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Israelischer Bombenangriff in Syrien

Hier veröffentlichen wir externe Programmbeschwerden mit freundlicher Genehmigung der Beschwerdeführer. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die in den Beschwerden thematisierten Anliegen ausschließlich in der Verantwortung der jeweiligen Beschwerdeführer liegen und diese nicht automatisch die Meinung der Forenbetreiber wiederspiegeln.
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Maren

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Israelischer Bombenangriff in Syrien

BeitragFr 8. Sep 2017, 20:22

Programmbeschwerde: Israelischer Bombenangriff in Syrien

http://www.tagesschau.de/ausland/angrif ... n-101.html

Sehr geehrte NDR-Rundfunkräte,

Israel, von zahlreichen internationalen Beobachtern längst als tatkräftiger Unterstützer der in Syrien mordenden al-Kaida und des IS identifiziert , hat in den frühen Stunden des 7. September seine Luftwaffe in den syrischen Luftraum einfliegen und eine militärische Anlage bei Hama mit Raketen bombardieren lassen. Mindestens zwei syrische Soldaten kamen dabei ums Leben. Offizielle Erklärungen aus Jerusalem gab es dazu nicht. Die syrische Nachrichtenagentur meldete den Vorfall. Quelle: http://sana.sy/en/?p=113322

Und ARD-aktuell? Leistete sich einmal mehr ein Musterbeispiel an tendenziöser und propagandistischer Nachrichtengebung von der israelischen Parteiseite her.

Der Angriffwurde mit keinem Wort als unstreitig eine schwerwiegende Verletzung des Völkerrechts dargestellt. Berichte über das Bombardement gab es in keiner einzigen TV-Sendung, sondern lediglich auf den Nebengleis tagesschau.de. Dort wurde mit dem reißerischen Titel

Israel greift Chemiefabrik in Syrien an


eine blanke und hochassoziative Spekulation (Chemiefabrik = Chemiewaffenfabrik) als Tatsache vermittelt, obwohl es keinerlei Beleg dafür gibt. In dem journalistisch inakzeptablem Beitrag taucht das ebenso verharmlosende wie unsäglich bescheuerte Wort „Luftschlag“ als Synonym für ein mörderisches Bombardement gleich dreimal auf. Ausführlich werden unqualifizierbare „Twitter“-Äußerungen israelischer Ex-Militärs und Ex-Geheimdienstler zitiert, zum Beispiel in indirekter Rede diese propagandistische Widerwärtigkeit:

Wenn der Luftschlag von Israel durchgeführt worden sein sollte, so wäre es eine moralisch lobenswerte Aktion gewesen. In der Fabrik seien chemische Waffen und Fassbomben hergestellt worden.


Die Tagesschau publiziert nicht erst seit diesmal menschenverachtende Äußerungen über Kriegshandlungen und Völkerrechtsbruch, die sich auf reine Spekulationen stützen. Sie macht sich gemein mit einer nicht zu rechtfertigenden Sache der Israelis. Diese Art der Berichterstattung liegt voll auf der transatlantischen Propagandalinie, die Syriens Recht auf Selbstverteidigung und Wahrung seiner Souveränität missachtet, militärische Erfolge der Syrer und ihrer russischen Verbündeten gegen den IS- und al-Kaida-Terrorismus verschweigt und andererseits die Verbrechen der „pro-westlichen“ Seite schönredet und –schreibt.

Auch im hiesigen Beitrag ist die propagandistische Tendenz nicht zu übersehen. Da ist zwar von Bestrebungen der Israelis die Rede, Waffenlieferungen an die schiitische Hisbollah in Syrien mit allen Mitteln zu unterbinden, ohne dass die Frage nach den Rechtsgrundlagen israelischen Handelns betrachtet wird. Nicht aber wird auch nur erwähnt, dass die Israelis der al-Kaida und dem IS in Syrien mit Waffenlieferungen und Geheimdienstinformationen dabei behilflich sind, sich gegen die syrische Armee und deren russische Verbündete zu behaupten. Kein Wort davon, dass Israel den von den USA und einer supranationalen Elite inszenierten Terrorkrieg in Syrien zur Wahrung seiner eigenen Interessen als regionale Hegemonialmacht unterstützt und dabei das Völkerrecht mit Füßen tritt. „Freundschaft mit Israel ist deutsche Staatsräson“ (A. Merkel), ein solcher Satz geht natürlich in Fleisch und Blut redaktioneller Konformisten bei ARD-aktuell über.

Offenbar israelischer Luftangriff auf Fabrik in Syrien


lautet nur der Schluss-Titel des Beitrags auf tagesschau.de. Seine vorsichtige Sachlichkeit kommt da allerdings zu spät und kann die Programmverstöße nicht mehr reparieren, die im Text zuvor fabriziert wurden. Dass überdies eine Reihe von wichtigen Aspekten des Vorfalles unbedacht und unerwähnt blieben, ist leicht erkennbar: Die Frage beispielsweise, warum die überlegene russische Luftabwehr in Syrien die Iraelis gewähren ließ. Welche Zusammenhänge des Raketenangriffs auf Hama es mit dem militärischen Erfolg der Syrer gegen den IS bei Deir-Ezzor gibt, usw.

