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Das Parlament

Es ist das Thema, was momentan die Gemüter besonders bewegt. Um mehr Übersichtlichkeit zu schaffen, packt bitte euer entsprechendes Thema in dieses Forum.
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Irena

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Das Parlament

BeitragDi 1. Sep 2015, 13:56

Das Parlament ist das Medium des Deutschen Bundestages. Hier ist ein Artikel von Gerd Koenen auf Tietelseite http://www.das-parlament.de/2015/33_34/ ... e/-/384988
Artikel heißt: Der Putin-Komplex mit Untertitel
In Deutschland gibt es zu viel Verständnis für die friedensgefährdende Politik Moskaus

Ich denke den Vorwurf "Putin--Kompex" musste Autor sich selbst und seinen Gleichgesinnten stellen...

Eine Leserin schrieb:
Ich finde, angesichts eines solchen Absturzes des politischen Diskurses auf dieser Ebene sollte man "vernetzt" etwas unternehmen. Dass im Jahre 2015 die Ostpolitik Willy Brandts, der wir alle entscheidend den glimpflichen Ausgang des Kalten Krieges & die deutsche Wiedervereinigung verdanken, sich in einem Parlamentsorgan einer Diffamierung aussetzen lassen muss, als stünde sie im Konflikt zur verfassungsmäßigen Grundordnung dieses Landes, ist skandalös.


Es ist mein Beitrag zur Vernetzung.
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Bücherleser

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Re: Das Parlament

BeitragDi 1. Sep 2015, 15:17

Am allerschlimmsten ist die Geschichtklitterung in einem Organ, welches vom Parlament explizit für die staatsbürgerliche Bildung an Schulen bereitgestellt wird:

In RT-deutsch wird außer der Kritik an der einseitigen Russland-Diffamierung auch beiläufig eine Verniedlichung des Zweiten Weltkrieges durch "Das Parlament" dokumentiert, die geradezu ungeheuerlich ist:

Viele Länder seien im Krieg miteinander gewesen, unter anderem z.B. Deutschland einerseits und die Sowjetunion
andererseits.
Deutschand und die Sowjetunion seien also "Feinde" gewesen...

http://www.rtdeutsch.com/30273/inland/b ... t-deutsch/

Diese unerträgliche Simplifizierung und Verfälschung ist eine Beleidigung des gesunden Menschenverstandes und Gerechtigkeitsempfindens jedes Kindergartenkindes!

Bitte laßt uns umgehend eine E-Petition unmittelbar an den Bundestag richten mit der Aufforderung, diese "Parlaments"-Ausgabe für den Unterricht an Schulen zurückzuziehen!
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Irena

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Re: Das Parlament

BeitragDi 1. Sep 2015, 16:38

Bücherleser hat geschrieben:Am allerschlimmsten ist die Geschichtklitterung in einem Organ, welches vom Parlament explizit für die staatsbürgerliche Bildung an Schulen bereitgestellt wird


Oh-man-o-man-o-man,
ist es Erzählungen für Grundschüler? Eher für Garten und Krippen-Kinder :lol:
Man muss sich nicht wundern, wenn besondere Empfindsamkeit der Deutschen zu Rechtextremen wird in nächsten Generationen ausgelöscht. Man bereitet eine immune Generation...

PS: Allerdings habe ich bei nähere Suche nach Urquelle dieses Beitrags (in RT-Deutsch Foto steht Ausgabe 17) nichts gefunden?!!
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Barish

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Re: Das Parlament

BeitragDi 1. Sep 2015, 21:36

Irena hat geschrieben:
Bücherleser hat geschrieben:Am allerschlimmsten ist die Geschichtklitterung in einem Organ, welches vom Parlament explizit für die staatsbürgerliche Bildung an Schulen bereitgestellt wird


Oh-man-o-man-o-man,
ist es Erzählungen für Grundschüler? Eher für Garten und Krippen-Kinder :lol:
Man muss sich nicht wundern, wenn besondere Empfindsamkeit der Deutschen zu Rechtextremen wird in nächsten Generationen ausgelöscht. Man bereitet eine immune Generation...

PS: Allerdings habe ich bei nähere Suche nach Urquelle dieses Beitrags (in RT-Deutsch Foto steht Ausgabe 17) nichts gefunden?!!


Es lässt sich finden unter der Rubrik "Das Parlament - leicht erklärt!", Ausgabe Nr. 17 vom 10.08.2015 siehe hier:

https://www.bundestag.de/leichte_sprach ... /parlament

Direkt die Titelseite. Erschütternd.

