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Zukunft des ÖRR als ÖR-IT-Dienstleister

Dieses Forum umfasst vorläufig ältere und aktuelle Themen, die sich mit Ideen zur Reformierung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten befassen.
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nichtfernseher

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Zukunft des ÖRR als ÖR-IT-Dienstleister

BeitragSa 1. Feb 2014, 20:25

Prolog: Wir haben seit über zehn Jahren keinen Fernseher. Unsere Berührungspunkte mit dem ÖRR beschränken sich nahezu ausschliesslich auf das (im grossen und ganzen sehr gute) Hörfunkprogramm des Bayerischen Rundfunks. Ansonsten zunehmend mehr nach unserem Gusto aus dem Internet. Markus Lanz wurde für uns eigentlich erst durch die aktuelle Diskussion um den "Talk" mit Sahra Wagenknecht ein Begriff. Kurzer Blick in die ZDF-Mediathek und das reichte dann auch schon. Es ist sicher extrem wichtig, das ÖR-Fernsehen aus dem Klammergriff der wirtschaftsgesteuerten Politikkaste zu lösen und die Programminhalte wieder aus dem nicht zu gewinnenden Quoten=Niveau-Konkurrenzkampf herauszupfeifen: Politische Information, Wissenschaft, Kultur, Regionales und Basta. Die Wissenschaft habe ich nur deswegen separat angeführt, weil es in Deutschland leider eine unselige Tradition hat, vor allem die Naturwissenschaften nicht zu "Kultur" zu rechnen.

Seit Januar diesen Jahres zahlen wir jedoch "Zwangsgebühren" für ein ÖR-Fernsehangebot, das sich im Konkurrenzkampf mit den "Privaten" immer mehr auf ein Niveau hinabbegeben hat, das ich nicht als staatlich förderungswürdig betrachte. Da es bei diesem Kampf um "Quote" geht, sehe ich das Argument "Mehr Demokratie" als sehr zweischneidig: Der klassische "Bildungsauftrag" ist sicher nicht mehrheitsfähig. Kritisches Staatsbürgertum als Grundlage jeder Demokratie zu fördern täte not. Ob alle unsere Parteien das wirklich wollen, sei dahingestellt.

Für mich und möglicherweise viele andere Nicht-Fernsehkonsumenten stellt sich daher die Frage, ob die Einengung der Diskussion auf das Fernsehen nicht zu einschränkend ist. Deshalb einige Anmerkungen für eine denkbare Erweiterung der Diskussion im Hinblick auf Öffentlich-Rechtliche Medien . Als Nicht-Fernsehkonsument wünschte ich mir eine

Zukunft des ÖRR als ÖR-IT-Dienstleister:
Nur ein paar unausgegorene Gedankenfetzen.

(1) Die Lobby der "Privaten" versucht alles, um ARD und ZDF aus dem Internet soweit wie möglich herauszuhalten. Die würden den ÖRR am liebsten in die klassische Funk-Nische einmauern, wohl wissend, das die keine Zukunft hat. Deshalb u.a.: keine Beschränkung der zeitlichen Verfügbarkeit von ÖR-Medienangeboten in den Mediatheken. Warum sollten wir uns das bieten lassen? Die Beiträge sind mit unseren Gebühren produziert worden. Meines Wissens gibt es solche Beschränkungen für den BBC nicht. Die ÖR-Anstalten verfügen über Archive, die nach und nach selbstverständlich öffentlich und uneingeschränkt im Internet zugänglich gemacht werden sollten. Damit würde das ÖR-Angebot entsprechend aufgewertet und sichtbar.

