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Anfrage zur Sendung vom 27.01.2016 - Tabupartei AfD – Deutschland auf dem Weg nach rechts?

Bevor Beschwerden formuliert werden, kann es mitunter sinnvoll sein zunächst Fragen zum Verständnis zu stellen, Quellen zu hinterfragen oder einfach Hinweise zu geben.
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Maren

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Anfrage zur Sendung vom 27.01.2016 - Tabupartei AfD – Deutschland auf dem Weg nach rechts?

BeitragMo 8. Feb 2016, 17:48

WDR
Redaktion "Maischberger"
Appellhofplatz 1
50667 Köln


Anfrage zur Sendung vom 27.01.2016 - Tabupartei AfD – Deutschland auf dem Weg nach rechts?


Sehr geehrte Frau Maischberger,

zur oben genannten Sendung erreichten uns Publikumsbeschwerden, die sich an der grenzwertigen Diskussionskultur seitens der Herren Augstein und Stegner störten, Ihr Konzept der strikten Moderationsverweigerung beklagten und der Sendung das niedrigste Niveau aller vergleichbaren Talk-Sendungen zuvor bescheinigten. Diese und ähnliche Befunde haben sich vermutlich in erhöhtem Aufkommen an Zuschauerpost niedergeschlagen und sind an und für sich ein Armutszeugnis für die ARD und dieses Format, rechtfertigen jedoch keine Programmbeschwerde, auch wenn Sie in dieser Sendung Ihren natürlichen Status als Moderatorin zu Gunsten aktiver Beteiligung, Verhinderung, Unterbrechung und Positionierung aufgaben.

Ein beobachtetes Zusammenspiel zwischen Diskussionsteilnehmern, Moderatorin, Studioleitung und Kameraführung rief allerdings konkrete Kritik auf den Plan:

Spielminute 01.01.18: Jakob Augstein holt in Vorbereitung seiner Gegenrede zu Hr. Roche Köppel einen Zettel aus seiner Sakkotasche. Im Hintergrund, während Herr Köppel spricht, hört man leise "Auch so einen Zettel bekommen?"

Spielminute 01.01.28: Jakob Augstein hält den Zettel jetzt Hr. Roche Köppel entgegen, der Zuschauer kann den Zettel zunächst nur von hinten sehen.

Spielminute 01.01.30: Kamera fokussiert auf den Zettel in schwarz/weiß, den Hr. Augstein in der Hand hält, mit der Aufschrift "Kroaten schlitzen Schweizer auf".

Spielminute 01.01.39: Auf dem Flatscreen hinter Hr. Augstein wird nun exakt dieser Zettel in Farbe eingeblendet, die Kamera hat den Flatscreen nur teilweise im Bild.

Spielminute 01.01.40: Kamera schwenkt, um den Zettel auf dem Flatscreen voll ins Bild zu holen.

Diese kleine Inszenierung könnte sich ein Laie, für den Fall es wäre nichts abgesprochen worden, wie folgt darstellen:

1.) Die Studioleitung trifft die Entscheidung auf Augsteins hingehaltenen Zettel zu fokussieren und gibt die Kameraanweisung. Zeit: 2 Sekunden.
2.) Die Studioleitung entscheidet den entsprechenden Ausschnitt im Bildarchiv oder im Netz zu suchen, wird fündig, und wirft ihn auf den Flatscreen. Zeit: 9 Sekunden.
3.) Die Studioleitung gibt der Kamera Anweisung nun den Flatscreen voll ins Bild zu holen. Zeit: 1 Sekunde.

Die weitaus plausiblere Erklärung für dieses unwürdige Zettelspielchen wäre die aktive Vorbereitung und das Involvieren des Herrn Augstein als Stichwortgeber („so einen Zettel bekommen?“), zum Zweck des Vorführens eines anderen Gastes der Talk-Runde, in dem Falle Herrn Köppel. Ein solch manipulativer Eingriff in eine offene Diskussion ist nicht nur ein Affront und ein Vertrauensbruch gegen geladene Gäste einer öffentlichen Diskussionsrunde, sondern auch eine Täuschung des Publikums, welches sich zu Recht auf einen echten Live-Talk einstellt und nicht auf eine inszenierte Politik-Simulation mit schlechten Schauspielern.

Auch wenn die beobachtete Zettel-Szene nicht von außerordentlicher Brisanz ist, wirft sie ein Schlaglicht auf diverse Talk-Formate:

Welchen Inhalten ist überhaupt noch zu trauen?
Was ist echt, was ist abgesprochen und zum Nachteil von bestimmten Podiumsgästen vorbereitet?
Wird es im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der unter anderem der Meinungsvielfalt in der Bevölkerung Rechnung zu tragen hat, künftig salonfähig, Gäste mit abweichenden politischen Meinungen mittels Absprachen vorzuführen?
War die Zettelaktion vorab mit der Redaktion abgesprochen?
Falls ja, warum war das nötig?

Gerade in Wahlkampfzeiten wäre das Genre Talkshow durchaus brauchbar, um das Publikum über Inhalte diverser Parteien zu informieren und aufzuklären und vielleicht sogar mit Informationen aufzuwarten, die noch gänzlich unbekannt sind. Wer allerdings, wie in der beanstandeten Sendung eindrucksvoll demonstriert, aktiv die Verhinderung von Information betreibt, gehört nicht ins öffentlich-rechtliche Fernsehen.

Dieses Schreiben hat den Charakter einer öffentlichen Anfrage. Je nachdem, wie die Antwort auf dieses Schreiben ausfällt, werden wir entscheiden, ob eine formale Programmbeschwerde wegen Täuschung des Publikums beim WDR eingereicht wird.

Zum Zwecke der Transparenz werden diese Anfrage und weiterführender Schriftverkehr auf der Webseite des Vereins http://forum.publikumskonferenz.de/ veröffentlicht.


Mit freundlichen Grüßen

i. A. Maren Müller
Vorsitzende

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