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Maren

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BeitragFr 25. Nov 2016, 21:24

„Mit der öffentlichen Abgabe steigern sich die Transparenzpflichten. Jeder Beitragsschuldner hat einen Anspruch darauf, zu wissen, was mit seinem Geld geschieht, welche Sendung für welche Summen gekauft und produziert wird. ... Der Informationsanspruch betrifft den Einfluss des Geldes auf das öffentlich-rechtliche System. Daher sollten alle Zahlungen, die Mitwirkende an einer Sendung befangen machen könnten, offengelegt werden. Dabei sollte keine Rolle spielen, wie die Person arbeitsrechtlich im Sender eingegliedert ist.“


Paul Kirchhof zur Transparenz am 19.1.2013 in der FAZ
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Maren

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BeitragMo 28. Nov 2016, 23:01

Abgesehen von den verbalen Entgleisungen und von der Tatsache, dass mir Texte zuwider sind, in denen die Sprache aufs Gröbste vergewaltigt wird, weil der Autor sie an den Regeln von Rechtschreibung und Interpunktion vorbei quält, was seiner „rhetorischen Kraft“ die Spannkraft eines erschlafften Luftballons verleiht, verstehe ich nicht, warum Fidel Castros Tod ein guter Tag für die Freiheit sein soll. Diese Herrschaften scheinen eine merkwürdige Vorstellung von Freiheit zu haben. Welche Freiheit meinen sie? Die Freiheit, einem Verstorbenen den Stinkefinger zeigen zu dürfen? Meinen sie die Freiheit, die wir als Konsumenten im Scheinpluralismus weniger Konzerne fristen dürfen? Oder ist es die Freiheit, nach Belieben das Völkerrecht zu brechen und andere Länder in Not und Elend zu stoßen? Vielleicht ist die Pressefreiheit gemeint und wie sie ausgeübt wird. Oder die Freiheit, alle vier Jahre zwischen Pest und Cholera wählen zu dürfen, während der Sozialstaat sich bis zur Unkenntlichkeit verkrümelt und das Bildungssystem vor die Hunde geht, bis nur noch willfährige Untertanen übrig bleiben. Sagt mir, welche Freiheit meint ihr? Die Privatisierung von Wasser, Straßen und Gefängnissen? Die Freiheit, die Umwelt auf das Gröbste zu schädigen, ohne ein einziges Gesetz zu brechen? Um was geht es euch, wenn ihr anlässlich des Todes dieses Mannes wie Rumpelstielzchen ums Feuer tanzt? Eines Mannes, der einen üblen US-amerikanischen Vasallen und Menschenschinder (Batista) verjagt hat, um dann unter schwierigsten Bedingungen (jahrzehntelange Sanktionen des „freien“ Westens) mit dem Analphabetentum aufzuräumen und tatsächlich so etwas wie soziale Gerechtigkeit in seinem Volk herzustellen. Kommt mir nicht mit den Menschenrechten. Wenn ich könnte, würde ich euch jetzt auf die Straßen von Havanna beamen. Nehmt euch dort ruhig die Freiheit, den trauernden Menschen den Stinkefinger zu zeigen. Dann gewöhnen sie sich schon mal an die bevorstehende Invasion, die Kuba über kurz oder lang wieder zum größten Casino der USA machen wird.


Dirk C. Fleck
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Maren

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BeitragDi 29. Nov 2016, 21:48

Man gewinnt den Eindruck, dass mit den wachsenden Möglichkeiten der Zensur und Manipulation der Meinungsäußerung auch der Drang wächst, diese zu kontrollieren. Früher wäre niemand auf die Idee gekommen, die Gespräche am Stammtisch oder wo auch immer zu zensieren oder zu normieren, weil es schlicht nicht möglich war, wenn man nicht einen aufgeblähten Geheimdienstapparat einsetzt. Jetzt, wo die private Meinungsäußerung wahrhaft öffentlich wird, soll die Normierung auch ausgebaut werden.


