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Air-Berlin - parteiische Berichterstattung

Hier veröffentlichen wir externe Programmbeschwerden mit freundlicher Genehmigung der Beschwerdeführer. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die in den Beschwerden thematisierten Anliegen ausschließlich in der Verantwortung der jeweiligen Beschwerdeführer liegen und diese nicht automatisch die Meinung der Forenbetreiber wiederspiegeln.
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Maren

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Air-Berlin - parteiische Berichterstattung

Beitrag28. September 2017, 15:40

Programmbeschwerde: Air-Berlin - parteiische Berichterstattung

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/ai ... n-169.html

Sehr geehrte Rundfunkräte,

wieder einmal erweist sich ARD-aktuell als eine in der neoliberaler Ideologie fest verwurzelte Redaktion, die penetrant einseitig berichtet und damit die Programm-Richtlinien konsequent mißachtet. Damit stellt sie zudem den Sinn und Zweck des auch ihre Existenz sichernden Finanzsystem auf den Kopf: Anstatt die Interessen der überwiegenden Zahl der abhängig Beschäftigten in den Fokus der Berichterstattung zu stellen – also derjenigen, die maßgeblich das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem finanzieren – berichtet die Redaktion ausschließlich parteiisch zu Gunsten der Unternehmensführungen und deren Interessen.

Schon die Überschrift "Gute Aussichten für Mehrheit der Mitarbeiter" ist eine parteiische Wertung, die in Nachrichten nichts zu suchen hat. Sie ist zudem unzutreffend und wahrheitswidrig, weil die erklärte Absicht besteht, die Arbeitsbedingungen aller Piloten zu verschlechtern.

Als brave Claqueure geben die ARD-aktuell-Flaggschiffmannen wieder einmal nur das wieder, was die PR-Abteilungen der in Rede stehenden Konzerne ihnen vorzuschreiben pflegen:

"Air Berlin-Chef Thomas Winkelmann fügte hinzu, man werde nicht alle 8000 Arbeitsplätze erhalten können. Er betonte aber: "Wir sind auf dem Weg, für rund 80 Prozent unserer Kolleginnen und Kollegen gute Chancen für neue Arbeitsplätze bei den Bietern erreichen zu können."


Unbeachtet bleiben bei solcher Nachrichtenformung die für Chefredakteur Gniffke und Intendant Marmor geltenden Programmrichtlinien, obwohl es darin unmißverständlich heisst:

"Berichterstattung und Informationssendungen .......müssen unabhängig und sachlich sein. Zur journalistischen Sorgfalt gehört, dass Tatsachenbehauptungen überprüft werden; Vermutungen sind als solche zu kennzeichnen.....Die ARD hat bei der Erfüllung ihres Auftrags die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit zu beachten".

Klar und eindeutig hatte sich auch der Berufsverband der Piloten zu den Problemen geäußert. Doch dessen Ansicht übergingen fast alle Mainstreammedien, ARD-aktuell an vorderer Front, in neoliberalem Gleichgang. Die Ansichten und Sorgen der vom Arbeitsplatzverlust Bedrohten interessierten den Qualitätsjournalismus a la Dr. Gniffke nicht. Die Parteilichkeit dieser Berichterstattung ist erweislich.

Die Vereinigung Cockpit (VC) hatte nach der Festlegung auf die Käufer für die Filetstücke der Air-Berlin-Group, nämlich Lufthansa-Group und EasyJet, von diesen Kandidaten konkrete Zusagen im Sinne der Air-Berlin-Beschäftigten gefordert.

„Unser oberstes Ziel ist der Erhalt von Arbeitsplätzen in allen Bereichen des Unternehmens. Nach unseren Gesprächen mit einem der privilegierten Kandidaten, der Lufthansa-Group, wurde uns unmissverständlich mitgeteilt, dass jeder einzelne Pilot ein individuelles Assessment durchlaufen soll, um eventuell einen der Arbeitsplätze zu ca. 30 Prozent abgesenkten Bedingungen in dem aufnehmenden Betrieb zu erhalten. Im Vordergrund steht für die Lufthansa offenbar, alles zu unternehmen, damit die gesetzlichen Folgen eines Betriebsübergangs, der Arbeitnehmern wichtige Schutzrechte gewährt, zu umgehen“, so Ingolf Schumacher, Vorsitzender Tarifpolitik Vereinigung Cockpit.

„Mit der Übernahme von Flugzeugen, Slots und Streckenrechten geht auch soziale Verantwortung für die Beschäftigten der Air Berlin einher. In den bisherigen Gesprächen mit Lufthansa konnten wir ein Bewusstsein für diese soziale Verantwortung leider nicht erkennen. Eine geregelte Übernahme des Air-Berlin-Cockpitpersonals lehnt Lufthansa zu unserem Entsetzen ab. Das geht so nicht!“, so Schumacher weiter."