PS: Zugegeben, RTDütsch hätte dies genauer angeben können, unsachgemäß ist die Vorstellung dieses harten Stücks Desinformation aber nicht.
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Maren

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Re: Das Parlament

BeitragMi 2. Sep 2015, 10:24

Auf das Propagandamachwerk von Gerd Koenen reagierten inzwischen auch die Nachdenkseiten. Albrecht Müller, der als ehemaliger Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit bei der SPD und der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt unter Willy Brandt und Helmut Schmidt, in der Beurteilung der Ostpolitik um einiges ernster zu nehmen ist als der stark polemisierende Autor, analysiert:

- Koenen tut so, als habe der neue kalte Krieg mit der sogenannten Annexion der Krim und der Entfesselung eines Sezessionskriegs (so nennt er das) im Osten der Ukraine begonnen. Kein Wort zu den dokumentierten milliardenschweren Versuchen der USA, in der Ukraine gegen Russland zu mobilisieren. Kein Wort von der dem Geist der Verabredungen von 1989 ff widersprechenden Ausdehnung der NATO bis an die Grenzen Russlands. Kein Wort vom Putsch in der Ukraine.

- Die sogenannten Farbenrevolutionen und ihre Bedeutung für die Destabilisierung in verschiedenen Ländern werden von Koenen oberflächlich abgehandelt.

- Mit einer dümmlichen Polemik gegen Putin und seinen „frisch vergoldeten Zarenthron“ heizt der Autor Emotionen an. Koenen polemisiert gegen jene überparteiliche Initiative von Politikern, die gegen die neue Konfrontation zwischen West und Ost mit dem Aufruf „Nicht in unserem Namen“ angetreten sind.

- Egon Bahr wird zusammen mit Winfried Scharnagel und Antje Vollmer einer weit ausgefächerten Querfront zugeordnet. Siehe dazu auch den Kommentar beim heutigen Hinweis.

- Unsere Medien nennt Koenen „unbestechliche Qualitätsmedien“. Das ist nicht als Lachnummer gedacht sondern ernst gemeint. Von diesen sogenannten Qualitätsmedien hat nach meinen Recherchen keines mit einem kritischen Kommentar oder mit einer Analyse auf die neue Ausgabe von „Das Parlament“ reagiert. Das spricht Bände. Man hat es RT Deutsch überlassen, den der Eigenwerbung entsprechenden „fehlenden Part“ zu übernehmen.

Der Leserbrief einer Mitstreiterin bringt das Ganze nochmal auf den Punkt:

Liebe Macher der Nachdenkseiten,

in die gleiche demagogische Kerbe wie die kürzlich u.a. auf Eurerm Portal kommentierte "Querfront-Studie" schlägt die neue Ausgabe der über die "Bundeszentrale für politische Bildung" u.a. auch regelmäßig & flächendeckend an Politik- und Sowilehrer versandten Zeitschrift des Deutschen Bundestages "Das Parlament 33-34" zu Russland und dem Konflikt um die Ukraine. Wenn man bedenkt, dass dies das Selbstdarstellungsorgan des Deutschen Bundestages ist, kann einem angesichts der in der Summe demagogischen & kriegstreiberisch=propagandistischen Ausrichtung der dortigen Artikel in ihrer Darstellung eines großen Nachbarlandes von 145 Millionen Einwohnern, welches hier einhellig & ausschließlich als Hort der Finsternis gezeichnet wird, während alle anderen an diesem politischen Konflikt beteiligten Kräfte ohne Furcht & Tadel erscheinen, wirklich angst & bange werden.

Ein besonders erschreckendes Beispiel ist der Frontseitenartikel des Historikers Gert Koenen mit dem Titel "Der Putin-Komplex": Bereits die obstinate Leugnung der maßgeblichen Rolle der US-Administration an diesem gefährlichen geopolitischen Konflikt erscheint symptomatisch. Wo Koenen jedoch im Einklang mit dem Mainstream die Weigerung kritischer Zeitgenossen, in diese Vogel-Strauss-Sicht der Ereignisse einzustimmen, als 'Antiamerikanismus' apostrophiert, wird's auch innenpolitisch ärgerlich.

