch und faschistischen Exzessen sowie dem Bruch von Waffenstillstandsverpflichtungen an der Ostfront gäbe es derzeit nichts zu berichten. Zur Russendämonisierung jedoch werden die Ukrainer noch gebraucht...

Dass ARD-aktuell trotz der Bedenken der französischen Behörden hinsichtlich des Realitätsgehalts so ungewöhnlich oft und ausführlich über die durchsichtige Wichtigtuer-Story berichtete, wirkt geradezu peinlich wie beifällige Begeisterung für Putschpräsident Poroschenko und die marodierenden faschistischen Milizen in der Ostukraine.

Journalistisch und staatsvertraglich ist eine derart ausufernde Berichterstattung über eine schon auf dem ersten Blick suspekte Marginal-Information aber ein Verstoß gegen die Programm-Richtlinien. Darin wird immerhin gefordert, Nachrichten vor der Verbreitung auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Zusätzlich zeigt sich im unangemessenen Umfang und der Vielzahl der Meldungen über die Story ein Verstoß gegen die Pflicht zur sparsamen Verwendung anvertrauter Programmmittel.

Dass die französischen Behörden – im Unterschied zu den ukrainischen Wichtigtuern - nicht wegen Terrorismus-Verdachts, sondern lediglich wegen Verstoßes gegen Waffengesetze ermitteln und ARD-aktuell diese Information unterschlug, ist ein zusätzlicher Verstoß gegen das Gebot zu vollständiger und umfassender Nachichtengestaltung. Die Einhaltung der Programmrichtlinien, gerade in einem Fall wie dem vorliegenden, wären erforderlich gewesen, um dem Publikum eine korrekte Einordung der Geschehnisse und eine qualifizierte Urteilsbildung zu ermöglichen.

Stattdessen hat ARD-aktuell, im Stil nicht anders als die BILD, aus einem Furz einen Donnerschlag gemacht.

Mit höflichem Gruß

F.Klinkhammer und V. Bräutigam
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Maren

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Re: Programmbeschwerde - Vorbereitung eines angeblichen EM-Attentats

Beitrag30. Juni 2016, 11:21

Betreff: Ihre E-Mail vom 8. Juni 2016
Sehr geehrter Herr Klinkhammer,
sehr geehrter Herr Bräutigam,

in Ihrer E-Mail vom 8. Juni 2016 kritisieren Sie die Berichterstattung von ARD-aktuell über die Festnahme eines Franzosen in der Ukraine.

Ich habe die verantwortliche Redaktion gebeten, zu Ihrer Kritik Stellung zu nehmen. Diese Stellungnahme finden Sie im Anhang.
Stellungnahme_Franzose_geschwärzt.pdf
(1.53 MiB) 127-mal heruntergeladen


Mit freundlichen Grüßen

Lutz Marmor

Intendant des Norddeutschen Rundfunks
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Maren

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Re: Programmbeschwerde - Vorbereitung eines angeblichen EM-Attentats

Beitrag30. Juni 2016, 11:22

Eingabe vom 8.6.16 - Ukraine Geheimdienst


Sehr geehrte Rundfunkräte,

Dr. Gniffkes Ausführungen genügen selbst unsren durchschnittlichen intellektuellen Ansprüchen nicht, so dass Sie nunmehr gefragt und an der Reihe sind.

Die gefakte Nachricht des ukrainischen Geheimdienstes, berüchtigt für seine Lügen, in dieser Ausführlichkeit in den Fokus der Berichterstattung zu stellen ist Sensationsmache, absolut unseriös. Sich ungeprüft auf Geheimdienstinfos zu verlassen (ein jämmerliches Video incl.) ist bezeichnend für ARD-aktuell - und staatsvertragswidrigerweise. BILD könnte da Modell gestanden haben.

Herr Gniffke versucht weiter den Eindruck zu erwecken, als sei diese Müllproduktion kostenfrei entstanden und aufgrund unsinniger Effekthascherei im Vorfeld der EM kein hinausgeworfenes Geld.

Erfahrungsgemäß werden Sie ihm zwar letztlich wieder beipflichten, doch gedenken wir nicht, Ihnen durch Verzicht auf Widerspruch gegen die untauglichen Reinwaschungsversuche Ihre Selbstentäußerung zu ersparen. Wir wünschen angenehme Beratung.

mit höflichem Gruß
F.Klinkhammer und V. Bräutigam

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