Dass ARD-aktuell diese Statements der betroffenen Beschäftigten unterschlagen hat, ist angesischts der Resistenz der Redaktion gegenüber sozialen Aspekten nicht überraschend, aber dennoch ein Verstoß gegen die Programmrichtlinien.

F. Klinkhammer, V. Bräutigam
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Maren

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Re: Air-Berlin - parteiische Berichterstattung

Beitrag18. Januar 2018, 21:30

Betreff: Ihre E-Mail

Sehr geehrter Herr Klinkhammer,
sehr geehrter Herr Bräutigam,

in Ihrer E-Mail vom 28. September 2017 kritisieren Sie erneut die Berichterstattung von ARD-aktuell.

Ich habe die verantwortliche Redaktion gebeten, zu Ihrer Kritik Stellung zu nehmen. Diese Stellungnahme finden Sie im Anhang.
Air Berlin_geschwärzt.pdf
(3.58 MiB) 66-mal heruntergeladen


Aus meiner Sicht liegt kein Verstoß gegen die Programmgrundsätze des NDR oder sonstige Vorschriften vor. Durch die Übersendung dieser Stellungnahme bringe ich dies zum Ausdruck.

Mit freundlichen Grüßen

Lutz Marmor

Intendant des Norddeutschen Rundfunks
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Maren

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Re: Air-Berlin - parteiische Berichterstattung

Beitrag18. Januar 2018, 21:32

Sehr geehrte Rundfunkräte

Dr. Gniffke gibt vor, er habe sich den Sachverhalt angeschaut, wieder einmal nur mit seinem neoliberalen rechten Auge.

Wir hatten ausgeführt:

"Schon die Überschrift "Gute Aussichten für Mehrheit der Mitarbeiter" ist eine parteiische Wertung, die in Nachrichten nichts zu suchen hat. Sie ist vor allem unzutreffend und wahrheitswidrig, weil die Arbeitsbedingungen aller Piloten verschlechtert werden sollen.

Als brave Claqueure geben die ARD-aktuell-Flaggschiffmannen wieder einmal nur das wieder, was die PR-Abteilungen der in Rede stehenden Konzerne ihnen vorzuschreiben pflegen:

"Air Berlin-Chef Thomas Winkelmann fügte hinzu, man werde nicht alle 8000 Arbeitsplätze erhalten können. Er betonte aber: "Wir sind auf dem Weg, für rund 80 Prozent unserer Kolleginnen und Kollegen gute Chancen für neue Arbeitsplätze bei den Bietern erreichen zu können."

Unbeachtet bleiben bei solcher Nachrichtenformung die für Chefredakteur Gniffke und Intendant Marmor geltenden Programmrichtlinien, obwohl es darin unmißverständlich heisst:

"Berichterstattung und Informationssendungen .......müssen unabhängig und sachlich sein. Zur journalistischen Sorgfalt gehört, dass Tatsachenbehauptungen überprüft werden; Vermutungen sind als solche zu kennzeichnen.....Die ARD hat bei der Erfüllung ihres Auftrags die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit zu beachten".

Klar und eindeutig hatte sich auch der Berufsverband der Piloten zu den Problemen geäußert. Doch dessen Ansicht übergingen fast alle Mainstreammedien, ARD-aktuell an vorderer Front, in neoliberalem Gleichgang. Die Ansichten und Sorgen der vom Arbeitsplatzverlust Bedrohten interessierten denQualitätsjournalismus a la Dr. Gniffke nicht. Die Parteilichkeit dieser Berichterstattung ist erweislich."

Gniffke meint, dass er irgendwann einmal über die Arbeitsplatzprobleme bei Air-Berlin berichtet habe, sei damit gerechtfertigt, dass in der konkret von uns beanstandeten Meldung die Äußerungen des Berufsverbands der Piloten unter den Tisch fallen können. Ein mehr als dilletantisches Journalistenverständnis des Chefredakteurs. Er belegt damit erneut, dass er ein neoliberaler Rudeljournalist mit einäugiger Ausrichtung ist, nicht nur bei außenpolitischen Themen.

Wir bleiben bei unserem Vorwurf der Programmverletzung.

Den gewerkschaftlichen Funktionären im Rundfunkrat wünschen einen gesegneten Schlaf bei der Beratung der Beschwerde.

Mit freundlichen Grüßen

F. Klinkhammer, V. Bräutigam

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