Florian Rötzer
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Maren

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BeitragMi 30. Nov 2016, 21:39

Regime-/Regierungstruppen zerbomben/besiegen Opposition/Terroristen in Aleppo/Mossul
Aleppo/Mossul (dpo) – Assads Schergen/irakische Soldaten haben bei der Rückeroberung der Stadt Aleppo/Mossul einen brutalen/bedeutenden Sieg erkämpft. Dabei gelang es den Regime-/Regierungstruppen, das Gebiet der Rebellen/Terrormiliz in zwei Teile zu zerschlagen. Ein Sieg von Machthaber Assad und Putin/der irakischen Regierung und ihrer Verbündeten scheint damit unaufhaltbar/greifbar nahe.
In einem Propaganda-/offenbar authentischen Video ist zu sehen, wie die Bewohner der zerstörten/befreiten Gebiete das Ende der Gewalt feiern. Zuvor hielten sich zehntausende Zivilisten freiwillig in den umkämpften Gebieten auf/wurden als menschliche Schutzschilde missbraucht.
Mit dem Sieg der Regime-/Regierungstruppen steht die Befürchtung/Hoffnung im Raum, dass die syrischen Oppositionellen in Aleppo/die IS-Extremisten in Mossul nicht mehr lange durchhalten werden – ein weiterer schwarzer/glorreicher Tag für Syrien/den Irak.
Bei der Offensive kam es zu zahlreichen Kriegsverbrechen/Kollateralschäden. Rund 200 Zivilisten verloren ihr Leben.


Stefan Sichermann
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BeitragDo 1. Dez 2016, 21:46

Was "Hetze" ist, liegt im Auge des Betrachters: Twitterer im linksextremen Bereich nennen Kritiker gerne "Hater" und sind schneller mit Nazi-Vergleichen bei der Hand, als Godwins Gesetz erlaubt. In diesem Spektrum wird es auch als eine Art E-Sport gepflegt, Mitmenschen nachdrücklich zu provozieren, um sich bei Reaktion in der Opferrolle zu profilieren - und das Recht zu beanspruchen, mit aller Härte zurückzuschlagen. Dabei schrecken sie nicht davor zurück, ihre Gegner oder vermeintlichen Gegner mit diversen -ismus-Keulen öffentlich mundtot zu machen und damit sozial zu erledigen. Genau Leute aus diesem selbstgefälligen Spektrum haben am Mittwoch die "Digitale Charta" am Lautesten gefeiert.


Markus Kompa
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BeitragMi 7. Dez 2016, 22:55

Von verschiedenen Seiten erreicht mich die Frage, wie ich zu dem Aufruf von SchriftstellerInnen zu einer Protestkundgebung heute vor der russischen Botschaft stehe:
Das Entscheidende für mich ist, dass in Syrien das Töten und Morden aufhört. Immer wieder zu nur zu fordern, dass Assad weg muss, bringt gar nichts. Darüber werden die Syrerinnen und Syrer selbst entscheiden. Das entspricht darüber hinaus exakt dem Ergebnis der Wiener Verhandlungen, das heißt den Bemühungen von de Mistura für die Vereinten Nationen. Ich fahre, wenn es sein muss, einmal um die Welt, zumindest einmal nach Moskau, um mit Russland über eine diplomatische Lösung für Syrien zu sprechen.
Die Aufrufer zu dieser Kundgebung bitte ich um eine Auskunft: Warum hat es bisher von ihnen keine Demo gegen die Bombenabwürfe der USA und ihrer Verbündeten, gegen den völkerrechtswidrigen Einsatz deutscher Tornados in Syrien, gegen die Schlächterei Saudi-Arabiens und Katars und gegen den Einmarsch türkischer Truppen in Syrien gegeben? Blindheit auf mindestens einem Auge macht auch friedensunfähig. Schade!...


