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Unwort des Jahres

Manipulation, politisches Framing, Sprache, Narrative, Meinungsbildung, Deutungshoheit
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Maren

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Unwort des Jahres

Beitrag13. Januar 2015, 12:51

Unwort des Jahres 2014: „Lügenpresse“

Dass Mediensprache eines kritischen Blicks bedarf und nicht alles, was in der Presse steht, auch wahr ist, steht außer Zweifel. (...) Eine solche pauschale Verurteilung verhindert fundierte Medienkritik und leistet somit einen Beitrag zur Gefährdung der für die Demokratie so wichtigen Pressefreiheit, deren akute Bedrohung durch Extremismus gerade in diesen Tagen unübersehbar geworden ist.


Die gängige Reaktion, aktuelle Medienkritik pauschal als politisch gesteuert zu bezeichnen und Kritik stets "entschieden zurückzuweisen", verhindert den Dialog und gefährdet die für die Demokratie so wichtige Meinungsfreiheit. Das Unwort des Jahres 2014 werden sich wohl insbesondere die Medien - als unzulässige Zuschreibung seitens der Kritiker - an die Brust heften, die sich durch eigene Kodiezes freiwillig beschränken, die 2014 den Angriff auf die Lesermeinung starteten und neben der Pressefreiheit gerne die Verantwortung vergaßen sowie schlussendlich jene, die einem öffentlichem Auftrag nur unzureichend nachkommen.
Zuletzt geändert von Maren am 13. Januar 2015, 13:24, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Missverständliche Formulierung angepasst
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Maren

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Re: Unwort des Jahres

Beitrag13. Januar 2015, 13:42

Beitrag und Kommentare dazu auf Tagesschau.de

Hier einige historische Fakten: http://gfds.de/volksverraeter-und-luege ... e-woerter/
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Maren

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Re: Unwort des Jahres

Beitrag13. Januar 2015, 13:54

Artikel von Richard Gutjahr zum Thema: http://www.gutjahr.biz/2015/01/fucked/?
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Maren

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Re: Unwort des Jahres

Beitrag23. Februar 2015, 12:26

„Die Medienfreiheit ist ein 1989 durch die friedliche Revolution errungenes Gut, das es zu schützen und respektieren gilt. Ohne unabhängige und den Grundsätzen von Objektivität, Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit verpflichtete Medienberichterstattung ist eine freie persönliche und öffentliche Meinungsbildung grundsätzlich gefährdet.“
Sagt der Medienverband Sachsen.

Ich finde das bemerkenswert, zumal wir exakt das Gleiche wollen: Objektivität, Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit in der Berichterstattung.
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Maren

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Lügenpresse - Zum Umgang von Medien und Öffentlichkeit mit den neuen “Wutbürgern”

Beitrag2. März 2015, 17:46

Am 26.02.2015 fand in Leipzig eine Podiumsdiskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Thema statt.

Auf dem Podium Stephan Raue (Chefredakteur MDR, Trimediales), Dr. Everhard Holtmann (vom Zentrum für Sozialforschung Halle/Saale), Wolfgang Brinkschulte (Moderation, MDR), André Böhmer (stellv. Chefredakteur LVZ) und Christian Wolff (ehem. Pfarrer der Thomaskirche)
Das Audio zum Nachhören: “Lügenpresse”– Zum Umgang von Medien und Öffentlichkeit mit den neuen “Wutbürgern”
http://www.l-iz.de/html/downloads/2015/ ... 022015.mp3
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Re: Unwort des Jahres

Beitrag20. April 2015, 10:10

Sehr schöner Beitrag zum Thema im Freitag.

Dass die Mehrheit der Menschen, die nicht zu den Oberen gehören, den Eindruck gewinnen, dass die Mehrheit der Medien die Unwahrheit sagen, ist nicht erstaunlich. Sie haben ein von den Nazis geprägtes Wort zur Verkündung ihres Unmuts gebraucht. Das wird ihnen jetzt zum Stolperstein.
Albrecht Müller
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Maren

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Re: Unwort des Jahres

Beitrag14. September 2015, 12:51

Es ist schon wieder soweit - das Unwort des Jahres wird gekürt. Die Jury (vier Sprachwissenschaftler und ein Journalist) macht darauf aufmerksam, dass nicht der Begriff, der am häufigsten vorgeschlagen wird, zum Sieger erklärt wird, sondern vielmehr undifferenzierter, verschleiernder oder diffamierender Sprachgebrauch angeprangert werden und so auf die Sprachsensibilität der Bevölkerung abgezielt werden soll.

