Aktuelle Zeit: Fr 28. Jul 2017, 13:00


Herr Krause, Griechenland und die Tagesschau

In diesem Forum werden vermutete und/oder nachgewiesene Falschmeldungen öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten thematisiert und dokumentiert. Sollten sich Meldungen im Nachhinein als korrekt herausstellen, wird dies natürlich transparent berichtigt.
  • Autor
  • Nachricht
Offline
Benutzeravatar

Maren

  • Beiträge: 4905
  • Registriert: Fr 31. Jan 2014, 21:01
  • Wohnort: Leipzig

Herr Krause, Griechenland und die Tagesschau

BeitragMo 15. Jun 2015, 17:21

Falschinformation Tagesschau:

R.-D. Krause, ARD, Brüssel - Bericht von gestern Nacht: http://www.tagesschau.de/multimedia/vid ... 92793.html liegt falsch:

1. Minute 0:37 „Man hat den Griechen angeboten, dann kürzt doch eure Verteidigungsausgaben (…). Es wurde abgelehnt!“

-> Das Dokument enthält entgegen der Aussage von Herrn Krause „Cuts in defence spending“ in Höhe von 200 Millionen Euro für 2016.

Dies ist neu, da im vorherigen „draft“ nicht enthalten.

(der Vorschlag von J.-C. Juncker sei ein „Tauschhandel“ („weniger Militärausgaben für höhere Renten“) von bis zu 500 M Euro gewesen, sei aber nach Meldung von ekathimerini vom IWF abgelehnt worden.

So oder so existiert das Angebot von Juncker nicht schriftlich, so dass die mündliche Zusage mit größter Vorsicht zu genießen ist – das haben die vorherigen Regierungen auch erfahren müssen)

2. Minute 01:35 „Die Griechen, so wie das hier von der Kommission beschrieben wird, haben das regelrecht drauf angelegt. Man hatte wieder ein neues Papier versprochen, das sollte die Delegation mitbringen. Sie kam ohne Papier. Kam nicht zum vereinbarten Zeitpunkt. (…)“.

-> Das „Papier“ wurde heute um 13:05 Uhr (Athen) veröffentlicht, siehe oben.

Beide Tageszeitungen schreiben von dem Vorschlag vom Wochenende.
Oder veröffentlicht die griechische Tageszeitung ein Dokument, welches gar nicht in Brüssel vorgelegt worden war ?

Der Spiegel lieferte soeben die Lösung (siehe unten). Das Problem scheint Herr Krause und seine Quellen zu sein.

3. Tagesschau heute um 12:00 Uhr:

Minute 01:05 – es werden Bilder aus Berlin gezeigt (die Tagung von vor einer Woche, mit G. Schwan und Y. Varoufakis), ohne dies zu entsprechend zu kennzeichnen. Der Zuschauer kann die Bilder zeitlich nicht zuordnen.
Im ersten Moment glaubte ich sogar, G. Schwan sei heute nach Athen gereist.

4. Minute 01:07 - „Außerdem wünscht sich der griechische Finanzminister Varoufakis heute in einem Interview erneut einen Schuldenschnitt. Das wird vom Unionsfraktionsvorsitzenden nur knapp kommentiert. „Das halte ich für keine zielführende Forderung. Punkt!“

-> Das Interview ist das Interview mit der Bild-Zeitung. Dort wird aber eben nicht von Schuldenschnitt gesprochen, sondern (1) von der Kopplung der Rückzahlungen an die Wirtschaftleistung, (2) Umschuldung und (3) Streckung der Laufzeiten.

Normal, seit mehreren Monaten sieht der griechische Vorschlag vor, dass keine Schulden „erlassen“ werden sollen (no haircut, no cut in debt, only debt relief)!

5. Ursache könnte ein SPON Artikel sein, welcher genau denselben Fehler enthält: http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 38785.html

Dort wird geschrieben: „In einem Blogbeitrag stellte der IWF zugleich einen Schuldenschnitt und längere Tilgungsfristen zu niedrigen Zinssätzen in Aussicht. "Die Europäer müssten beträchtliche zusätzliche Gelder vereinbaren und einen Schuldenerlass, der die Schuldentragfähigkeit ermöglichen würde"

Falsch übersetzt!

Original-Text: “We believe that, under the existing proposal, debt relief can be achieved through a long rescheduling of debt payments at low interest rates. Any further decrease in the primary surplus target, now or later, would probably require, however, haircuts.”

Das heißt, wenn dem Reformplan der vom IWF geforderte Primärüberschuß von mindestens 1% zugrunde gelegt wird, dann sei eben kein Schuldenschnitt notwendig. Einen „primary budget surplus target from 1% of GDP“, wie vom IWF gefordert, hatte Griechenland sogar bereits akzeptiert (siehe Dokument)!

Entgegen der SPON Meldung, wird auch kein Schuldenschnitt (haircut) „in Aussicht“ gestellt, sondern der IWF sagt, dass ein solcher genau dann notwendig sei, wenn mit kleineren Primärüberschüssen geplant werden würde, ohne hierfür aber eine Zustimmung in irgendeiner Form zu geben.

http://blog-imfdirect.imf.org/2015/06/1 ... #more-9856

Bestätigung: http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 38866.html

Das bereits angesprochene Dokument der griechischen Regierung existiert doch: http://s.kathimerini.gr/resources/artic ... y-new1.pdf

Und hier: http://www.tovima.gr/en/article/?aid=713402

Zurück zu Falschmeldungen/dokumentierte Verstöße

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast