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Krieg in Syrien: Angespannte Situation an der türkisch-syrischen Grenze

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Maren

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Krieg in Syrien: Angespannte Situation an der türkisch-syrischen Grenze

Beitrag11. Februar 2016, 12:05

NDR-Rundfunkrat
Rothenbaumchaussee 132
20149 Hamburg


Krieg in Syrien: Angespannte Situation an der türkisch-syrischen Grenze
Sendung: tagesschau 10.02.2016 - 20:00 Uhr


Sehr geehrte Frau Vorsitzende,

in der Tagesschau am 10.2.2016, 20 Uhr, gab es erneut ein sehenswertes Propagandastück, gegen das wir Programmbeschwerde erheben.

Berichtet wurde über Bombenangriffe in der Stadt Azaz, die "das Leid der Zivilbevölkerung weiter verschärften". Woher die Erkenntnis: der böse Russe war´s stammt, verrät ARD-aktuell nicht. Die Bevölkerung der Stadt beklage zwar die Luftangriffe und Bomben, die auch Zivilisten träfen, "aber es sei nicht nachvollziehbar, wer sie abwerfe".
Das entscheidet demnach ARD-aktuell: Schuldzuweisungen bestenfalls nach Hörensagen.

Nicht fehlen darf die alte Leier, dass die USA, Frankreich und die Türkei die Luftangriffe der Russen verurteilten. Verschwiegen wird hingegen, dass Carla del Ponte, die ehemalige Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs, die für den Bericht über die Grausamkeiten der Kriegsparteien im Syrischen Bürgerkrieg verantwortlich zeichnete, am 9.2.16, also drei Tage nach dem OHCR-Bericht über die Verbrechen in Syrien, im "Schweizer Rundfunk und Fernsehen (RTS)" sagte:

„Generell finde ich, dass Russlands Intervention gut war. Denn endlich attackiert jemand all diese terroristischen Gruppen wie Daesch (Islamischer Staat) und Al Nusra“.


Wie es zu erwarten war: Bei solchen nicht in sein Propagandaraster passenden Aussagen von namhaften und halbwegs glaubwürdigen Persönlichkeiten hält Herr Dr. Gniffke sich lieber die Ohren zu. Objektivierende Urteile über Russlands Eingreifen in Syrien passen nicht zu seiner transatlantisch beschränkten Sichtweise und stören ihn bei seinen regierungsfrömmelnden Andachten.

Bei den Luftangriffen soll es 12 Tote gegeben haben. Als Selbstbeweis dafür dient der ARD-Bericht, obwohl er offensichtlich in Azaz von nicht näher genannten Auftraggebern produziert, über die Grenze in die Türkei gebracht und dort an ARD-aktuell übergeben wurde.

Kleiner Grenzverkehr-Journalismus der unqualifizierten Art: Da wird etwas publizistisch verwertet und verantwortet, was mit großer Wahrscheinlichkeit gefälscht ist. Wie ARD-aktuell selbst einräumt, wird Azaz von der "Freien Syrischen Armee" beherrscht, die - was ARD-aktuell aber verschweigt - in dem OCHR-Bericht ebenfalls schwerster Verbrechen beschuldigt wird; auch sie soll schlimmste Grausamkeiten an der Bevölkerung begangen haben. Terroristen-Pack dient der ARD-aktuell als vertrauenswürdige Zeitzeugen: Das passt in das Bild, das man inzwischen von den Verharmlosern und Manipulateuren dieser Redaktion hat.

Selbst die "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" wusste nichts über Bombenangriffe auf Azaz, sie sprach von den Orten Bayanoun, Hayan and Menneg. Wie so oft sah es aus, als habe ARD-aktuell von dem tatsächlichen Kampfverlauf keinen Schimmer. Die syrische Armee, die kurdische YPG und ihre Partner hatte am Sonntag große Fortschritte beim Kampf in der von Al Kaida und Co beherrschten Gegend nördlich von Aleppo gemacht. Die Terroristen flohen vor den Kurden der YPG und der mit ihr faktisch verbündeten Syrischen Armee.

Dass die "Tagesschau" nicht die Gegebenheiten einmal im Groben kennt, ist höchst unwahrscheinlich. Ihr sind Absicht zu einseitiger Information und grobe Fahrlässigkeit vorzuwerfen, sie betreibt antirussische Hetze und verwendet dazu sogar fremdproduzierte und nicht überprüfbare, erkennbar aber parteiische Berichte und desinformiert damit das deutsche Publikum.

Mit seinem Bericht verstößt ARD-aktuell gegen das Gebot der Objektivität und wegen der nicht begründbaren Russland-Vorwürfe gegen die gesetzliche Verpflichtung zur Völkerverständigung.