Wolfgang Gehrcke
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BeitragDo 8. Dez 2016, 20:55

Allerdings sitzt die Tageschau mittlerweile in einer Falle, in die sie sich selbst manöveriert hat. Es geht nämlich nicht mehr um journalistische Kriterien, sondern um politische Relevanz. Wer einmal mit diesem Kriterium hantiert hat, darf sich aber über die Folgen nicht wundern. Und es ist in der Vergangenheit eben zu häufig passiert, dass man sich über die politischen Folgen von Berichterstattung Gedanken gemacht hat anstatt über journalistische Kriterien. Ob etwa Zuschauer Meldungen über die Kriminalität unter Flüchtlingen falsch interpretieren könnten, nämlich als Bestätigung fremdenfeindlicher Vorurteile.


Frank Lübberding
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BeitragFr 9. Dez 2016, 22:05

Ein glaubwürdiger Intellektueller muss Ungerechtigkeiten anprangern ‒ angefangen mit denen in seinem eigenen Land.


Ignacio Ramone
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BeitragSo 11. Dez 2016, 00:11

Das Attribut "postfaktisch" könnte man bestenfalls noch als einfach nur unglücklich gewählte Bezeichnung für einen Modus nicht massenmedial dominierter Konstruktion von Wirklichkeit durchgehen lassen - aktuell wird der Terminus in der Öffentlichkeit jedoch gerade nicht analytisch, sondern diskursstrategisch verwendet.
Jeder, der den Begriff ernsthaft benutzen will, sollte sich deshalb vorab überlegen, ob er der damit benannten strategischen These tatsächlich zustimmen und der existenziellen Panik der traditionellen Massenmedien Vorschub leisten mag.


Michael Schetsche
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BeitragDi 13. Dez 2016, 19:52

Man redet heute mit Journalisten und es fühlt sich an, als spräche man mit Sekten-Jüngern. Das Licht brennt, die Augen flackern, aber aus dem Mund klingen die immergleichen Verse, ihre Stimme ein apokalyptisch euphorischer Singsang, jede Kritik an der Wunderbaren eine Blasphemie. Wenn aber das Delta zwischen Realität und Bericht selbst einen dissonanzerfahrenen Qualitätsjournalisten zu zerreißen droht, dann wird sogar dieser sich in den Staub der »Selbstkritik« hinablassen. Oder so tun, als ob. Für Selbstkritik fehlen manchem unserer Meinungsarbeiter schlicht die Sinne – ja, das Fehlen dieser Sinne war Einstellungsvoraussetzung. (Man vergleiche: Die sinclairsche Unmöglichkeit, einen Menschen zum Verstehen zu bringen, wenn sein Gehalt vom Nichtverstehen abhängt.) Wie ein Blinder, der die Augen zusammenkniffe, um besser zu sehen, so versuchen Journalisten, zu erkennen, was sie falsch gemacht haben. Ein besserer Mensch als ich verkniffe sich das Lachen.


Dushan Wegner
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BeitragDo 15. Dez 2016, 23:06

Exil im Netz ...

Die online-community: Das sind nicht nur die bösen Buben, die loser, die keiner mag, weil sie alle Spielregeln knacken.

Online ist auch ein virtuelles Fluchtmilieu entstanden, das potenzielle winner besiedeln, die der politischen Elite nicht gefallen. Die virtuelle Community ist ein intellektueller Treff vom Feinsten, das Exil der scharfsinnigen Analytiker.

Sie müssen nicht mehr Schiffspassagen buchen wie ihre Vorgänger im 20. Jahrhundert; Emigration läuft heute virtuell. Online diskutiert die emigrierte Elite über die Chancen der demokratisch erzogenen Bürger in Zeiten der autoritären Versuchung.

Online stellt die vertriebene Elite der amtierenden Herrschaftselite die Diagnose: Entgleisungsgefahr wegen Selbstüberschätzung. Die Tyrannei der guten Absichten wird uns nicht zu Siegern machen. Die ins online-Ghetto verschickte Elite wartet auf ihre Stunde.