(2) Der hierfür notwendige IT-Aufwand sollte im Rahmen einer umfangreicheren Perspektive als nahezu selbstverständlicher Bestandteil einer ÖR-IT-Infrastruktur realisiert werden. Die jüngsten Diskussionen um ausufenrde IT-Überwachung lassen es durchaus als sinnvoll erscheinen, dass jeder deutsche Haushalt (denn es zahlt ja jeder Haushalt seine Zwangsgebühren) im Rahmen dieser ÖR-IT-Struktur z.B. ein eindeutiges eMail-Konto erhält (mit den üblichen Unterkonten für alle Familienmitglieder etc etc,). Auch an Soziale Netzwerke usw. könnte man denken. Es sollte ja kein allzu grosses technisches Problem sein, dafür Sorge zu tragen, dass ausschliesslich der BND auf die Daten zugreifen kann ;)

(3) Ziel sollte es sein, dem Gebührenzahler eine IT-Infrastruktur anzubieten, zu denen Funk-und Fernsehen gehören, aber eben auch alle Angebote, die ich als elementare Internet-Grundbedürfnisse ansehe. Dazu würde für mich auch die Einbindung aller Bibliotheksangebote und ein ÖR-Downloadportal für e-Books und andere Digitalisate gehören So liesse sich vermeiden, dass der Bürger sich bzw. seine Daten vollständig den bekannten Datenkraken ausliefert (es ist nicht einzusehen, warum z.B. urhebererechtsfreie ältere Bücher für die Nutzermasse nur über Amazon-Kindle zugänglich erscheint).

Zum Thema "Bibliotheksangebote" nur als Beispiel: Ich sehe nicht ein, warum sich z.B. die Bayerische Staatsbibliothek einer Datenkrake wie Google an den Hals werfen muss, um ihr Digitalisierungsprogramm durchzuziehen. Google und oft ziemlich windige eBook- und Print-on-Demand-Anbieter machen dann das Geschäft mit den Daten. Ich weiss, das Problem liegt u.a. am deutschen Föderalismus. Etwa Frankreich ist zum Digitalisieren nicht auf Google angewiesen. Die Bibliothéque Nationale de France (BNF) hatte das 19. Jahrhundert schon weitgehend digitalisiert, da gab es Google noch garnicht. Und ich konnte schon vor zehn Jahren als deutscher Nutzer problem- und kostenlos deutsche Fachliteratur vom BNF-Server als PDF runterladen, da musste ich in Deutschland noch gebührenpflichtig Papierkopien ordern oder 30-50 € für eine Buchkopie auf CD zahlen, die mir der BNF-Server in 5 Minuten kostenlos (!) zum Download bereitstellte.

Nur mal so als Anstoss, ob wir nicht wesentlich mehr für unsere Gebühren fordern sollten. Oder eben nicht mehr, sondern etwas ganz Anderes, Zukunftsweisendes. Wenn man das ÖR-Fernsehen auf den Kernauftrag zurechtstutzt, sollte das ohne Gebührenerhöhungen möglich sein.
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Dietmar Warschkun

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Re: ganz was anderes ...

BeitragSa 1. Feb 2014, 22:27

Puh...das ist jetzt für die Tageszeit für meinen Intellekt so etwas wie ein 5-Gänge-Menü kurz vor Bettgang. Aber nach kurzem Überflug viel Interessantes dabei...
Nur 1 kurzer Einwurf: Ich würde Unterhaltung (definiere Unterhaltung) im ÖR nicht per se ausschliessen. Mehr demnäx. Gruss Dietmar
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nichtfernseher

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Re: ganz was anderes ...

BeitragSa 1. Feb 2014, 23:31

@dietmar warschkun: Danke für die positive Erinnerung. Man hat es ja fast schon vergessen: KULTUR und UNTERHALTUNG müssen sich ja keineswegs ausschliessen :-)
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Frank_Geppert

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Re: Erweiterung der Diskussion - ÖR-Medien/Private

