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ZDF - Anfrage zum Treffen der europäischen Finanzminister in Riga

Bevor Beschwerden formuliert werden, kann es mitunter sinnvoll sein zunächst Fragen zum Verständnis zu stellen, Quellen zu hinterfragen oder einfach Hinweise zu geben.
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Maren

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ZDF - Anfrage zum Treffen der europäischen Finanzminister in Riga

BeitragMo 18. Mai 2015, 11:08

ZWEITES DEUTSCHES FERNSEHEN
Intendanz
Herrn Bellut
ZDF-Straße 1
55100 Mainz


Anfrage - Treffen der europäischen Finanzminister in Riga


Sehr geehrter Herr Bellut,

hinsichtlich einer Information, die am 24.04.2015 über das ZDF heute-Journal Verbreitung fand, liegt uns eine Programmbeschwerde vor. Um die Klärung des Sachverhaltes nicht unnötig in die Länge zu ziehen, möchten wir gerne versuchen, die Angelegenheit auf eine Anfrage zu beschränken.

Die Anfrage bezieht sich auf das Heute-Journal von 24.04.2015, in dessen Verlauf das Treffen der europäischen Finanzminister in Riga thematisiert wird und auch angebliche Beschimpfungen in Richtung des griechischen Finanzministers varoufakis durch andere Teilnehmer des Treffens zu Sprache kamen.

Marietta Slomka: ab Minute 5:50:

„(…) Es heißt in Agenturmeldungen, Varoufakis sei sogar von anderen Teilnehmern heute regelrecht beschimpft worden. (…)“


Darauf Stefan Leifert als Korrespondent vor Ort:

„Ja, das bestätigen die Teilnehmer. Es soll das hitzigste Eurogruppentreffen seit Ausbruch der Griechenlandkrise gewesen sein. Varoufakis ist vorgeworfen worden ein Spieler, ein Zeitverschwender zu sein und auf dem Höhepunkt dieses Wortgefechtes soll ein Finanzminister gesagt haben, man müsse langsam über eine Plan B nachdenken. Also, über einen Staatsbankrott und über den Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Wie wahrscheinlich dieses Szenario ist, darüber wagt natürlich niemand eine Prognose. Was man von heute aus aber sagen kann, ist: Einer Lösung ist man hier in Riga nicht näher gekommen.“


Während Marietta Slomka sich lediglich auf Agenturmeldungen beruft, weiß Stefan Leifert als Korrespondent vor Ort laut eigener Aussage mehr. Er berichtete explizit von der Bestätigung der Beschimpfungen durch die Teilnehmer des Treffens.
Es ergeben sich somit folgende Fragen um deren Beantwortung wir höflichst ersuchen:

1.) Welche Teilnehmer des Treffens in Riga bestätigten konkret die Beschimpfungen Varoufakis‘?
2.) Welcher Teilnehmer des Treffens in Riga warf Varoufakis konkret vor, ein Spieler und Zeitverschwender zu sein?
3.) Welcher Finanzminister äußerte konkret die Forderung nach einem Plan B?
4.) Welche sogenannte privilegierte Quelle (deren Inhalt prinzipiell ungeprüft übernommen werden darf) diente als Grundlage für o. g. Tatsachenbehauptung?

Für die freundliche Beantwortung dieser Anfrage bedanken wir uns im Voraus.


Zum Zwecke der Transparenz werden diese Anfrage sowie die Antwort der Programmverantwortlichen auf der Webseite des Vereins http://forum.publikumskonferenz.de/ veröffentlicht.


Mit freundlichen Grüßen


i. A. Maren Müller
Vorsitzende
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Maren

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Re: ZDF - Treffen der europäischen Finanzminister in Riga

BeitragFr 12. Jun 2015, 20:13

Antwort vom Intendanten.
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ZDF Informelle Treffen Finanzminister.pdf
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Maren

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Re: ZDF - Treffen der europäischen Finanzminister in Riga

BeitragDo 18. Jun 2015, 12:25

Nur (m)ein Kommentar dazu:

Der Hang zum Negativismus ist innerhalb der deutschen Medienlandschaft ein offensichtliches Merkmal. Wie anders ist es zu erklären, dass negative Schlagzeilen ausschließlich mit Verweis auf anonyme Quellen verbreitet werden, obwohl es wohl tatsächlich - entgegen der von Bloomberg verbreiteten anonymen Gerüchte - zwar inhaltliche Kontroversen, aber keine persönlichen Angriffe und Beschimpfungen gegenüber Varoufakis gegeben habe. Zeit zum revidieren der entsprechenden Falschmeldungen war doch wohl bis heute genügend vorhanden.

„Niemand beleidigte Yanis Varoufakis in der Eurogruppe. Die Debatte fand in zivilisierten und lebendigen Ton statt, aber keiner der Teilnehmer habe negative Ansichten zum Ausdruck gebracht ", stellte Italiens Finanzminister Pier Carlo Padoa am 27.04.2015 sinngemäß mit Bezug auf Bloomberg fest.

Yanis Varoufakis selbst stellte einen Monat später in seinem Blog die Geschehnisse klar und räumte ein, Tonaufzeichnungen erstellt zu haben, könne diese jedoch aufgrund von Vertraulichkeitsregelungen nicht veröffentlichen und damit nicht für Klarheit sorgen. Ein Ehrenmann, der theoretisch beweisen könnte, dass er im Recht ist, aber die Pflicht zur Vertraulichkeit höher schätzt.
Wie traurig sieht dagegen die Gilde der Copy&Paste-Experten aus, deren Quellen dubios und deren Motive alles andere als hehr anzusehen waren.

Aus welchem Grund deutsche und internationale Medien im Chor über den angeblichen Bruch der Vertraulichkeiten seitens Varoufakis wehklagen, sich jedoch selbst nicht zu schade sind, Inhalte anonymer Quellen als Nachrichten zu verkaufen und somit bewusst die „Halsschlagader des Journalismus“ [*David E. Boeyink, Anonymous Sources in News Stories: Justifying Exceptions and Limiting Abuses, in: Journal of Mass Media Ethics, 5 (1990) 4, S. 237.] - nämlich die Abhängigkeit des Journalismus vom Vertrauen des Publikums - wiederholt zu durchtrennen, wäre zu klären.
Wie oft, meinen Sie, kann wohl die entsprechende Reanimation noch durchgeführt werden?

Die Pressefreiheit erlaubt den Vertretern der Medien eine aggressive Einforderung öffentlicher Transparenz, anstelle der passiven Akzeptanz von Gefälligkeitsaussagen, gerade wenn es um brisante Entwicklungen geht, die auch Menschen ohne Schlipsfetisch in ganz Europa betreffen.

Von öffentlich-rechtlichen Sendern erwarte ich als Rezipientin, dass
a.) der Grund für die Nichtbenennung einer Quelle publiziert wird,
b.) bei der Verbreitung einer Nachricht weder einem Auftrag,
c.) noch einem vermeintlich zu folgendem (westlichen) Wertekanon
oder
d.) einer diffusen Schwarmdummheit gefolgt wird
und
e.) von der öffentlichen Denunziation von - in gewissen Kreisen missliebigen - Politikern Abstand genommen wird.
Erst recht, wenn der Politiker ein Vertreter der Europäischen „Wertegemeinschaft“ ist.

Die Rechtsgrundlagen für diese unverschämten Forderungen entnehmen Sie bitte den Rundfunkstaatsverträgen.

„Secrecy and a gullible press do not augur well for Europe’s democracy.”
Yanis Voroufakis

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