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ZDF - Kathrin Eigendorf - Weitere Opfer in der Ostukraine

Hier werden Beschwerden gesammelt, die den gesamten formalen Weg bis in die Gremien absolviert und letztendlich abgewiesen wurden.
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Maren

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ZDF - Kathrin Eigendorf - Weitere Opfer in der Ostukraine

BeitragFr 6. Feb 2015, 12:45

ZWEITES DEUTSCHES FERNSEHEN
Intendanz
Herrn Bellut
ZDF-Straße 1
55100 Mainz



Programmbeschwerde


Sehr geehrter Herr Dr. Bellut,

hiermit erheben wir, die Ständige Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien, formal Programmbeschwerde gegen den Beitrag „Weitere Opfer in der Ostukraine“ innerhalb der Sendung „ZDF-heute“ vom 03.02.2015.

Konkret richtet sich unsere Beschwerde gegen den grob verfälschenden Tenor der Berichterstattung unter Aussparung wesentlicher Informationen sowie des Verwendens themenfremden Filmmaterials.

Bereits die Anmoderation des Beitrages durch Petra Gerster lässt erahnen, welche Tendenz der in der Verantwortung von ZDF-Moskau-Korrespondentin Kathrin Eigendorf liegende Beitrag nehmen wird.

„Die pro-russischen Separatisten sind auf dem Vormarsch – den Menschen dort bleibt nur die Flucht.“


Im sich anschließenden Bericht um die Kämpfe in Uglegorsk (Wuhlehirsk) vermeidet es Kathrin Eigendorf ausdrücklich, die Verantwortlichen für die Zerstörung der Stadt und die Vertreibung der Bevölkerung zu benennen. Ihrem Bestreben, innerhalb der Berichterstattung im Ukrainekonflikt, die Separatisten immer negativ konnotiert darzustellen, bleibt Eigendorf damit treu.

“Es ist eine menschliche Tragödie, die sich in Wuhlehirsk im Osten der Ukraine abspielt. Ein paar Habseligkeiten haben sie gegriffen. Jetzt bleibt nur noch die Hoffnung auf Flucht. Kleinkinder wer-den auf Laster verladen, in der Hoffnung, sie in Sicherheit bringen zu können. Nur weg von hier. Die pro-russischen Kämpfer sind auf dem Vormarsch. Sie haben einen humanitären Korridor geöffnet. Doch sicher ist hier nichts mehr. Die Kohlestadt, die einst ihre Heimat war – hier kann niemand mehr leben. Es fehlt Wasser. Es fehlen Medikamente und Lebensmittel. Eine humanitäre Katastrophe bei eisiger Kälte. Selbst internationale Hilfsorganisationen dringen nicht mehr vor. Es ist zu gefährlich.


Am 03.02.2015 gingen die Aufständischen durch die Keller der Wohnhäuser und boten den Menschen, die dort ausharrten, Hilfe bei der Evakuierung an. In den Kellern von Uglegorsk lebten seit über einer Woche vor allem viele alte Menschen, Frauen und Kinder. Um die 600 Menschen wurden mit Hilfe der DNR-Soldaten in Lastwagen und Bussen nach Gorlowka gebracht.

Die ukrainische Armee hatte in den Tagen zuvor die Heimatstadt der Flüchtlinge mittels Dauerbeschuss aus Artillerie und Grad-Raketenwerfern dem Erdboden gleichgemacht.

Die Behauptung, dass die Menschen aus der Kriegsregion vor den Separatisten fliehen, wurde angesichts des umfangreich vorhandenen Video- und Quellenmaterials, mit dessen Hilfe sich Eigendorf offensichtlich auch ihren Bericht zusammenschusterte, ausdrücklich ausgeschlossen.

Besonders perfide am beanstandeten Beitrag ist, dass Eigendorf die Szene vom Begräbnis eines kleinen Jungen und das anschließende Interview mit seinem Vater (ab 4:04) dazu nutzte, um beim Publikum den Eindruck zu erwecken, dass die Trauerfeier im aktuellen Krisenherd Uglegorsk stattfand.

Die Szene stammt jedoch aus Donezk (Kirov District), wo auch am 18. Januar 2015 die, im Human Rights Watch-Video gezeigte, Trauerfeier stattfand. Ausgespart wurde darüber hinaus die wichtige Information, dass der Angriff, bei dem das Wohnhaus der Familie des kleinen Jungen getroffen wurde, von der ukrainischen Armee ausging.(18.Januar, attack on Kirov District, 2015).