Mit höflichem Gruß

F. Klinkhammer, V. Bräutigam
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Maren

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Re: Krieg in Syrien: Angespannte Situation an der türkisch-syrischen Grenze

Beitrag25. Februar 2016, 16:14

Betreff: Ihre Programmbeschwerde vom 11.02.2016 sowie mein Schreiben vom 23.02.2016

Ihre Programmbeschwerde vom 11.02.2016 "Tagesschau 20 Uhr - Angespannte Situation an der türkisch-syrischen Grenze"
sowie mein Schreiben vom 23.02.2016

Sehr geehrter Herr Bräutigam, sehr geehrter Herr Klinkhammer,

ich nehme Bezug auf mein o.g. Schreiben, in dem ich Ihnen die Weiterleitung Ihrer Beschwerde an den Intendanten des NDR, Lutz Marmor, bestätigte.

Bei der weiteren Bearbeitung Ihres Anliegens hat sich herausgestellt, dass die zuliefernde Landesrundfunkanstalt für den von Ihnen kritisierten Beitrag der BR war.
Ich habe daher Ihr Schreiben an den Rundfunkrat des BR weitergeleitet.
Sie werden nun in Kürze Antwort von dort erhalten.

Ich bitte die so entstandene Verzögerung der Bearbeitung Ihrer Beschwerde zu entschuldigen.

Mit freundlichen Grüßen

Dagmar Pohl-Laukamp
Rundfunkratsvorsitzende
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NORDDEUTSCHER RUNDFUNK
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Re: Krieg in Syrien: Angespannte Situation an der türkisch-syrischen Grenze

Beitrag25. Februar 2016, 16:15

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,

gegen den Verweisungsbeschluss erheben wir Beschwerde. Es gehört zum Verantwortungsbereich Dr. Gniffkes, einen Beitrag auszuwählen, der angeblich vom BR gestaltet wurde. Insofern verweisen wir auf unsere diesbezüglichen Einwände zu dem Begriff der "Zulieferbeträge", zu denen die Korrespondetenberichte für "ARD-aktuell" nicht zählen. Wir finden es arrogant, dass auf unsere entsprechende Begründung in anderem Zusammenhang bisher nicht eingegangen wurde und Sie ungerührt ihre bisherige Praxis beibehalten. Entsprechend § 13 der NDR-Satzung bitten wir Sie, den Verweisungsbeschluss im Rundfunkrat als rechtswidrig zu bestätigen.

Mit höflichem Gruß
F. Klinkhammer und V. Bräutigam
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Re: Krieg in Syrien: Angespannte Situation an der türkisch-syrischen Grenze

Beitrag13. April 2016, 12:54

Sehr geehrter Herr Bräutigam,
sehr geehrter Herr Klinkhammer,

bitte beachten Sie das Schreiben von Herrn Rundfunkratsvorsitzenden Dr. Wolf an Sie (PDF-Datei im Anhang).
BR_geschwärzt.pdf
(1.35 MiB) 136-mal heruntergeladen



Mit freundlichen Grüßen
C. Weißkirchner

BAYERISCHER RUNDFUNK
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Maren

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Re: Krieg in Syrien: Angespannte Situation an der türkisch-syrischen Grenze

Beitrag13. April 2016, 12:56

Ihr Schreiben vom 11.4.2016 - Bezug NDR Rundfunkrat v. 11.2.2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre ausführliche Stellungnahme, die uns allerdings nicht in allen Punkten überzeugt.

1. Die Freie Syrische Armee ist parteiisch, ebenfalls schwerster Menschenrechtsverletzungen beschuldigt und verbündet mit der Terrorgruppe al Kaida. Die Angaben dieser Gruppe können– ohne die hier zwingend erforderliche Bestätigung einer anderen gesicherten Quelle - nicht ernsthaft als seriöse Grundlage einer Nachricht für das deutsche Millionenpublikum verwendet werden.

2. Ihre Einlassung, "die verfügbare Zeit in einem "Tagesschau"-Bericht sei begrenzt und folglich könnten nicht sämtliche Stimmen in einem Beitrag vorkommen," ist in diesem Kontext eine typische, aber unvertretbare journalistische Ausrede. Carla del Ponte als eine der wichtigsten und wirklich seriösen Quellen aus Zeitgründen nicht erwähnen zu wollen, ist ein Beleg dafür, dass Bereitschaft zu objektiver Berichterstattung von vornherein in der Redaktion nicht gegeben war.

3. Sie meinen, dass die auch im OCHR-Bericht aufgefürten Verbrechen der FSA unwichtig sind, weil die begangenen Kriegsverbrechen nicht im Fokus Ihrer Berichterstattung standen. Diese Rechtfertigung kann nicht überzeugen. Nach unserer Auffassung ist es unbedingt erforderlich, auf mögliche verbrecherische Verwicklungen hinzuweisen, damit das Fernsehpublikum die Informationen korrekt einordnen kann. Das Verschweigen wichtiger Informationen, gerade in einem kriegerischen Konflikt, gehört zum typischen Instrumentarium der Propaganda.

Auch wenn wir Ihre Ausführungen nicht in allen Punkten als überzeugend ansehen, halten wir eine Behandlung der Programmbeschwerde im Rundfunkrat des BR für entbehrlich, da letztlich ARD-aktuell für den Beitrag verantwortlich war. Diese Verantwortung auf Sie abzuschieben, ist aus unserer Sicht unvereinbar mit den geltenden Bestimmungen.


Mit freundlichen Grüßen

F. Klinkhammer + V. Bräutigam

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