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Programmbeschwerde: Massaker der Israelischen Armee am 14.5.2018

Hier veröffentlichen wir externe Programmbeschwerden mit freundlicher Genehmigung der Beschwerdeführer. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die in den Beschwerden thematisierten Anliegen ausschließlich in der Verantwortung der jeweiligen Beschwerdeführer liegen und diese nicht automatisch die Meinung der Forenbetreiber wiederspiegeln.
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Maren

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Programmbeschwerde: Massaker der Israelischen Armee am 14.5.2018

Beitrag3. Juni 2018, 12:25

Programmbeschwerde: Massaker der Israelischen Armee am 14.5.2018

https://www.br.de/radio/b5-aktuell/serv ... 264ce.html

Ich schäme mich für den Bayerischen Rundfunk, der (wie fast alle anderen Leitmedien auch) das Massaker der israelischen Armee an palästinensischen Demonstranten mit 50 Toten und über 1000 Verletzten am 14.5.2018 als Konfrontation zwischen Israelis und Palästinensern darstellt.

Ihre Darstellung vermittelt den Eindruck eines Konflikts zwischen 2 gleichgestellten Konfliktparteien. Auf der einen Seite gewaltbereite palästinensische Demonstranten, die von der Hamas aufgehetzt sind. Auf der anderen Seite die israelische Armee, die gegen diese gewaltbereiten Demonstranten vorgeht.

Aber das hat wenig mit der Realität zu tun. Auf der einen Seite sind etwa 40000 unbewaffnete Demonstranten, die gegen die Vertreibung ihrer Familien durch die Staatsgründung Israels demonstrieren. Auf der anderen die israelische Armee, die mit der Deckung der israelischen Regierung ein Massaker an diesen Demonstranten verübt.

Mir ist es ein Rätsel, dass sie nicht über die genaueren Umstände des Massakers berichten:

– die israelische Armee schießt den Demonstranten gezielt in die Beine;
– auch Menschen in den hinteren Reihen der Demonstranten wurden erschossen;
– sie benutzt dazu teilweise Munition die beim Aufprall auseinanderbricht, um größere Wunden zu verursachen;
– das Tränengas wird auch von Drohnen über den Demonstranten abgeworfen;
– die Demonstranten sind unbewaffnet, niemand schoss auf die israelische Armee.

Diese Informationen stammen von Sharif Abdel Kouddous, der für das amerikanische Nachrichtenmagazin DemocracyNow live aus Gaza berichtete. Warum berichtet der bayerische Rundfunk nicht direkt aus Gaza? Es gibt doch sicher noch genug Journalisten, die dankbar wären über die Lage vor Ort zu berichten.

Leider fiel die Berichterstattung über Gaza in B5 kurz vor 13 Uhr sogar komplett aus dem Nachrichtenblock. Der Aufmacher des Nachrichtenblocks war das Urteil über die Zulassung von Autokameras bei Prozessen über Autounfälle.

Stattdessen brachte Bayern 5 am 15.5.2018 ein Interview mit einem deutschen Korrespondenten aus Tel Aviv, der sagte, dass es an der Hamas liegt, ob sich die Lage beruhigt oder nicht. Das ist grotesk. Die Lage eskaliert ja nicht durch die Demonstranten, sondern durch das unmenschliche Verhalten der israelischen Armee. Es wäre ein leichtes den Soldaten den Einsatz von scharfer Munition zu untersagen.

Das Massaker der IDF war eines der gravierendsten Menschenrechtsverletzungen der letzten Jahrzehnte.
Wäre das Thema auch zu gleicher Zeit aus dem Nachrichtenblock gefallen, wenn gestern 50 israelische Demonstranten getötet und über 1000 von palästinensischen Sicherheitskräften verletzt worden wären?

Wenn die Wertigkeit von Menschenleben in der medialen Berichterstattung so klar von religiöser, ethnischer und politischer Bündniszugehörigkeit abhängt, kann man nicht mehr von journalistischer Objektivität sprechen.
In der Berichterstattung über den israelisch-palästinensischen Konflikt auf Bayern 5 (und den gesamten deutschen Leitmedien) ist diese journalistische Objektivität den verantwortlichen Programmgestaltern jedenfalls ganz klar abhandengekommen und das empfinde ich als beschämend.

Christian Schantz

PS: Einen anderen meines Erachtens seriösen Artikel zum Geschehen finden Sie hier:
https://theintercept.com/2018/05/14/iva ... estinians/

Anmerkung: Beschwerde wurde am 15.5. über das Kontaktformular von B5-Aktuell eingereicht.

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