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Stellungnahme Griechenlandberichterstattung 2015

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Maren

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Stellungnahme Griechenlandberichterstattung 2015

BeitragMi 5. Okt 2016, 19:36

An den Rundfunkrat des NDR, WDR, SWR, BR, RBB, MDR
Der Vorsitzenden der ARD, Prof. Wille, zur Kenntnis

Sehr geehrte Damen und Herren,

im August 2016 legte die Ständige Publikumskonferenz der interessierten Öffentlichkeit ein umfangreiches Medienprojekt vor, in dessen Verlauf die ersten vier Wochen der ARD-Griechenlandberichterstattung 2015 thematisiert wurden, die im Zeichen der Regierungsverantwortung von Syriza standen.

Anhand einer Vielzahl von Belegen wurde sachlich und präzise der Vorwurf einer einseitigen, regierungsnahen, manipulativen und Feindbild konstruierenden Berichterstattung innerhalb der Hauptnachrichtenformate der ARD nachgewiesen. Damit begegneten wir der wiederholt an uns gerichteten Kritik, bei den von uns in der Vergangenheit monierten Verstößen gegen den Rundfunkstaatsvertrag handele es sich angeblich nur um bedauerliche Einzelfälle, die der menschlichen Fehlbarkeit geschuldet seien.

Es ist nicht unser Anliegen, die journalistische Arbeit der verantwortlichen Korrespondenten und Redakteure aus einer komfortablen Position des Zurückblickenden zu beurteilen. Einzelne Fehler sind nicht nur menschlich, sondern unter Umständen auch unvermeidlich innerhalb einer tagesaktuellen Berichterstattung.

Nur dann verstoßen veröffentlichte Falschdarstellungen gegen die Wahrheitspflicht, wenn der Journalist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung die unwahre Behauptung aufgrund seiner "Aufklärungsmöglichkeiten" hätte erkennen und damit vermeiden können.

Die Wahrheitspflicht des Journalisten ist also nach geltendem Recht immer an die Erfüllung der Sorgfaltspflicht gekoppelt, die in der sorgsamen Prüfung, Sichtung und Darstellung von zugänglichen Recherchematerialien konkretisiert ist.

Unsere Analysen zeigen auf, dass sämtliche Falschdarstellungen der ARD allein durch die Befolgung professioneller Berufsnormen vermeidbar gewesen wären (=Verstoß gegen die Wahrheits- und Sorgfaltspflicht, § 10 RStV). Des Weiteren wurde nachgewiesen, dass sämtliche Falschdarstellungen einem interessengeleiteten Narrativ entsprachen, welches sich wie ein roter Faden durch die Berichterstattung zog (=Verstoß gegen das Gebot der Unparteilichkeit, § 11 RStV).

Mit Rücksicht auf die mehrfach erhobenen Klagen ARD-Verantwortlicher über die hohe Arbeitsbelastung aufgrund vereinzelter Programmbeschwerden haben wir darauf verzichtet, die von uns mannigfaltig nachgewiesenen Verstöße gegen den Rundfunkstaatsvertrag als Programmbeschwerde einzureichen.

Wohl aber bitten wir die ARD und die in letzter Instanz verantwortlichen Rundfunkräte um eine Stellungnahme:

Wie konnte es nur wenige Wochen nach den selbstkritischen Äußerungen von Chefredakteur Kai Gniffke zur Ukraine-Berichterstattung innerhalb der Griechenland-Berichterstattung erneut zu einer solch eklatanten Missachtung des Rundfunkstaatsvertrages kommen und welche konkreten Maßnahmen gedenkt der Rundfunkrat als Konsequenz zu ergreifen, um in Zukunft die gesetzlich garantierte sachlich-neutrale Berichterstattung innerhalb der ARD-Nachrichtenformate zu gewährleisten?

O-Ton Dr. Gniffke: „Bleibt die Frage, was wir für unsere künftige Arbeit daraus lernen können. Wir sollten noch klarer offenlegen, wenn wir etwas nicht (!) wissen. Oft hilft die Frage “Wem nützt es?”, um mögliche Manipulationen von Informationen zu erkennen. Wir werden weiterhin die Schwerpunkte unserer Berichte nach journalistischen Kriterien festlegen und nicht nach sturem Proporzdenken. Wir werden immer die Genauigkeit und Trennschärfe unser Terminologie prüfen. Vor allem aber haben wir uns heute eines vorgenommen: Wir werden auch künftig Kritik nicht einfach an uns abtropfen lassen, sondern uns immer wieder prüfen, ob wir richtig liegen.“

Einer Antwort der Gremienvertreter der involvierten ARD-Anstalten sehen wir mit Erwartung entgegen.