Es erscheint jedem wachen Politikbeobachter schon als unfreiwillige Satire, wenn jemand glaubt, die aktuelle Außenpolitik der USA unter Verweis auf den "pazifistischen Obama" zu charakterisieren. Auch ist es kaum noch als schlechter Scherz zu goutieren, wenn vulgärfreudianisch der geschichtliche begründete Einspruch deutscher Kritiker einer muskulär-militaristische Konfrontationspolitik gegen Russland als 'Stockholm-Syndrom' diffamiert wird . Vollends böse aber wird's, wenn der Versuch unterschiedlicher Altpolitiker etablierter Parteien, den friedenspolitischen Status quo des Grundgesetzes zu erhalten, als die derzeit größte demokratische Binnengefährdung der Bundesrepublik Deutschland gezeichnet wird, indem deren gemeinsames Engagement ... (u.a. durch den Aufruf "Nicht in unserem Namen!") http://www.zeit.de/politik/2014-12/aufr ... and-dialog ... metaphorisch als "eine weit ausgefächerte Querfront von Egon Bahr über den Strauß-Intimus Winfried Scharnagl bis zur Grünen Antje Vollmer" dargestellt wird (- gewünschte Konnotation: Wer die bilateralen Beziehungen zu Russland grundgesetzkonform immer noch im Sinne der Brandtschen Ostpolitik ausrichten will, bereitet dem russischen Putin=Hitler ebenso den Weg wie der antirepublikanische Coup des Kabinett Schleicher einst dem Gröfaz.)

Die hier kopierte & seit geraumer Zeit durch den Leitmediendiskurs geisternde demagogische Verwendung der Vokabel "Querfront" (denn ein wirklicher Begriff ist hier schon lange nicht mehr beim Worte; als legitim wird schlichtweg jede Bezeichnung befunden, die den politischen Gegner unterhalb der Gürtellinie trifft), welche unter den Kombattanten der
Diffamierungsfront ganz schwer en vogue ist, zieht jedem historisch auch nur halbwegs Gebildeten die Schuhe aus, wenn sie selbst in ein Parlamentsorgan Eingang findet. Denn die Politiker, von denen hier insinuiert wird, dass ihre Artikulation politischer Gemeinsamkeiten einen Grund biete, an ihrer Treue zum demokratischen Rechtsstaat zu zweifeln (denn der Terminus "Querfront" bezeichnet historisch ja nun mal den Versuch eines [zunächst missglückten] Putschversuchs gegen die Weimarer Republik), sind samt & sonders Mitglieder solcher Parteien, die auf Landes- & Bundesebene diverse Male bereits Regierungskoalitionen eingegangen sind.

Ich gestehe an dieser Stelle freimütig, dass ich als jemand, der sich links von der aktuellen SPD verortet & mich seit den 80er Jahren der Friedensbewegung verbunden fühle, vor der im Netz als pdf verlinkten engagierten verfassungsrechtlichen Rede des CSU-Politikers Peter Gauweiler vor der Bundeswehrakademie den Hut ziehe. Rückt dies etwa mich oder den Redner in die Nähe Kurt von Schleicher, nationalbolschewistischen Funktionären des ADGBs von 1932 oder den Anhängern Gregor Strassers? Absurder geht's nimmer!

Ich finde, angesichts eines solchen Absturzes des politischen Diskurses auf dieser Ebene sollte man "vernetzt" etwas unternehmen. Dass im Jahre 2015 die Ostpolitik Willy Brandts, der wir alle entscheidend den glimpflichen Ausgang des Kalten Krieges & die deutsche Wiedervereinigung verdanken, sich in einem Parlamentsorgan einer Diffamierung aussetzen lassen muss, als stünde sie im Konflikt zur verfassungsmäßigen Grundordnung dieses Landes, ist skandalös.
Falls gegen solche Demagogie kein Protest der Sozialdemokratischen Partei erfolgte, wäre dies in der Tat bezeichnend & wenig beruhigend.
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Irena

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Re: Das Parlament

BeitragMi 2. Sep 2015, 10:58

Barish hat geschrieben:Es lässt sich finden unZugegeben, RTDütsch hätte dies genauer angeben können, unsachgemäß ist die Vorstellung dieses harten Stücks Desinformation aber nicht.

Ich meinte es auch nicht. Überprüfen sollte man aber und es ging bei mir nicht. Danke übrigens für den Link auf Urquelle.
Direkt die Titelseite. Erschütternd.

... und traurig.

Danke auch für Maren für vollständiges Kopieren der Texte. Ich dachte, es genügt zu verlinken. Aber, wenn man die Überlebensfähigkeit einer Nachricht erhöhen will, muss man sie kopieren...

Albrecht Müller hat geschrieben:„Das Parlament“ ist nicht irgendwas, nicht irgend ein Stück Papier. Dahinter steht die Autorität des Deutschen Bundestags; „Das Parlament“ wird kostenlos weit verbreitet.


PS: könnte man den Name des Threads ändern auf "Das Parlament"?

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