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ARD - Programm-Defizit: "Brennpunkt"

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Maren

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ARD - Programm-Defizit: "Brennpunkt"

Beitrag4. Dezember 2015, 17:20

Programm-Defizit: "Brennpunkt"

Beschwerde

Sehr geehrter Herr Marmor,

Deutschland wird nun mit 1200 Soldaten Krieg in Syrien führen, ohne UN-Mandat, ähnlich wie im Krieg gegen Serbien im Jahr 1999 und in Afghanistan 2001.

Es gehörte zur programmlichen Normalität, dass die ARD über diese Art bellizistischer Eingriffe mit deutscher Beteiligung in "Brennpunkten" berichtet.

2001 gab es über das Kriegsgeschehen in Afghanistan 6 Brennpunkte, im Serbien-Krieg waren es 32. Aber nicht nur über Kriege mit deutscher Beteiligung wurde rege berichtet, auch über Naturkatastrophen zeigte man sich mit verstärkter Präsenz: z.B. beim Orkan Kyrill am 20.7.2007 oder dem Münsterländer Schneechaos 2005.

Da überrascht es sehr, dass zum neuerlichen Kriegseintritt Deutschlands nichts passiert, nicht einmal auf eine feierliche Ansprache der Kanzlerin zur Lage der Nation Wert gelegt wird. In der Programmvorschau ist jedenfalls bis zur Stunde noch kein "Brennpunkt" angekündigt.

Wir sehen im Verzicht auf die Sondersendung ein programmliches Defizit und möchten uns darüber beschweren.
Sollten Sie als Vertreter des NDR programmlich nicht zuständig, bitten wir Sie um Weiterleitung der Beschwerde.

Mit freundlichen Grüßen
F. Klinkhammer & V. Bräutigam
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Maren

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Re: ARD - Programm-Defizit: "Brennpunkt"

Beitrag25. Februar 2016, 18:30

Betreff: Erstes Deutsches Fernsehen

Sehr geehrte Zuschauerin, sehr geehrter Zuschauer,

vielen Dank für Ihre e-mail und für Ihr Interesse am Ersten Deutschen Fernsehen. Ich antworte Ihnen im Auftrag des ARD-Vorsitzenden Lutz Marmor.

Der Beschluss des Bundestages zum Einsatz der Bundeswehr in Syrien spielte in der Berichterstattung des Ersten am 4. Dezember eine sehr große Rolle. Das ARD-Mittagsmagazin befasste sich ausführlich mit der Entscheidung des Parlaments. Das Thema war der Aufmacher der „Tagesschau“ um 20:00 Uhr. In den „Tagesthemen“ wurde mit mehreren Beiträgen ein Schwerpunkt gebildet. Zudem befassten sich die Kollegen des „Berichts aus Berlin“ am 6. Dezember mit den Konsequenzen des Bundestagsbeschlusses:

1) Bundeswehreinsatz in Syrien: Das richtige Signal?

Deutschland sendet Soldaten und Tornados in den Krieg gegen den Terror des IS. Ein Einsatz, der laut Opposition im "Schweinsgalopp" beschlossen wurde und keine Strategie erkennen lässt. Welche Gefahren birgt das militärische Engagement in Syrien? Der Bundeswehreinsatz ist eine der heikelsten Missionen in der Geschichte der Bundeswehr. An wessen Seite ziehen wir in den Krieg: an der Seite Russlands oder der NATO-Mächte? Mit oder gegen Assad? Ist den Bundestagsabgeordneten bewusst, auf welches Abenteuer sich die Deutschen einlassen? Syrische Flüchtlinge sagen, die Situation sei verworrener, als viele in Deutschland denken. Sie machen sich Sorgen um ihre Freunde und Verwandten in ihrer alten Heimat. (Michael Stempfle, SWR)

2) Studiogespräch mit Peter Altmaier, Kanzleramtsminister, CDU

"Im Augenblick sprechen wir nicht über Bodentruppen", sagt Kanzleramtsminister Peter Altmaier, CDU, über die deutsche Beteiligung am Antiterrorkampf in Syrien. In der Flüchtlingspolitik sei das Ziel, "die Zahl der Asylbewerber zu reduzieren". (Rainald Becker, SWR)

Das Erste Deutsche Fernsehen ist mit diesem Angeboten seinem Informationsauftrag umfassend nachgekommen. Selbstverständlich werden die zuständigen Redaktionen den Einsatz der Bundeswehr in Syrien sehr aufmerksam verfolgen. Wenn es die Nachrichtenlage erfordert, werden Sie im Ersten Deutschen Fernsehen „Brennpunkte“ zu diesem Thema sehen.


Mit freundlichen Grüßen

Erstes Deutsches Fernsehen
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Maren

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Re: ARD - Programm-Defizit: "Brennpunkt"

Beitrag25. Februar 2016, 18:31

Sehr geehrte Frau Knott,

vielen Dank für Ihre Nachricht. Wir bitten um Entschuldigung, dass wir erst heute wegen eines Versehens auf Ihre Antwort zurückkommen.

Leider sind wir mit Ihren Ausführungen nicht einverstanden, da sie auf unser Anliegen nicht eingehen. Wir hatten bemängelt, dass trotz jahrelanger entsprechender programmlicher Gepflogenheiten der Kriegseintritt Deutschlands in Syrien keinen Brennpunkt ausgelöst hat. Sie antworten darauf, dass der Kriegseintritt in der ARD-Berichterstattung eine "große Rolle" gespielt habe. Diese Antwort ist insofern wenig überzeugend, als Beiträge bei TS, TT oder dem Mittagsmagazin gewöhnlich mit weit weniger Brisanz auf den genannten Sendeplätzen zu finden sind. Auch der "Bericht aus Berlin" zwei Tage später ist kein Ersatz für einen "Brennpunkt". Da man auch sonst in der ARD so gut wie nichts über den deutschen Einsatz inSyrien erfährt, besteht für uns Anlass zu der Vermutung , dass die ARD bewusst Informationen über den Kriegsensatz vertuschen will, weil bekannt ist, dass die deutsche Bevölkerung zu fast 80% gegen militärische Interventionen eingestellt ist. Wir bitten Sie, unser Anliegen nicht als Zuschauerpost, sondern formell als Programmbeschwerde zu behandeln.

Mit freundlichen Grüßen
F. Klinkhammer + V. Bräutigam

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