Laut Spon sind bereits erste Anwärter auf das Unwort des Jahres 2015 eingegangen, die alle mit der akuellen Flüchtlingsdebatte zu tun haben. Ich habe mal an der Abstimmung teilgenommen und lag, zumindest was die Mehrheitsverhältnisse anbelangt, richtig. Keins davon ist mein Favorit.

Unwort.JPG
Unwort.JPG (59.82 KiB) 7903-mal betrachtet


Mein Unwort des Jahres ist Querfront. Dieser Begriff, dessen Entstehungsgeschichte in der Weimarer Republik begann, wurde in 2015 verstärkt von Politik und Meinungsmachern zur pauschalen Diffamierung von Menschen verwendet, die sich unabhängig und konträr zur vorherrschenden Regierungsmeinung an politischen Aktion beteiligten, sich kritisch gegenüber dem Mainstream artikulierten, alternative Medien konsumierten oder produzierten, oder ganz einfach an Demonstrationen für den Frieden teinahmen. Diese Schubladisierung lähmte insbesondere die klassische Friedensbewegung - selbst in Anbetracht der realen und akuten Kriegsgefahr in Europa - und führte zu Spaltungen und Abgrenzungen innerhalb von Gruppen, deren Mitglieder bis dato über jeglichen "Nazi-Verdacht" erhaben waren.

Diese Art perfider Stimmungsmache, welche auf Spaltung von Opposition, auf Abwertung alternativer Politikentwürfe und auf die Einschränkung der Meinungsfreiheit abzielt, ist im höchsten Maße undemokratisch und eine Gefahr für Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung.

Vorschläge können unter dieser Mailadresse eingereicht werden: vorschlaege@unwortdesjahres.net
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Maren

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Unwort des Jahres 2015

Beitrag22. Januar 2016, 19:13

Das "Unwort des Jahres 2015" lautet Gutmensch.

Außerdem werden gerügt: Hausaufgaben (im Zusammenhang mit Griechenland) sowie Verschwulung.

Für das Jahr 2015 wurden 669 verschiedene Wörter eingeschickt, von denen ca. 80 auch den Unwort-Kriterien der Jury entsprechen. Die Jury erhielt insgesamt 1644 Einsendungen.

Die zehn häufigsten Einsendungen insgesamt, die allerdings nichtsämtlich den Kriterien der Jury entsprechen, waren:

- Lärmpause [165]
- Willkommenskultur [113]
- Gutmensch [64]
- besorgte Bürger [58]
- Grexit [47]
- Wir schaffen das! [46]
- Flüchtlingskrise [42]
- Wirtschaftsflüchtling [33]
- Asylgegner/-kritiker/Asylkritik [27]
- Griechenlandrettung/ Griechenlandhilfe [27]

Pandora

Unwort des Jahres 2016

Beitrag20. Januar 2017, 10:56

http://www.tagesschau.de/inland/unwort-127.html

"Volksverräter" ist das Unwort 2016. Besonders "prickelnd" dabei ist die Entscheidung kein weiteres Wort zu nominieren. Damit ist die "politische Ausrichtung" der Jury klar, denn es wird zwar kritisiert dass Volksverräter eine politische Diskussion unmöglich macht, ABER der Gebrauch von "(Rechts-)Populismus" in den Medien oder durch Politiker macht genau das Gleiche und wird aber als "normal" angesehen.

Populismus hat an sich gesehen zwar keinerlei Wertung, ABER da dieser Begriff immer nur im Zusammenhang mit "rechts" benutzt wurde, hat dieser eine negativ-Färbung bekommen.

Genausowenig ist Populismus ein Argument, wird aber - leider - von viel zu vielen Menschen als solches angesehen.

Wenn man also Volksverräter als Unwort ansieht, dann muß man es mit Populismus mindestens genauso tun ... wenn nicht noch mehr.

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