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RBB Radioeins: Kommentatoren-Talk zum russischen Impfstoff

Hier veröffentlichen wir externe Programmbeschwerden mit freundlicher Genehmigung der Beschwerdeführer. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die in den Beschwerden thematisierten Anliegen ausschließlich in der Verantwortung der jeweiligen Beschwerdeführer liegen und diese nicht automatisch die Meinung der Forenbetreiber wiederspiegeln.
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Maren

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RBB Radioeins: Kommentatoren-Talk zum russischen Impfstoff

Beitrag30. September 2020, 18:14

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Folgenden beziehe ich mich auf eine Sendung des vom 23.08.2020, 12:00 – 14:00 Uhr. Ab Minute 35:45 gab der teilnehmende Virologe Jonas Schmidt-Chanasit im Zusammenhang mit dem russischen Impfstoff „Sputnik V“ folgendes Statement ab. Vorausgegangen war eine typisch westlich – arrogante Bemerkung zum russischen Impfstoff: haben Sie das „Zeug“ (!!!) denn schon mal gesehen ?

Daraufhin folgende Antwort:

Zitat:

1. „Ich bin auch noch nicht zwangsgeimpft worden ….“

2. „Das ist schon schrecklich, das ist ein Impfstoff der wirklich nicht die entscheidende Phase durchlaufen hat und wo jetzt quasi im Feldversuch Menschen inokuliert werden, wo es schwere Nebenwirkungen geben kann. Das ist ethisch vollkommen schrecklich und da fühlen wir uns gerade in Deutschland an die dunkelste Vergangenheit erinnert.
Also, was da passiert, das sind schon Menschenversuche. Das kann man nicht anders sagen.“


Diese skandalöse Aussage wurde in der Sendung von allen Teilnehmern unwidersprochen und mit erkennbarer Zustimmung hingenommen.

I. Zum Sachverhalt

Am 11. August gab der russische Präsident Wladimir Putin eine Video-Konferenz gemeinsam mit Gesundheitsminister Michail Muraschko. Sie verkündeten, in Russland sei der erste Coronavirus-Impfstoff registriert worden, „зарегистрироваться“ !!!

Seitdem wird in allen deutschen Medien wahrheitswidrig bewusst oder aus Unkenntnis (mangelnde Russischkenntnisse) behauptet, besagter Impfstoff sei in Russland ohne die international vorgesehene Erprobungsphase III zugelassen worden und werde nun an die Bevölkerung ausgegeben.

Der Sachverhalt ist – und so wurde es in allen russischen Primärquellen beschrieben

- besagter Impfstoff wurde nach erfolgreicher Testung in den vorgeschriebenen Phasen I und II bei den russischen Behörden registriert;
- die Registrierung ist nach russischem Recht die Voraussetzung für eine weitere Erprobung in einer Phase III mit mehreren Hundert bis wenigen Tausend freiwilligen Probanden;
- diese Phase III soll in Russland unter Beteiligung weiterer Länder am 12.08.2020 beginnen und nach 6 – 8 Wochen abgeschlossen werden;
- ein flächendeckender Einsatz in der Bevölkerung ist für frühestens Dezember / Januar vorgesehen;
- Phase III wird international an mehreren Hundert / Tausend Probanden durchgeführt (u.a. in VAE, Saudi-Arabien, Brasilien und Mexiko);

Und

- zur Zeit wird in allen forschenden Ländern (einschließlich der BRD) mit verkürzten Verfahren an einer möglichst schnellen Entwicklung eines Impfstoffes gearbeitet.
Sind dies nun alles „Menschenversuche, wie in der dunkelsten Vergangenheit Deutschlands“ ???

II. Tatsachen

Diese Tatsachen sind jedem interessierten Bürger seit dem 11.08.2020 von russischer Seite bekanntgemacht worden. Auch in vielen deutschsprachigen Medien, insbesondere im Internet wurde korrekt berichtet.
Insofern ist mir unverständlich wie teilweise auch heute noch in Medien mit großer Reichweite der Unterschied einer Registrierung und einer Zulassung nicht verifiziert werden kann.