Der geradezu zwanghafte Aufwand, der bei der Produktion des 3-Minuten- Beitrages betrieben wurde, um aus mehreren Quellen exakt die Sequenzen zu ermitteln und für die Nachricht zu verwenden, die aus "westlicher" Sicht ins Bild passen zeigt die offene Parteinahme der Redaktion und der Programmverantwortlichen. Dass darüber hinaus der Tod eines kleinen Jungen und der Schmerz seines Vaters für die Vermittlung einer fragwürdigen Botschaft missbraucht wurden, zeigt ein defizitäres Bild auf die Berufsethik der Verantwortlichen und ist ein Armutszeugnis für eine öffentlich-rechtliche Nachrichtensendung.

Sowohl das Publikumsbild des ZDF als auch die kreative Auslegung, der im Programmauftrag verankerten, „freien Meinungsbildung“ der Bevölkerung, sollte dringend einem gründlichen Reformprozess unterzogen werden. Die Berichterstattung der ZDF-Korrespondentin Kathrin Eigendorf, die den beanstandeten Beitrag vom fernen Moskau aus kommentierte, beleidigt darüber hinaus den Intellekt des Publikums und blendet die umfassend vorhandenen Möglichkeiten der freien Rezeption von Informationen ohne parteiische und wahrheitswidrige Meinungsmache aus.

Zweiter Abschnitt. Vorschriften für das Fernsehvollprogramm "Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF)"

§ 5 Gestaltung der Sendungen
(1) In den Sendungen des ZDF soll den Fernsehteilnehmern in Deutschland ein objektiver Überblick über das Weltgeschehen, insbesondere ein umfassendes Bild der deutschen Wirklichkeit vermittelt werden. Die Sendungen sollen eine freie individuelle und öffentliche Meinungsbildung fördern.

3) Das ZDF hat in seinen Sendungen die Würde des Menschen zu achten und zu schützen. (…) Die Sendungen sollen dabei vor allem die Zusammengehörigkeit im vereinten Deutschland fördern sowie der gesamtgesellschaftlichen Integration in Frieden und Freiheit und der Verständigung unter den Völkern dienen und auf ein diskriminierungsfreies Miteinander hinwirken.

§ 6 Berichterstattung
(1) Die Berichterstattung soll umfassend, wahrheitsgetreu und sachlich sein. Herkunft und Inhalt der zur Veröffentlichung bestimmten Berichte sind sorgfältig zu prüfen.

Der Wahrheitspflicht nachzukommen heißt, vollständige Informationen zu geben. Vollständigkeit heißt wiederum nichts wegzulassen, was wichtig ist. Entlastendes wie Belastendes sind gleichermaßen darzustellen (BHG, NJW 1997, 1148). Fehlende Sendezeit oder zeitlicher Informationsdruck sind dem gegenüber unbeachtlich. (hier: Hahn/Vesting, Beck‘scher Kommentar zum Rundfunkrecht, Seite 450, Randnotiz 57)

Wir erwarten, auch im Interesse der Würde der ostukrainischen Flüchtlinge und im Angedenken der vielen Opfer dieses Konfliktes, eine deutliche Entschuldigung des ZDF und eine Richtigstellung der fälschlich verbreiteten Informationen.


Zum Zwecke der Transparenz werden dieser und weiterführender Schriftverkehr zum Thema auf der Webseite des Vereins http://forum.publikumskonferenz.de/ veröffentlicht.


Mit freundlichen Grüßen


i. A. Maren Müller
Vorsitzende



Fußnote: viewtopic.php?f=43&t=413#p1768
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Maren

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Re: ZDF - Kathrin Eigendorf - Weitere Opfer in der Ostukraine

BeitragFr 13. Mär 2015, 18:31

Antwort vom Intendanten des ZDF, Herrn Bellut, auf die Beschwerde zur Story von Kathrin Eigendorf.
Ich finde es immer wieder bemerkenswert wie unterschiedlich man Sachverhalte aufnehmen und bewerten kann.
Dateianhänge
Opfer Ostukraine.pdf
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Maren

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Re: ZDF - Kathrin Eigendorf - Weitere Opfer in der Ostukraine

BeitragDi 7. Apr 2015, 15:02

ZWEITES DEUTSCHES FERNSEHEN
Intendanz
Herrn Bellut
ZDF-Straße 1
55100 Mainz



Ihr Schreiben vom 09.03.2015


Sehr geehrter Herr Bellut,

vielen Dank für Ihre Antwort auf unsere Programmbeschwerde vom 06.02.2015 zum Beitrag „Weitere Opfer in der Ostukraine“ innerhalb der Sendung „ZDF-heute“ vom 03.02.2015.

Die von Ihnen vermutete Intention Ihrer Korrespondentin Kathrin Eigendorf, den Krieg in der Ostukraine aus Opferperspektive darzustellen, scheitert an der eindeutig formulierten Schuldzuweisung für Flucht, Elend und Tod, die bereits in der Moderation von Petra Gerster formuliert und innerhalb des Beitrages von Eigendorf wiederholt und verfestigt wird.

Es wurde explizit behauptet, dass die Menschen vor den Separatisten fliehen müssten und das entspricht nach Quellenlage nicht der Wahrheit.