BeitragSo 2. Feb 2014, 09:53

Das ist ein fantastischer und detaillierter Beitrag, den ich so unterstützen will. Auch ich würde eher eine stärkere Gewichtung für Kultur, Nachrichten, Wissenschaft befürworten und Unterhaltung eher im Sinne dieses kulturellen Bildungsauftrages sehen (z.B. politisches Kabarett, zeitkritische Filme, Polit-Thriller, Abenteuer mit geopolitischem Rahmen usw.).
Eine Ergänzung zu den Forderungen:
Wenn es ein Archiv gibt, sollten nicht dann alle Rechte daran auch auf die übergehen, die das finanziert haben, insofern das rechtlich möglich ist? Wenn wir mit GEZ-Gebühren Sendungen produzieren, sollten wir nicht auch alle die Rechte daran haben und z.B. diese zeigen dürfen, in Ausschnitten in eigene Werke einbinden, Fotos daraus verwerten, virtuelle Studiokulissen nutzen dürfen usw.
Warum steht nicht allen Zahlern das entstandene Material und ein Teil der Infrastruktur zur Verfügung, wie z.B. selbst erstellte Software, Daten, Trailer, Musikstücke, Bildmaterial?
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TanjaBee

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Re: Erweiterung der Diskussion - ÖR-Medien/Private

BeitragSo 2. Feb 2014, 13:37

Hallo, nichtfernseher, hallo admin,

danke für den interessanten und fundierten Beitrag, nicht fernseher!

@admin; die Titeländerung des Beitrags finde ich äußerst irreführend- nicht treffend - wurde der Threadersteller überhaupt gefragt?
Stellt Ihr Euch so in Zukunft die Verwaltung bzw. v.a. Redaktion des Programms/ der Inhalte - kontrolliert durch einen *Unabhängigen* Publikumsrat auch vor?

Gruß,

Tanja
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Hanselmann

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Re: Erweiterung der Diskussion - ÖR-Medien/Private

BeitragSo 2. Feb 2014, 17:29

Guten Abend ringsum,

ich vermisse in der ÖRR und ÖRF vor allem unvoreingenommene und objektive Berichterstattung, welche alle Seiten betrachtet. Als mündiger Bürger möchte und kann ich mir selbst ein BIld der Vorgänge machen und eine Meinung bilden. Mindestens in den Nachrichtensendungen brauche ich kein vorgefasstes Bild. Es gibt mehr Schattierungen als Schwarz-Weiß oder Russen-Westeuropa, Ost-West, Gut-Böse ...
Ich hoffe und verspreche mir hier im Forum dazu Denkanstöße - vor allem auch für die Verantwortlichen in den Medien.
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Günther Wassenaar

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Re: Erweiterung der Diskussion - ÖR-Medien/Private

BeitragSo 2. Feb 2014, 19:43

Gegenwärtig erfüllen die Medien den Straftatbestand der Körperverletzung - und - sie sind Haupverantwortlich für die Verrohung der Jugend, für das Brechen von Anstand, Moral, Sitten und Gebräuchen.

Mir ist klar, dass diese Ausführungen Widerspruch provozieren, dass jetzt viele sagen - man kann die Medien ja ABSTELLEN.

Kann man sie abstellen – oder sind wir den Medien so lange wir wach sind ausgeliefert? Können wir vor allem unsere Kinder vor diesen Medien schützen, können wir ihnen NUR Sendungen zuteilen, die nicht Kindergefährdend sind? Gerade lief ein Kinderfilm von zwei blauen ARAS und auch dort wurde wie in vielen Filmen wieder mal gerülpst. Nun mag es ja sein, dass so mancher Medienmensch mit dem Düsenjet durch seine Kinderstube gedüst ist, dass ihm derartige Benimmregeln nicht so geläufig sind – ich für meinen Teil halte derartiges Benehmen für nicht angebracht. Natürlich haben auch wir als Jungen heimlich und versteckt gerülpst, um Erwachsene zu ärgern – aber uns war bewußt, dass es von der Mehrheit der Erwachsenen nicht geduldet wurde, dass es uns von ihnen nie vorgemacht würde, wie heute an der Tagesordnung.