Noch unverständlicher ist mir, wie ein profunder und mit der Materie vertrauter Virologe dies nicht kann, obwohl der oben dargestellte Sachverhalt in einschlägigen Fachmedien auch in Englisch veröffentlicht wurde.
Auch ist allgemein bekannt, dass es in Russland keine „Zwangsimpfung“ geben soll. Zitat 1 impliziert vorsätzlich und wider besseren Wissens aber genau dies.

III. Menschenversuche wie in Deutschlands dunkelster Vergangenheit

Egal wie man das Vorgehen der Russischen Föderation und vieler anderer Staaten bei der Erforschung eines wirksamen Corona Impfstoffes fachlich beurteilt, die Phase III in Russland mit Menschenversuchen des deutschen Faschismus gleichzusetzten ist perfide und grenzt an Volksverhetzung.
Ist es Unkenntnis oder Vorsatz ?

Dem Virologen Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg möchte ich Unkenntnis nicht vorwerfen, auch den anderen Teilnehmern der Talk Runde unterstelle ich ein gewisse Grundintelligenz.
In Anbetracht der Tatsache, dass für interessierte „Talker“ der oben dargestellte Sachverhalt seit dem 11.08.2020 recherchierbar ist, man vor einem Millionen Publikum nicht einfach mal so daher plappert sondern seine öffentlich – rechtliche Verantwortung wahrnimmt, sonst aber jederzeit bereit ist moralisierend die Welt zu belehren kann ich nur volles Unverständnis empfinden.

Insofern steht hier nun wirklich die Prüfung von Tatbeständen im Raum.
Um den Diskutanten (Talkern) ein Bild des ohne Widerspruch gebliebenen Vergleiches zu geben nur vier Faksimiles :

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Quelle: „SS im Einsatz“, Kongress – Verlag Berlin, 1960

Wie Sie sehen waren auch vielfach sowjetische Kriegsgefangene Opfer dieser verbrecherischen Menschenversuche.
Nun die aktuelle Corona Impfstoff Debatte zu mißbrauchen um im allgemeinen antirussischen Reflex derartige Vergleiche zu ziehen ohne Widerspruch zu erfahren ist für mich nicht hinnehmbar!

Dies ist eine offizielle Beschwerde und ich erwarte eine Entschuldigung.
Rechtliche Schritte behalte ich mir vor.


Volker E.
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Maren

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Re: RBB Radioeins: Kommentatoren Talk zum russischen Impfstoff

Beitrag30. September 2020, 18:21

Gesendet: Montag, 28. September 2020, 16:59:38 MESZ
Betreff: WG: Kommentatoren Talk radioeins 23.08.2020


Sehr geehrter Herr E.,

vielen Dank für Ihre Mail und Ihr Interesse an unserem Programm!

Zu Ihren Anmerkungen:

Dass die Formulierung „Zeug“ von Hajo Schumacher über den russischen Impfstoff ein Zeichen „westlicher Arroganz“ ist, bestreite ich. Zumal ich als Moderator sofort ergänzte: „Wir reden über den Impfstoff, den es in Russland gibt.“ Ich habe an anderer Stelle auf radioeins auch schon in einem Interview etwas gefragt wie: „Wenn es denn in Deutschland einen Impfstoff gibt, wie kann man es dann organisieren, dass alle Deutschen möglichst schnell mit dem Zeug geimpft werden?“ Das ist keine Wertung, das ist nicht die wissenschaftlich korrekte, es ist eine umgangssprachliche Formulierung. Ob sie zu flapsig ist, liegt im Ohr des Zuhörers. Arrogant ist sie nicht. Allerdings ist ein Wesensmerkmals dieser Talkreihe auf radioeins, dass er zwischen ernsthaften Diskussionen und unterhaltenden Bemerkungen changiert.