Gertrud Höhler
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BeitragMi 21. Dez 2016, 23:55

Nehmen wir einen vergleichbaren Fall aus analogen Zeiten. Der Spiegel machte im Jahr 1987 kurz vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein die Barschel-Affäre öffentlich. Nach dieser Logik hätte der damalige Ministerpräsident aus Kiel nur bei einer Rechtsschutzstelle der deutschen Druckindustrie "in geeigneter Weise glaubhaft machen" müssen, Opfer von Fake-News gewesen zu sein, um die gesamte Auflage des Spiegel sofort aus dem Verkehr zu ziehen. Diese Rechtsschutzstelle hätte Barschel auch bei den strafrechtlichen Ermittlungen gegen den Spiegel unterstützen müssen. Etwas in "geeigneter Weise glaubhaft zu machen", ist ein Rechtsbegiff, der erst in jedem Einzelfall geprüft werden muss. Das geht wohl kaum in 24 Stunden. Theoretisch wäre das ein Einfallstor, um jede umstrittene journalistische Berichterstattung zu verhindern.
(...)
Darin drückt sich der Bedeutungsverlust des klassischen Journalismus aus. Früher wurde noch fast selbstverständlich zwischen seriösen und unseriösen Quellen unterschieden. Das ist offensichtlich selbst in den Augen des Gesetzgebers kein Argument mehr. Dafür tragen nicht zuletzt die klassischen Medien selbst die Verantwortung. Sie haben bei zu vielen Themen den Eindruck eines homogenen Blocks erzeugt. Beispiele waren etwa die Berichterstattung über die Ukraine-Krise oder im vergangenen Jahr der Umgang mit der Flüchtlingskrise.


Frank Lübberding
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BeitragFr 30. Dez 2016, 20:44

Das Problem ist, dass die westliche Medienpolitik durch den Konflikt mit Russland dominiert wird. Mit der East StratCom Task Force hat der Europäische Auswärtige Dienst ja quasi eine medienpolitische Kampfgruppe Ost eingerichtet. Dahinter standen vor allem die baltischen Staaten, die zugleich für eine entschiedene Nato-Politik gegen Moskau eintreten. Solche geopolitischen Interessen sind keine gute Grundlage für eine Politik, die vorgibt, eine freie Presse zu unterstützen. In Deutschland ist die Deutsche Welle in Medienprojekte in der Ukraine eingebunden, die mit Intendant Peter Limburg von einem erklärten Russland-Kritiker und ehemaligen Nato-Korrespondenten geleitet wird.


Harald Neuber
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BeitragSo 1. Jan 2017, 16:22

(...)Dabei ist uns die Freiheit längst abhanden gekommen. Diejenigen, die dies nicht sehen wollen, sind das eigentliche Problem. Mit ihrer Politik des Totschweigens, Beschwichtigens und mit ihrer falschen Toleranz liefern sie ihrem politischen Gegner die besten Argumente und machen am Ende denjenigen das Leben schwer, die sie eigentlich schützen wollen: Einwanderer türkischer und arabischer Herkunft, die einfach nur ihre Ruhe in einem einstmals freien Land haben wollen.


Karim Dabbouz
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BeitragMi 4. Jan 2017, 22:46

Das demokratische Prinzip lebt elementar vom Ideal der Aufklärung und von der Idee des mündigen Bürgers – bis zum absolut endgültigen Beweis des Gegenteils. Und eine paternalistisch regierte Wahrheitswelt kann sich bei allem Erschrecken über das gegenwärtige Kommunikationsklima niemand wünschen. Was für liberal gesinnte Geister bleibt, ist die manchmal beglückende und manchmal schreckliche Sisyphusarbeit des Diskurses, die nun überall stattfinden muss.


Bernhard Pörksen
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BeitragDo 5. Jan 2017, 19:48

In der Kriegsberichtserstattung ist der Missbrauch von Kleinkindern eine üble Form von Kriegsjournalismus. Dort, wo kleine Mädchen auftauchen, ist nur noch Propaganda im Spiel. Dass unsere Medien dieses Spiel mitspielen, ist unerträglich. Das war schon eine der Trickkisten vom Adolf.