Meine Auseinandersetzung mit Medien sind schon seit langer Zeit im Gange. So habe ich den Hornbach-Konzern wegen Gewaltverherrlichung in seiner Werbung vor etwa 6 Jahren angezeigt und gegenwärtig habe ich seit fast einem Jahr die Zahlung der GEZ/Beitragsgebühren eingestellt.
Die ÖR-Sender haben seit Anfang des Jahres massiv Werbung für die Bundeswehr gesendet, diese dazu noch vollkommen entstellend, für die jeder Unternehmer wegen Wettbewerbsverzerrung vor den Kadi kommen würde.
Diese Armee ist aber an Kriegsverbrechen massiv beteiligt. Sie steht Schulter an Schulter mit anderen Armeen, die in allen Kriegseinsätzen seit dem Jugoslawien-Krieg, URAN-Waffen einsetzten, somit die in den Gebieten lebende Bevölkerung ungeschützt radioaktiver Strahlung aussetzt. Mißbildung bei Geburten (etwa 25%) und Mehrfach-Krebserkrankungen der dort lebenden Menschen sind die Folge.
Laut Kriegsvölkerrecht, sind Kriegsverbrechen unter Strafe gestellt, auch die Unterstützung. Meine Zahlung ist somit eine finanzielle Unterstützung der Werbung für Krieg und Kriegsverbrechen.

Nicht etwa, das ich die öffentlich-rechtlichen Sender für falsch und überflüssig betrachte – wären wir ausschließlich auf Informationen der Privaten Sender angewiesen, wäre es überhaupt nicht mehr auszuhalten. Was dort läuft hat mit Humanität, mit Kultur oder Bildung absolut nichts mehr zu tun. Das ist Verblödung auf niederstem Niveau.
Ich habe die Benennung eines Sperrkontos erbeten, auf das ich meine Beiträge einzahlen kann, das aber Sicher stellt, dass so lange wie dort für Krieg und Kriegsverbrechen geworben wird, meine Geld keine Verwendung findet. Würden sich dieser Aktion Millionen Zuschauer und Zuhörer anschließen, hätten wir schon lange demokratischere Strukturen in den Sendern.

Zwingen kann man nicht mit Petitionen, mit Demonstrationen und Bittschriften. Zwingen kann man nur, indem man materiellen oder finanziellen Druck ausübt.

Günther Wassenaar, Alte Dorfstraße 35, D-06886 Lutherstadt Wittenberg, +491627636376
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wthiem

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Re: Erweiterung der Diskussion - ÖR-Medien/Private

BeitragSo 2. Feb 2014, 20:37

Ich sehe kein Problem darin, dass bei einer Kindersendung ein Kind mal aufstößt. Man kann die Kontrolle auch übertreiben!
Es ist nicht sinnvoll, Gewaltdarstellungen zu verbieten. Wir leben nunmal in einer gewalttätigen Welt. Eine Restiktion wäre falsch. Schlimmer ist, dass es Eltern gibt, die ihren Kindern Filme zeigen, die extreme Gewalt enthalten.
Am schlimmsten ist jedoch die tatsächliche Gewalt durch Schläge, die manche Eltern gegenüber ihren Kindern ausüben.
Diese Kinder geben ihre negativen Erfahrungen an ihre Umwelt weiter.
Deshalb finde ich Beiträge, die ein Problem mit "Rülpsen" habe, mehr als unangebracht.
Auch ich bin gegen Krieg, Gewalt und Waffen. Eine Verbindung vom "Rülpsen" über den Verfall der Moral und des Anstands, bis hin zu Gewaltverherrlichung und Kriegstreiberei halte ich (zumindest) für sehr gewagt.
Mit ihrer Argumentation wäre Pippi Langstrumpf ja sozusagen das personifizierte Böse, da sich diese Figur nicht an die moralischen Standards hält. Nach ihrer Theorie wäre "Pippi" quasi die Wegbereiterin für den Verfall der Moral.
Leider muss ich ihnen mitteilen, dass ihre Ausführungen bezüglich der "Kinderstube" zum Sinnlosesten gehören, was ich jemals gelesen habe. Das, was Sie bezüglich der Gewaltverherrlichung geschrieben haben, ist für sich selbst betrachtet, korrekt. Hier bin ich mit Ihnen einer Meinung. Nur: Kinder sind Kinder und haben das Recht, auch mal "unmoralisch" zu sein.
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bussard

