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Programmbeschwerde gegen DLF-Interview mit Seenotretter Claus-Peter Reisch

Hier veröffentlichen wir externe Programmbeschwerden mit freundlicher Genehmigung der Beschwerdeführer. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die in den Beschwerden thematisierten Anliegen ausschließlich in der Verantwortung der jeweiligen Beschwerdeführer liegen und diese nicht automatisch die Meinung der Forenbetreiber wiederspiegeln.
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Maren

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Programmbeschwerde gegen DLF-Interview mit Seenotretter Claus-Peter Reisch

Beitrag11. Februar 2019, 22:01

Deutschlandradio
z. Hd. Herrn Intendanten Stefan Raue
Raderberggürtel 40
50968 Köln

Programmbeschwerde gegen DLF-Interview mit Claus-Peter Reisch vom 05.02.2019

https://www.deutschlandfunkkultur.de/se ... _id=440251

Sehr geehrter Herr Raue,

gegen den oben benannten Beitrag lege ich hiermit Programmbeschwerde wegen Verstoßes von § 3 Abs. 1 der Satzung der Körperschaft des öffentlichen Rechts Deutschlandradio ein. Dort ist geregelt, dass in den Sendungen der Körperschaft ein objektiver Überblick über das Weltgeschehen, insbesondere ein umfassendes Bild der deutschen Wirklichkeit vermittelt werden soll. Die Sendungen des DLF sollen eine freie individuelle und öffentliche Meinungsbildung fördern.

In dem von mir gerügten Beitrag wird nach meiner Einschätzung nicht objektiv über die gesellschaftlich umstrittenen „Seenotretter“ berichtet. Die Moderatorin Nicole Dittmer hat es versäumt, auf nachgewiesene kritische Punkte der Arbeit der NGO „Mission Lifeline“ hinzuweisen. Das Interview mit Herrn Reisch erfolgte hauptsächlich in einem wohlwollenden und völlig unkritischen Rahmen. Dem Rezipienten wurde eine kritische Sicht der Arbeit des NGO, was zu einer objektiven Meinungsbildung unverzichtbar notwendig ist, vorenthalten.

Frau Dittmer hätte Herrn Reisch beispielsweise zu dem BILD-Artikel vom 1.2. 2019 befragen können
Siehe
https://www.bild.de/politik/inland/poli ... .bild.html

der sich mit dem kürzlich veröffentlichten Tweet: „Ihr seid noch nicht verheiratet? Vielleicht verliebt Ihr Euch zufällig in einen Menschen, der*die hier noch kein Bleiberecht hat. Könnte passieren, oder? Bleibt offen!“ auf Twitter befasst.
Dort wird Herr MdB Amthor mit deutlichen Worten zitiert: „Dieser absurde Aufruf zum Eingehen von Scheinehen zeigt überdeutlich, dass diese ‚Seenotretter‘ in Wahrheit eine viel größere Agenda verfolgen. Sie wollen unser Ausländerrecht mit ihrer linken Ideologie hintertreiben und unseren Rechtsstaat an der Nase herumführen.“ Er sprach in diesem Zusammenhang von „ideologischen Schlepper-Helfern“.

Auch hätte die Moderatorin bei gründlicher Recherche Herrn Reisch vorhalten können, dass der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière sich am 18.07.2017 wie folgt äußerte: „Die Italiener untersuchen Vorwürfe gegen NGOs, zum Beispiel, dass Schiffe ihre Transponder regelwidrig abstellen, nicht zu orten sind und so ihre Position verschleiern. Das löst kein Vertrauen aus. Mein italienischer Kollege sagt mir auch, dass es Schiffe gibt, die in libysche Gewässer fahren und vor dem Strand einen Scheinwerfer einschalten, um den Rettungsschiffen der Schlepper schon mal ein Ziel vorzugeben.“
Siehe:
https://www.welt.de/politik/ausland/art ... ttert.html

Alternativ hätte sie auch auf den derzeitigen Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesinnenministerium Stephan Mayer verweisen können, der sich im Juni 2017 in „Berlin direkt“ folgender Maßen äußerte. Er geht davon aus, dass die Schlepper die Flüchtlinge absichtlich in seeuntauglichen Booten losschicken würden, „da sie mit Sicherheit davon ausgehen können", dass Boote die Flüchtlinge „bereits nach wenigen hundert Metern oder wenigen Kilometern" aufgreifen würden. Im ZDF sagte Mayer: „Das beutet de facto, dass ein Shuttle-Service zum italienischen Festland beziehungsweise den italienischen Inseln besteht. Diese Vorgehensweise ist aus meiner Sicht auf Dauer nicht praktikabel."
Siehe:
https://twitter.com/berlindirekt/status ... 1564317697?
ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.tagesspiegel.de%2Fpolitik%2Ffluechtlinge-im-mittelmeer-ermittlungen-gegen-dresdner-seenotretter%2F19979384.html

Darüber hinaus kritisierte Staatssekretär Mayer vergangene Woche bei WELT-TV, dass die Aufforderung zum Eingehen einer Scheinehe, eine „schwerwiegende Straftat“ sei.
Siehe:
https://www.youtube.com/watch?v=fDkvhmSf2Yg

Stattdessen wird Herrn Reisch im Interview die Möglichkeit eingeräumt, die Bundesregierung dafür zu kritisieren, dass sich ihn nach seiner Auffassung nicht unterstützt.

Bei einer gründlichen Recherche hätte der Redaktion auch auffallen müssen, dass Herr Reisch häufig polarisierende Tweets bei Twitter verfasst (siehe Anlage), die nicht unbedingt dazu beitragen, der weiteren Spaltung unserer Gesellschaft entgegenzuwirken. Eine kritische Nachfrage hierzu, erfolgte ebenfalls nicht seitens des DLF.

All diese kritischen Punkte wurden in dem Interview nicht angesprochen. Hauptstreitpunkt der Arbeit der NGO ist nicht die unterstützungswerte Rettung von Menschenleben, sondern die darauffolgende Fahrt in europäische Häfen.
Dies hätte bei diesem Interview herausgearbeitet werden können, leider wurde diese Chance verpasst.

Aus meiner Sicht ist somit eben kein objektiver Überblick über das Weltgeschehen, insbesondere ein umfassendes Bild der deutschen Wirklichkeit vermittelt werden worden. Durch die einseitige Parteinahme wird eine freie, individuelle und öffentliche Meinungsbildung nicht gefördert, sondern durch das erfolgte framing in eine bestimmte Richtung gelenkt.

Mit freundlichen Grüßen

XXXXXXX*

* Der Name des Einsenders ist uns und dem DLF bekannt.


Anlage

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Maren

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Re: Programmbeschwerde gegen DLF-Interview mit Seenotretter Claus-Peter Reisch

Beitrag2. März 2019, 11:23

Antwort des Intendanten vom DLF:
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