Jörg Becker
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BeitragMo 9. Jan 2017, 22:22

Der personifizierte Rotfunk war in solchen Zeiten anonymes Blaukreuz, als diese Anstalt noch durch rabiate Enthüllungen, durch kritische, den alten Zeitgeist aufschreckende Beiträge und durch profunde Recherchen zum laufenden politischen Schwachsinn und zu den strukturellen Ungerechtigkeiten dieses Landes glänzte. Rückblickend frage ich mich, ob der Alkohol am Ende dafür mitverantwortlich war. Taugt er vielleicht doch – oder auch? – als rebellische und widerständige Droge, die zu mehr Unerschrockenheit verhilft?


Günter Walraff
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BeitragDi 10. Jan 2017, 20:59

Irgendwann melden sich die Benachteiligten. Und es ist nicht so, wie die Linke sich das vorgestellt hat, dass dieses Erwachen zum Fortschritt führt. Es genügt vielen, nur dagegen zu sein. Man denkt nicht weiter. Nicht nur in Amerika. Ich habe gerade meinen Freunden gesagt, wir werden die Linke vermissen. Denn die Linke konnte den Leuten, die eine unsichere Existenz haben, ein Ziel geben, sie konnte ihren Protest irgendwie kontrollieren. Jetzt gibt es diese Linke nicht mehr.


Petros Markaris
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Wenn Journalisten nach Zensur rufen

BeitragDi 10. Jan 2017, 22:22

Zeitungsenten sind irrtümlich oder absichtlich verbreitete Falschmeldungen. Die Herkunft des Begriffs „Zeitungsente“ ist umstritten. Lange Zeit nahm man das Kürzel „n.t.“, ausgesprochen „EnTe“, als Ursprung an. Es steht für das lateinische „non testatum“. Damit wurden seit dem 17. Jahrhundert Meldungen mit unbestätigter Quelle gekennzeichnet. Wahrscheinlich ist jedoch der Begriff „Zeitungsente“ aus Frankreich nach Deutschland gekommen. Donner des canards (Enten geben) wird im Nachbarland mit Lügen gleichgesetzt.


Dieser hübsche Beitrag wurde von Autor Dirk Maxeiner in einer lesenswerten Abrechnung mit "selbsternannten" Meinungsermächtigten und Deutungshoheitlern verlinkt. Absolut lesenswert.
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Re: Zitiert

BeitragMi 11. Jan 2017, 21:55

Die besondere Gefahr, die seit einiger Zeit im Zusammenhang mit gefälschten Informationen unter Stichworten wie „fake news“ und „postfaktisch“ verhandelt wird, besteht in der enormen Verbreitung der Nachrichten sowie der rasenden Geschwindigkeit, in der sich der Vorgang unwiderruflich vollzieht. … Gefälschte Nachrichten hat es immer gegeben, ihre Geschichten füllen stattliche Bibliotheksregale und sie sind aufbewahrt und kunstvoll ausgeschmückten Legenden über Geheimdiplomatie und ihre Agenten. Deren Einfalls- und Erfindungsreichtum ist beachtlich, stets aber schien es nur einigen wenigen Mächtigen vorbehalten zu sein, sich ihrer Fähigkeiten bedienen zu können. Mit den digitalen Medien aber haben sich die Möglichkeiten zu Fälschung und Täuschung demokratisiert. In mehr oder weniger begrenztem Umfang kann heute jeder mittun. Vor der Lust am großen Schwindel ist niemand sicher. Weder Staaten noch die Privatsphäre der Einzelnen sind wirkungsvoll und verlässlich dagegen zu schützen.


Harry Nutt
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Re: Zitiert

BeitragDo 12. Jan 2017, 20:52

Wenn aber die Festlegung, was eine Lüge und was ein Hass-Kommentar ist, in die Hände der Obrigkeit gelegt wird, dann wird die Wahrscheinlichkeit, dass staatstragende Politik überhaupt noch der Lüge überführt werden kann, weiter sinken.