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Re: Erweiterung der Diskussion - ÖR-Medien/Private

BeitragSo 2. Feb 2014, 20:55

@Günther Wassenaar: Das Thema Uranmunition ist sicher eines der dringlichsten, da bin ich völlig ihrer Meinung. Schließlich handelt es sich um ein aktuell stattfindendes Kriegsverbrechen ungeahnten Ausmaßes. Wenn man dann bedenkt, daß es der WDR war, der die erste Dokumentation dazu finanziert hatte, bevor er es sich dann anders überlegte, dann kann man sicher nicht davon reden, daß der ÖRR nicht Bescheid weiß. Es geht hier lediglich darum ,unsere alliierten Freunde nicht in Mißkedit zu bringen. Schon allein dieses Thema genügt doch, um dem ÖRR das Attribut "rechtlich" abzusprechen. Hier werden Kriegsverbrechen bewußt gedeckt.

Wenn wir dagegen angehen könnten, hätten wir viel erreicht.

Gruß
Bussard
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Demokrator

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Re: Zukunft des ÖRR als ÖR-IT-Dienstleister

BeitragDi 4. Feb 2014, 15:54

nichtfernseher hat geschrieben:Der klassische "Bildungsauftrag" ist sicher nicht mehrheitsfähig.


Da habe ich auch schon kurz drüber nachgedacht. Wenn Maren Müller allerdings über ein ähnliches Instrument wie openPetition (von ihr "PublicValue" o. ä. genannt) zur Mitgestaltung und Teilhabe nachdenkt, würde sich der oben genannte Einwand relativieren:

- Plattformen wie openpetition verwenden mehrheitlich Interessierte / Aufgeregte / Mensch die Zeit haben...

Analog dazu geht eine desintressierte Minderheit nicht wählen.

Damit müsste der klassische Bildungsauftrag nur unter den aktiv am "demokratischen Prozess" teilnehmenden mehrheitsfähig sein.

Das erscheint bereits wesentlich wahrscheinlicher, oder?

Thomas Elstner

Re: Erweiterung der Diskussion - ÖR-Medien/Private

BeitragMo 3. Mär 2014, 09:22

Einen Neujahrsgruß aus dem unbekannten Neuland (Junge Bundesländer) habe ich Uschi Glas zukommen lassen.
Sie durfte bei Markus Lanz im November 2013 "quatschen"! Die "rote" Sarah hat der Markus dagegen ganz anders behandelt! Dazu später mehr.
Eine Antwort auf meinen Gruß habe ich nicht bekommen.
Ja leider ist es so, Deutsche Medien helfen beim verblöden und der Michel zahlt auch noch dafür!!
Schon daher der Ruf, weg mit der GEZ, neudeutsch Rundfunkgebühr!


Sehr geehrte Frau Uschi Glas,

ein gesundes neues Jahr aus dem Osten wünsche ich ihnen.
Durch den Zufall Jahresrückblick bin ich auf ihre Aussage bei Markus Lanz aufmerksam geworden. Zum Thema Mindestlohn sagten sie:
„Also ich denke, er kann nicht kommen, weil wir ja das Problem haben, vor allem in den neuen Bundesländern wirklich nicht gut qualifizierte Menschen zu haben. Und dann wird man sich halt so entscheiden, okay, dann gehen die wieder in die Arbeitslosigkeit....“

Zunächst meine Bemerkung dazu. Es ist nicht erwiesen, das der Mindestlohn Arbeitsplätze gefährdet. In allen Ländern, wo es ihn gibt, geschah dergleichen nicht. In Großbritannien wurde die gleiche Aussage gemacht, es geschah nichts. Statt dessen stellten britische Unternehmer fest, das der Mindestlohn, eine Haltelinie nach unten für alle hilfreich ist! Lediglich Wettbewerber die nur mittels Lohndumping am Markt bestehen haben ein Problem damit.