Mit freundlichen Grüßen

Maren Müller
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Maren

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Anfrage

BeitragSa 15. Okt 2016, 20:42

Subject: Anfrage

Sehr geehrter Herr Gniffke,
sehr geehrter Herr Nitsche,
sehr geehrte Damen und Herren der NDR / ARD-aktuell Redaktion,


vor einigen Tagen wurde eine kleine Studie (eine sog: Frame-Analyse) mit dem Titel „Das Ende des Informationsjournalismus - Storytelling in der ARD-Griechenlandberichterstattung 2015“ veröffentlicht.

Autor: Otto Stern et. Al.
Link: viewtopic.php?f=47&p=5349#p5349

Die Berichterstattung zur Griechenlandkrise in den deutschen Leitmedien ist seit 2010 Inhalt zahlreicher wissenschaftlicher Arbeiten in Deutschland.

Wie ihnen sicherlich bekannt ist, hat die tendenziöse und einseitige Form dieser Berichterstattung in zahlreichen deutschen Medien im vergangenen Jahr eine neue „Qualität“ erreicht und wurde häufig stark kritisiert, unter anderem von renommierten (int.) Wirtschaftswissenschaftlern, Medienwissenschaftlern und selbstständigen Fachjournalisten (Unabhängigkeit scheint oft eine wichtige Voraussetzung zu sein, um medienkritisch veröffentlichen zu können).

Neben einer ungewöhnlich häufigen Einseitigkeit fällt auf, das in dieser Zeit zahlreiche falsche und/oder unüberprüfbare „Informationen“ zur Griechenlandkrise und dem Konflikt zwischen der griechischen Syriza-Regierung und der „Troika of Lenders veröffentlicht worden sind, viel zu selten wurde die Meinung der griechischen Konfliktpartei eingeholt, etc. (vgl. akademische Studien).

Namenhafte Journalisten wie H. Schumann, G. Dietz, E. Bonse, W. Münchau, J. Augstein, um nur einige zu nennen, sprechen von einer Missachtung journalistischer Grundsätze im großen Stil.

Renommierte Wirtschaftswissenschaftler wie z.B. Norbert Häring, Heiner Flassbeck, J. K. Galbraith, J. Stiglitz, P.Legrain und P. Krugman sind schlicht empört über das häufig mangelhafte fachliche Niveau (von Redaktionen und Journalisten)und über die Verzerrungen in der Berichterstattung. Ebenso bekannte deutsche Politiker wie z.B. Gesine Schwan, Sven Giegold, etc.

Die renommierte Politikwissenschaftlerin und Autorin Ulrike Guérot z.B. spricht sogar von einer „Dysfunktion“ und einem Versagen der deutschen Leitmedien, Sichtweise welche ich als Ergebnis meiner Recherchen teile.

Die o.a. Arbeit des Teams von Otto Stern hat durchaus einen wissenschaftlichem Anspruch und erklärt dem in Medienwissenschaften weniger versierten Leser transparent und nachvollziehbar die Zusammenhänge. Da ich mich selbst sehr intensiv mit dem Konflikt beschäftigt habe (Studium der primären Quellen, Vergleich der Berichterstattung der deutschen Medien zu jener in den französischen und angelsächsischen Medien), hat diese Arbeit meine Aufmerksamkeit erregt.

Die zahlreichen in der Studie illustrierten Fehler und Verzerrungen aus der ARD/NDR Berichterstattung wurden meiner Ansicht nach sauber und korrekt recherchiert.

Ich würde daher gerne erfahren, ob ARD/NDR planen, zu dieser exzellenten Arbeit eine Stellungnahme zu veröffentlichen ?

Auch würde ich gerne erfahren, ob ARD/NDR die Veröffentlichung eines jeweiligen Erratums zu den in der Studie illustrierten (und belegten) Fehlern geplant ist ?

Aus der Sicht der oben aufgeführten Personen, und auch aus meiner Sicht, haben Demokratie und Völkerverständigung im Jahre 2015 in Europa einen großen Schaden erlitten.

Die Berichterstattung ihrer Anstalt hat viel zu häufig die Polarisierung befeuert, anstelle eines objektiven, sachlichen, neutralen und investigativen Journalismusses, welcher zu einer Mäßigung des Konfliktes hätte beitragen können.

