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Programmbeschwerde - MDR Radio Sendung „Das Wort zum Tag“

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Maren

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Programmbeschwerde - MDR Radio Sendung „Das Wort zum Tag“

Beitrag2. Februar 2021, 18:18

Mitteldeutscher Rundfunk
Anstalt des Öffentlichen Rechts
An die Intendantin

04360 Leipzig


Programmbeschwerde - MDR Radio Sendung „Das Wort zum Tag“, ein Beitrag der evangelischen Kirche


Sehr geehrte Damen und Herren,

am 02.02.2021 gegen 06:25 Uhr sendeten Sie im MDR Radio Thüringen einen politisierten Beitrag der evangelischen Kirche. Eine Pfarrerin äußerte ihre persönliche Meinung zu den Protesten in Russland. Dabei war die Meinung der Pfarrerin stark eingefärbt durch das Zerrbild, was durch Ihren Sender dem mitteldeutschen Radiokonsumenten eingeträufelt wird.

Die Guten sind die Demonstranten, die Bösen sind der russische Staat und seine Sicherheitskräfte. Ganz so, als ob es gilt, Ihrer Berichterstattung noch den Segen Gottes zu verleihen. Die evangelische Kirche hat sich in der deutschen Geschichte schon einmal mit den Herrschenden und deren Propagandisten verbündet, mit fatalen Folgen. Die evangelische Kirche hätte daher allen Grund, sich gegen politische und propagandistische Vereinnahmung klar abzugrenzen. Aber gegenwärtig lässt man sich scheinbar gern vereinnahmen, gegen den gleichen Feind, gegen welchen es damals schon ging. Wer für sich beansprucht, die absolute Moral und absolute Wahrheit zu besitzen, der hinterfragt sich selbst auch nicht, in dieser Hinsicht geht es der Kirche genauso wie den leitenden Journalisten des MDR.

Gut und Böse, Gott oder Teufel, ganz so schwarz-weiß ist die Realität aber nicht. Sofern sich eine Pfarrerin vor einem Beitrag in der Öffentlichkeit nicht zu politischen Themen tiefgründig kundig macht, sollte sie sich mit ihrem Halbwissen zurückhalten. Auch wenn man wenig weiß über die inneren Verhältnisse in Russland, einiges kann man auch aus deutschen Medien erkennen.

Zum Beispiel:

Herr Nawalny betreibt mit westlicher Unterstützung eine Propagandakampagne gegen sein Heimatland. Der Schwarzwälder Bote berichtete zum Beispiel, dass Nawalnys Team das Video zu Putins angeblichem Palast in den Black Forest Studios in Kirchzarten produziert hat, auf Bestellung aus Los Angeles, sicherlich auch von dort bezahlt. Die Baden-Württembergische Polizei hat den ganzen Tross Nawalnys täglich hin und her eskortiert, auf Kosten des deutschen Steuerzahlers.

Das Video „Putins Palast“ war ein einziger Fake. Der „Palast“ ist tatsächlich gegenwärtig noch eine Hotel-Baustelle, Besitzer ist der russische Oligarch Arkadi Rotenberg, die im Video gezeigten Räume wurden in anderen Hotels und historischen Gebäuden gefilmt, der am Tor gezeigte Doppeladler war nicht der russische, sondern der mazedonische Doppeladler, der Clip von dem in einem angeblichen Schwimmbecken des Hauses schwimmenden Präsident Putin stammte von einer Aufnahme, bei der er im Fluss Jenissej schwamm.

Dies ist nur ein Beispiel von vielen. Wer solche Fälschungen und Täuschungen verwendet, sich dafür üppig von westlichen Unterstützern bezahlen lässt, und seine Landsleute auf Telegram zu Gewalt gegen Sicherheitskräfte aufruft, der ist es doch nun wirklich nicht wert, mit Gottes Segen bedacht zu werden. Und denjenigen Russen, welche auf die Hasspropaganda in Facebook und anderen „Medien“ hereinfallen, braucht man nicht Mitleid spenden, sondern man sollte Ihnen die Erleuchtung durch Gott wünschen. Genauso denjenigen Deutschen, denen Ausschnitte aus dem „Palast“-Video auch im MDR Fernsehen gezeigt wurden.

Da bleibt mir zu sagen: Gott sei mit denen, welche Ihr Mutterland Russland verteidigen gegen die Einflussnahme aus Ländern, welche Russland feindlich gesinnt sind.

Ihr oben kritisierter Radiobeitrag ist kein Einzelfall, es ist mindestens schon der zweite dieser Art zum Thema Nawalny, zuvor gab es mehrere ähnliche Beiträge zu den Vorgängen in Weißrussland. Gut und Böse werden unterschieden, aber Details, Hintergründe und Kontexte werden gezielt ausgeblendet. Die Instrumentalisierung der evangelischen Kirche für die Ziele Ihrer Desinformationskampagnen ist widerlich.

Ihre Berichterstattung ist immer wieder von geopolitischer Voreingenommenheit und von russophoben Einstellungen durchsetzt. Das Gegenteil von objektiver und umfassender Berichterstattung. Mit Ihrer Berichterstattung verstießen Sie gegen Ihren Programmauftrag und gegen die Programmgrundsätze laut Staatsvertrag über den Mitteldeutschen Rundfunk:

§ 6 Programmauftrag

(1) Der MDR hat in seinen Sendungen einen objektiven und umfassenden Überblick über das internationale, nationale und länderbezogene Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben. Sein Programm soll der Information und Bildung sowie der Beratung und Unterhaltung dienen und hat dem kulturellen Auftrag des Rundfunks zu entsprechen. Er dient der freien individuellen und öffentlichen Meinungsbildung. ...

§ 8 Programmgrundsätze

(1) Der MDR ist in seinen Sendungen an die verfassungsmäßige Ordnung gebunden und der Wahrheit verpflichtet. Er trägt zur Verwirklichung der freiheitlich demokratischen Grundordnung bei und fördert die Zusammengehörigkeit im vereinigten Deutschland.

(2) Der MDR hat in seinen Sendungen die Würde des Menschen sowie die sittlichen, religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen anderer zu achten. Er soll dazu beitragen, die Achtung vor Leben, Freiheit und körperlicher Unversehrtheit, vor Glauben und Meinung anderer zu stärken und die Gleichstellung von Frau und Mann zu fördern. Die Sendungen dürfen sich nicht gegen die Völkerverständigung und gegen die Wahrung von Frieden und Freiheit richten.

(3) Alle Informationssendungen (Nachrichten und Berichte) sind gewissenhaft zu recherchieren und wahrheitsgetreu und sachlich zu halten. Nachrichten sind vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Wahrheit und Herkunft zu prüfen. Die Redakteure sind bei der Auswahl und Sendung der Nachrichten zur Objektivität und Überparteilichkeit verpflichtet. Kommentare sind deutlich von Nachrichten zu trennen und unter Nennung des Verfassers als persönliche Stellungnahme zu kennzeichnen. Sie haben dem Gebot journalistischer Fairness zu entsprechen. ...

Eine Kopie dieses Schreibens sende ich an den Verein Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien e.V. zwecks Veröffentlichung.


Mit freundlichen Grüßen

Jens Köhler
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Maren

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Re: Programmbeschwerde - MDR Radio Sendung „Das Wort zum Tag“

Beitrag28. Februar 2021, 21:45

Antwort aus der juristischen Direktion des MDR

210225-StS-Ständ.Publikumskonferenz-BRF.pdf
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