Doch nun zu den neuen Bundesländern und „ihren“ wirklich nicht gut qualifizierten Menschen. Ich bin Jahrgang 1959, habe bis 1989/90 in der DDR gelebt und bin seit dem 03.10.1990 „neuer“ Bundesbürger. Ich war Kindergartenkind und ging 10 Jahre in die Politechnische Oberschule. Danach habe ich einen Beruf gelernt und bin 15 Jahre bis 1991 zur See gefahren.
Ja ich kann sagen, ich kenne 2 Systeme, denn ab 1991 konnte ich zunächst in Betriebswirtschaft umschulen, um dann in allen möglichen Branchen prekär beschäftigt sein zu „dürfen“. Vom Bühnenbauer, Versicherungsvertreter, Jugendarbeiter bis zum Kameramann kam in den letzten 23 Jahren einiges zusammen.

Und dann höre ich im Jahresrückblick 2013 von ihrer Aussage! Das haut rein, ausgerechnet Uschi, die wir im Osten auch zu DDR Zeiten immer gern gesehen haben. Ich fragte mich woher kommen solche Äußerungen, ist da was dran?
Ja wir im Osten konnten nicht verstehen, das Lebensmittel vernichtet werden, das es einen Butterberg gibt, obwohl noch viele Menschen auf der Welt hungern müssen! Ja wir im Osten hatten nicht alles, aber Existenzangst kannten wir damals nicht.
Akademiker aus der DDR haben seit der Wende Probleme, ihre Qualifikation wird oft nicht anerkannt und ein weiteres Problem habe ich auch bei mir erkannt, es fehlen die Ellenbogen, um sich nach oben zu drängeln.
Nun, da ich nicht blöd bin, habe ich mir auf meine Art geholfen. Das beste Sparprogramm ist bekanntlich nicht das Kürzen, wie es „unsere“ Politik in Bund Ländern und Kommunen gerade machen, sondern das Verweigern gegenüber der Werbung und ihrer Verlockung, was wir so alles haben müssen. Mein Einsparprogramm „Konsumverweigerung“ hilft mir im mehrerer Hinsicht.

Zum Abschluss möchte ich ihnen ein Zitat von Robert Kurz mit geben:

Vor allem aber hat die kapitalistische Ideologie der totalen Konkurrenz nichts mit einem angeblichen Wesen der Menschen zu tun. Von jeher hatten die meisten menschlichen Individuen nicht den Ehrgeiz, in irgendeinem verrückten Wettbewerb „Sieger“ zu sein, absurde Reichtümer in der Abstraktionsform des Geldes aufzuhäufen oder sich in ein goldenes Klo zu entleeren. Wenn sich aus der Modernisierungsgeschichte etwas herauslesen läßt, dann der tief empfundene Wunsch des zum Material degradierten Menschen, endlich einmal in Ruhe gelassen zu werden, endlich einmal nicht mehr den blinden Mächten entfremdeter Strukturen ausgesetzt zu sein, endlich einmal nicht mehr von der Dynamik einer verselbständigten „Entwicklung“ ruhelos gemacht und gehetzt zu werden, endlich einmal die diversen Großherren-Visagen der Weltmaschine nicht mehr zu sehen und das pausenlose Gesabber ihrer Pädagogen, Antreiber und Menschenverwalter nicht mehr hören zu müssen.

aus „Schwarzbuch Kapitalismus“ Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft
(Ullstein Taschenbuchverlag 1999 )

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Elstner

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