Die Ereignisse seit August 2015 (u.a. ein Bericht des IWF vom 02.07.2015) zeigen, dass die Forderungen der griechischen Seite durchaus berechtigt waren, und damit der Konflikt an sich.

Dies illustriert erneut, wie gefährlich es ist, wenn Journalisten der ÖR sich an der „Meinungsmache“ beteiligen anstelle sauber zu recherchieren und neutral und objektiv zu berichten.


Mit freundlichen Grüßen,
XXXXXXX*

*Der Name des Einsenders ist uns und den Sendeanstalten bekannt.
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Maren

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Re: Stellungnahme Griechenlandberichterstattung 2015

BeitragMo 24. Okt 2016, 17:54

Griechenland-Berichterstattung

Sehr geehrter Rundfunkrat, sehr geehrter Intendant,

die Otto Brenner Stiftung, ein wissenschaftliches Institut der IG Metall, hatte kürzlich die Studie "Die Griechen provozieren!" veröffentlicht. Dabei wurden u.a. sämtliche Sendungen der "Tagesschau" im Jahr 2015 zur griechischen Staatsschuldenkrise analysiert. Das Ergebnis:

Die Berichterstattung zur griechischen Staatsschuldenkrise war wenig tiefgründig und stark wertend.
https://www.otto-brenner-stiftung.de/ot ... ieren.html

Die Studie bemängelt dabei nicht eine möglicherweise fehlende Vielfalt und Relevanz der Themen, sondern vor allem das Fehlen von Neutralität, Ausgewogenheit und analytischer Qualität der Sendungen.

Die Berichterstattung, so heißt es in der Studie, blieb im Untersuchungszeitraum auf ganz wenige Themen fokussiert, Journalisten/innen ließen oft eigene Bewertungen in Nachrichten und Berichte einfließen, und die Tonalität über alle Beiträge hinweg war deutlich zuungunsten der Position der griechischen Regierung.

Journalisten hätten demnach in nicht zu knappem Ausmaß eigene Bewertungen in die Berichte einfließen lassen. "Insgesamt konnte in jeden zehnten Bericht eine eindeutige Wertung nachgewiesen werden". Dabei bewerteten die Journalisten die griechische Regierung erheblich häufiger negativ als positiv, insbesondere gemessen an den Wertungen bezüglich des Gebarens der deutschen Regierung.

So hörte man aus dem Off regelmäßig tendenziöse Formulierungen wie "die Griechen provozieren" oder schlügen "politische Kapriolen". Allgemein traf Kritik vor allem die griechische Regierung, was die Analysten als "unausgewogen" bezeichneten. Gleichzeitig kam die griechische Regierung auch wesentlich seltener zu Wort als andere Akteure. Hingegen konnte man die Bundesregierung nach dem Dafürhalten der Verfasser der Analyse auffällig häufig im O-Ton hören.

Ein anderer Kritikpunkt der Analysten aus der Otto Brenner Stiftung ist, dass Zuschauer nur oberflächlich über die griechische Reformpolitik informiert wurden. In einem Großteil der Berichterstattung wurde diese nicht einmal thematisiert. Von insgesamt 139 Reformvorschlägen der griechischen Regierung wurden nur 63 in der Berichterstattung zur griechischen Staatsschuldenkrise überhaupt aufgegriffen. Das entspricht gerade mal 45,3 Prozent.

Für die Autoren der Analyse bleibt der Eindruck: "Insgesamt kann nur von einer eingeschränkten Hintergrundberichterstattung zur griechischen Staatsschuldenkrise gesprochen werden. Damit fehlte es der Berichterstattung zum Teil an analytischer Qualität."

Zu ebenfalls niederschmetternden Ergebnissen kommt eine zweite Studie, die in den alternativen Medien – in der Ständigen Publikumskonferenz - veröffentlicht wurde: https://publikumskonferenz.de/blog/2016/08/07/1523/

Sicherlich sehen das Dr. Gniffke und seine Medien-Amigos in den Gremien – wie üblich - ganz anders, dennoch wäre es notwendig gewesen, über die Ergebnisse bei ARD-aktuell zumindest in angemessener Form zu berichten, zumal in letzter Zeit die öffentliche Aufmerksamkeit sehr häufig auf das Problem der Glaubwürdigkeit der Medien gerichtet war.

Wir bemängeln, dass entgegen den Grundsätzen der Programm-Richtlinien auch in diesem Fall – allein aus durchsichtigen PR-Gründen - wichtige Informationen unterdrückt wurden.

F. Klinkhammer und V. Bräutigam

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