Quellen u.a.:

http://www.newsjs.com/url.php?p=http:// ... -1.7067197

http://www.newsjs.com/url.php?p=http:// ... -in-Syrien

http://www.newsjs.com/url.php?p=http:// ... 87731.html

http://www.newsjs.com/url.php?p=http:// ... 22068.html

Fazit: ARD-aktuell hat einen weiteren erheblichen Verstoß gegen Programmauftrag und Programmrichtlinien zu verantworten.

Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer
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Maren

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Re: Israelischer Bombenangriff in Syrien

BeitragFr 15. Sep 2017, 10:03

Von: gremienbuero@ndr.de
Betreff: Ihre Zuschrift vom 08.09.2017 / "Israelischer Bombenangriff"
Ihr Schreiben vom 08.09.2017

Sehr geehrter Herr Klinkhammer, sehr geehrter Herr Bräutigam,

wir bestätigen den Eingang Ihrer o.g. Zuschrift.

Da der von Ihnen kritisierte Artikel auf tagesschau.de von dem BR-Autoren Tim Aßmann stammt, habe ich Ihr Schreiben an den BR weitergeleitet.
Ihre Anregung zur Einstufung der Thematik "Israelischer Bombenangriff" habe ich zudem zur Kenntnisnahme an die Redaktion von ARD-aktuell weitergegeben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Günter Hörmann
Rundfunkratsvorsitzender
_____________________________
NORDDEUTSCHER RUNDFUNK
Gremienbüro
Rothenbaumchaussee 132
20149 Hamburg
Tel. (040) 4156-3506
Fax (040) 4156-3452
E-Mail: gremienbuero@ndr.de
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Maren

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Re: Israelischer Bombenangriff in Syrien

BeitragFr 15. Sep 2017, 10:04

Sehr geehrter Herr Dr. Hörmann,

irgendwie verstehen wir die Logiik nicht: Wenn es sich bei unserer Beschwerde nur um eine Anregung handelt, warum senden Sie unsere Mail an den BR? Sie sind von uns dazu überhaupt nicht bevollmächtigt worden. Bei Beschwerden ist eine Bevollmächtigung entbehrlich, weil es eine Verweisungsvorschrift im Rundfunkstaatsvertrag gibt. Was sollen wir von der Schwubelei halten? War unsere Beschwerde nun auch in Ihrem Verständnis eine Beschwerde oder nicht?

Im übrigen: Selbst, wenn es sich bei unserem Schreiben um eine Anregung handeln würde, sähen wir es als erforderlich an, dass der Rundfunkrat sich mit damit befasst und sie nicht kommentarlos an die veranlassende Redaktion weiterleitet, wobei dann auch noch unklar bleibt, was mit ihr geschieht. Der "Anregung" mit einer besseren Empfangsbestätigung zu begegnen, der nichts weiter nachfolgt, ist u.E. in den einschlägigen Vorschriften nicht vorgesehenen.

Wir bitten um Prüfung und eine nachvollziehbare Begründung. Als Jurist wird Ihnen das sicherlich nicht schwerfallen

Mit vorzüglichen Grüßen

F. Klinkhammer, V. Bräutigam
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Re: Israelischer Bombenangriff in Syrien

BeitragDo 7. Dez 2017, 12:35

Gesendet: Dienstag, 05. Dezember 2017 um 09:31 Uhr
Von: Gremienbuero <Gremienbuero@br.de>

Betreff: Ihre E-Mail vom 8. September 2017

Sehr geehrter Herr Klinkhammer,
sehr geehrter Herr Bräutigam,

bitte beachten Sie das Schreiben von Herrn Rundfunkratsvorsitzenden Dr. Wolf an Sie (PDF-Datei im Anhang).
Chemiefabrik_BR__geschwärzt.pdf
(2.04 MiB) 23-mal heruntergeladen


Mit freundlichen Grüßen
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Maren

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Re: Israelischer Bombenangriff in Syrien

BeitragDo 7. Dez 2017, 12:36

Sehr geehrter Herr Vorsitzender Dr. Wolf,

vielen Dank für Ihre Stellungnahme, auch wenn wir die in einigen Punkten nicht nachvollziehen können. Wir respektieren sie dennoch, weil Ihre Bereitschaft erkennbar wird, sich sachlich und argumentativ mit unserer Beschwerde - ohne die übliche ARD-Arroganz - auseinanderzusetzen und weil Sie immerhin Schwächen im Titel und Text einräumen.

Freundliche Grüße

F. Klinkhammer, V. Bräutigam

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