Zu Ihren Zitaten: Dass Professor Schmidt-Chanasit nicht zwangsgeimpft wurde, ist schlicht eine Feststellung – auch bezogen darauf, dass in Russland laut einer dpa-Meldung zumindest teilweise so etwas geplant ist:

„Eine Impfpflicht für die ganze Bevölkerung soll es nicht geben, wohl aber für einzelne Berufsgruppen.“
(https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... i-Soldaten)

Weltweit, auch in Russland, sorgte die Zulassung des russischen Impfstoffs für Kritik von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für Kritik. Ich zitiere tagesschau.de:

„Doch der experimentelle Corona-Impfstoff wurde vor nicht einmal zwei Monaten erstmals an ein paar Dutzend Freiwilligen getestet, und bislang wurden keine wissenschaftlichen Ergebnisse veröffentlicht. (…) Vitali Swerjew vom russischen Metschnikof-Institut erklärte, den Impfstoff zu entwickeln sei eine Sache. Man könne in so kurzer Zeit aber "unmöglich beweisen, dass er effektiv und ungefährlich ist". Man wisse auch nicht, wie lange die Immunität anhalte.
Er sei besorgt, dass Russland beim Verfahren wichtige Schritte übergehe und "der daraus hervorgehende Impfstoff vielleicht nicht nur unwirksam, sondern auch nicht sicher ist", sagt Lawrence Gostin, ein Experte für globale Gesundheitsgesetze an der Georgetown University in Washington. "So geht es nicht. Zuerst kommen Versuche. Das ist wirklich wichtig."

(https://www.tagesschau.de/ausland/russl ... f-101.html)

Der namhafte deutsche Virologe Schmidt-Chanasit sagte auf radioeins:

„Das ist schon schrecklich, das ist ein Impfstoff der wirklich nicht die entscheidende Phase durchlaufen hat und wo jetzt quasi im Feldversuch Menschen inokuliert werden, wo es schwere Nebenwirkungen geben kann. Das ist letztendlich auch ethisch vollkommen sozusagen schrecklich und da fühlen wir uns gerade in Deutschland quasi an die dunkelste Vergangenheit erinnert. Also, was da passiert, das sind schon Menschenversuche. Das kann man nicht anders sagen.“

Damit gibt er seine Meinung wider, für die es übrigens entgegen Ihrer Formulierung weder „erkennbare Zustimmung“ noch Ablehnung gab. Diese Meinung von Herrn Schmidt-Chanasit kann man teilen oder kann man ablehnen, genauso wenig müssen bei Ihnen, mir oder anderen Hörerinnen und Hörern Erinnerungen an historische Vorgänge wachwerden. Wenn aber in der Gemeinde der Wissenschaftler bei vielen offenbar blankes Entsetzen darüber herrscht, dass nach ihrer wissenschaftlichen Einschätzung jahrzehntelange erprobte Testzyklen bei der Zulassung von Impfstoffen in Russland offenbar übergangen werden, dann ist ein Wissenschaftler in unserem Talk natürlich berechtigt, diese Einschätzung zu äußern. Und weder andere Kommentatorinnen und Kommentatoren noch der Moderator sind dazu verpflichtet, dem hörbar zuzustimmen oder zu widersprechen - sie können das jederzeit tun, sie müssen es aber natürlich nicht.

Das, was Sie dann über „ALLE deutschen Medien“ schreiben und den Wahrheitsgehalt der Berichterstattung im Vergleich zu „russischen Primärquellen“, habe ich nicht zu bewerten, ich schreibe hier lediglich als Vertreter von radioeins.

Die Unterstellung der „Bedienung von antirussischen Reflexe“ weise ich allerdings entschieden für alle Gesprächsteilnehmerinnen und -teilnehmer zurück.

Mit freundlichen Grüßen

Marco Seiffert

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