Gerster:
„Die pro-russischen Separatisten sind auf dem Vormarsch – den Menschen dort bleibt nur die Flucht.“


Eigendorf:
„Die pro-russischen Separatisten sind auf dem Vormarsch. Sie haben einen humanitären Korridor geöffnet. Doch sicher ist hier nichts mehr.“


Die von Ihnen als Indiz herangezogene Erwähnung des humanitären Korridors war Gegenstand umfangreicher Verhandlungen, um die sich auch die OSZE im Vorfeld bemühte. Erst am Abend hat sich Kiew dazu bereit erklärt das Bombardement der Stadt einzustellen.

Die Volksmiliz öffnete diesen Korridor nicht nur, sie hat ihn maßgeblich organisiert. Die Volksmiliz war somit nicht auf dem Vormarsch, sie war vor Ort und half der Bevölkerung sich vor den Bombardements der ukrainischen Bataillone in Sicherheit zu bringen und leitete die Evakuierung ein, um das Leben der Menschen zu retten.

Bei Eigendorf klingt das so:
„Kämpfer drängen die Menschen, ihre Heimat zu verlassen.“


Die unmittelbaren Folgen für die Zivilbevölkerung, die eine Woche lang unter massiven Bombardements und bei eisiger Kälte in den Kellern Ihrer zerbombten Häuser ausharrte, lagen klar auf der Hand.

Die Aufgabe von Berichterstattung liegt nicht darin Schuldzuweisungen auszusprechen, sondern Gegebenheiten richtig wiederzugeben und dem Publikum Hintergrundinformationen zu liefern. Gerade zu den Vorfällen rund um Debalzewo und Uglegorsk im Februar dieses Jahres war die Quellenlage außerordentlich komfortabel.

Der vorliegende Zusammenschnitt von betroffen machenden Sequenzen wird jedoch insbesondere durch die Verschleierung und Verfälschung kausaler Zusammenhänge zur Desinformation.
Diese Art Berichterstattung prangern wir auch weiterhin unermüdlich an.

Wir halten an unserer Programmbeschwerde fest und rufen darüber hinaus den Rundfunkrat an, in dieser Angelegenheit tätig zu werden.


Zum Zwecke der Transparenz wird diese Antwort und weiterführender Schriftverkehr auf der Webseite des Vereins http://forum.publikumskonferenz.de/ veröffentlicht.


Mit freundlichen Grüßen


i. A. Maren Müller
Vorsitzende



Quellen: https://www.youtube.com/watch?v=5MuPIBg7-d0
http://www.heise.de/tp/artikel/44/44058/1.html
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Maren

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Re: ZDF - Kathrin Eigendorf - Weitere Opfer in der Ostukraine

BeitragMo 13. Apr 2015, 12:35

Sehr geehrte Frau Müller,

auf Ihr Schreiben vom 08. April 2015 habe ich entschieden, Ihre Programmbeschwerde zur o.g. Sendung gemäß § 21 Absatz 3 der ZDF-Satzung (Beschwerdeordnung) als förmliche Programmbeschwerde einzustufen und dem zuständigen Programmausschuss Chefredaktion als Beschwerdeausschuss zur nächsten Sitzung am 07. Mai 2015 vorzulegen.

Nach Behandlung der Beschwerde durch den Beschwerdeausschuss und einer entsprechenden Beschlussempfehlung an den Fernsehrat wird dieser in seiner nächsten Sitzung am 29. Mai 2015 über Ihre Programmbeschwerde beraten.

Über das Beratungsergebnis werden Sie im Nachgang zur Sitzung informiert.

Mit freundlichen Grüßen

Ruprecht Polenz
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Re: ZDF - Kathrin Eigendorf - Weitere Opfer in der Ostukraine

BeitragDi 2. Jun 2015, 06:59

Programmbeschwerde vom 05. Februar 2015 zur "heute"-Sendung vom 03. Februar 2015;
hier: Mitteilung über den Ausgang des Beschwerdeverfahrens gem. § 21 Absatz 3 ZDF-Satzung (Beschwerdeordnung)

Sehr geehrte Frau Müller,

nachdem der Beschwerdeausschuss sowie der Fernsehrat Ihre o. g. Beschwerden eingehend beraten haben, darf ich Ihnen gemäß § 21 Absatz 3 der ZDF-Satzung zum Ausgang des Beschwerdeverfahrens mitteilen, dass der Fernsehrat jede einzelne Programmbeschwerde in seiner Sitzung vom 29. Mai 2015 in Berlin abschließend als unbegründet zurückgewiesen hat.

Der Fernsehrat hat ebenso wie sein Beschwerdeausschuss keinen Verstoß gegen die für das ZDF geltenden Rechtsvorschriften festgestellt.

Mit freundlichen Grüßen

Ruprecht Polenz

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