Matthias Heitmann
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Re: Zitiert

BeitragMo 16. Jan 2017, 01:06

Ich halte Fake News von einer bestimmten Dimension an, von einer bestimmten Dichte an, von einer bestimmten Art der Eingeschossenheit auf eine bestimmte Person an, für gefährlich. Für so gefährlich, dass sie die Demokratie, dass sie Wahlen und Wahlkämpfe vergiften und verderben. Ich bin niemand, der schnell nach der Verschärfung des Strafrechts ruft. Das Strafrecht ist ausreichend, aber es ist, wie man früher in den Lehrbüchern gesagt hat, ein hölzerner Handschuh, um so sensible Dinge schnell zu greifen. Wenn wir die Demokratie vor Vergiftungen schützen wollen, müssen wir uns überlegen: Wie wollen wir mit dem Zeug umgehen?


Heribert Prantl
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Re: Zitiert

BeitragMo 16. Jan 2017, 19:09

Wir, also meine Mitarbeiter und die Produzenten, haben damals das Programm mit Begeisterung gemacht. Wir wollten einerseits etwas Besonderes herstellen, hatten aber andererseits immer das Publikum im Blick, denn wir wollten natürlich auch Applaus. Heute spielt statt des Applauses die Quote die große Rolle, aber noch wichtiger scheint mir der Profit zu sein. Das Kinderprogramm wird benutzt, um Geld zu verdienen. Der einzige Grund für das Remake von „Biene Maja“ zum Beispiel ist meines Erachtens die Hoffnung, durch die neuen Rechte mit dem Verkauf von Nebenprodukten mehr Geld zu verdienen, als es mit den alten Fassungen noch möglich ist. Das funktioniert heutzutage hauptsächlich im Kleinkindumfeld, weil Tanten und Großmütter gern die entsprechenden Produkte für ihre Neffen, Nichten und Enkel kaufen. Nicht umsonst sind die neuen Versionen von „Biene Maja“ oder „Heidi“ als Programm für kleine Kinder deklariert. Der Markt für ältere Kinder ist nicht mehr so sehr interessant, weil sie ihr Unterhaltungsbedürfnis im Internet oder anderswo befriedigen.


Josef Göhlen
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Re: Zitiert

BeitragDi 17. Jan 2017, 19:02

Und doch war dieser Scoop (Amn: Panama-Papers), wie es in unserer Branche heißt, auch irreführend. Die Berichte erweckten den Eindruck, dass die Hauptverantwortung für den organisierten Steuerbetrug bei einer kriminellen Anwaltskanzlei im fernen Panama und dessen korrupter Regierung liege. Aber das stimmt nicht. Das Steuerfluchtzentrum Panama, und mit ihm alle anderen, ob sie nun Kaimaninseln, Jungferninseln, die niederländischen Antillen, Hongkong, Singapur oder anders heißen, sie existieren nur deshalb, weil die Regierungen der Wohlstandsländer sie gewähren lassen, auch die deutsche.


Harald Schumann
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Re: Zitiert

BeitragFr 20. Jan 2017, 18:56

Wenn Journalisten sich grundsätzlich bei ihrer Arbeit einer Vielzahl von Nachrichten und Informationen annehmen und auswerten, warum wird seit geraumer Zeit so getan, als sei das etwas Besonderes? Warum wird seit geraumer Zeit die Auseinandersetzung mit "Fake News" so dargestellt, als sei diese im Sinne einer Aufklärung der Mediennutzer nicht ohnehin grundsätzlicher Bestandteil eines verantwortungsvollen Journalismus? Die Fragen führen zum Kern des Problems.

Unter dem Deckmantel journalistischer Aufklärung ist eine Kampagne zu beobachten, bei der es im Wesentlichen um die Fortführung jenes Kampfes geht, der seit der Verbreitung des Internets entstanden ist. Es ist der Kampf um die Deutungshoheit zwischen den "legitimen" Deutern und Bestimmern der Wirklichkeit und den "illegitimen" Wirklichkeitsbeobachtern.


Marcus Klöckner
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