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Luftschläge treffen Krankenhaus in Aleppo

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Maren

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Luftschläge treffen Krankenhaus in Aleppo

BeitragSa 30. Apr 2016, 19:31

Norddeutscher Rundfunk
Intendant
Herrn Marmor
Rothenbaumchaussee 132
20149 Hamburg



Programmbeschwerde wegen Falschinformation

Tagesschau vom 28.04.2016

Sehr geehrter Herr Marmor,

der Beitrag „Luftschläge treffen Krankenhaus in Aleppo“ enthält unzutreffende und irreführende Behauptungen und Bewertungen, in deren Verlauf wiederholt zusammengeschnittene und themenfremder Videosequenzen ohne Quellenangaben zum Einsatz kommen.

Korrespondent Thomas Aders beginnt seinen Bericht mit den Worten: „Noch immer liegt das Viertel al Sukkari in Aleppo unter einer Staubwolke (…)“ Die im Video verwendeten Bilder zeigen allerdings nicht al Sukkari, sondern vielmehr Aufnahmen aus anderen zerstörten Orten, wie aus entsprechenden Vergleichsmaterial eindeutig hervorgeht. Insofern suggeriert der dramaturgische Hinweis auf die Staubwolke über dem Viertel al Sukkari eine Aktualität, die nicht belegbar ist.

Des Weiteren kolportiert Thomas Aders wiederholt die bislang unbelegte Behauptung, dass in der Vergangenheit „immer wieder“ medizinische Einrichtungen von der russischen und der syrischen Luftwaffe bombardiert worden seien. Bereits im vergangenen Jahr wurden sämtliche (auch von der Tagesschau) verbreiteten diesbezüglichen Falschmeldungen dementiert bzw. widerlegt.

Die gleichen Sequenzen des von Aders verwendeten Videomaterials finden sich auch in Beiträgen anderer Nachrichten. Sie beschreiben explizit, wie Terroristen massive Raketenangriffe gegen das Aleppiner Stadtviertel Midan unweit des dort gelegenen Krankenhauses führten. Wenn man geduldig Primärquellen folgt, kann man die vom Westen unterstützten Terroristen sogar in entsprechenden Propagandavideos bei ihren Gräueltaten betrachten.

Es ist ausgesprochen ärgerlich, wenn Nachrichtensendungen öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten die Angriffe dieser Terroristen nicht angemessen in die Berichterstattung einfließen lassen und stattdessen der russischen und der syrischen Luftwaffe Verbrechen unterstellen, um erneute Interventionen diverser Interessengruppen im kriegsgeplagten Land zu rechtfertigen.

Ein Befehlshaber der islamistisch-salafistischen Terrormiliz Ahrar Al Sham erklärte bereits vor Tagen offiziell, dass der Waffenstillstand nicht mehr existiere und informierte über die sozialen Netzwerke über die Absicht, in Bälde die syrischen Regierungstruppen angreifen zu wollen. Zur Unterstützung dieser Absicht trieb sich der Saudi Abdallah al-Muhaysini (einer der Führer von Al Kaida, Ahrar Al Sham) bereits seit geraumer Zeit in Flüchtlingslagern herum, mit dem Ziel Kämpfer für die kommende Offensive von Al Kaida und Co anzuwerben - Kinder und Jugendliche inbegriffen. Ihrer Redaktion ist seit Jahren bekannt, dass nicht etwa nur der "Islamische Staat" von Kindersoldaten Gebrauch macht, sondern auch die "Rebellen". [1]

Von der öffentlich-rechtlichen Nachrichtengebung regelmäßig „vergessen“ werden - wie auch andere Beschwerdeführer schon des Öfteren anmerkten - die Verbrechen der vom Westen und dessen Sprachrohren in den Medien euphemistisch benannten „moderaten Rebellen“, deren Verbündeten und Waffenlieferanten. Unerwähnt blieb z.B. das jüngste Massaker der von der Türkei unterstützten "Rebellen" in Sheikh Maqsud, im Kurdenviertel von Aleppo, sowie die Angriffe der Terroristen mit u. a. aus Gasflaschen gebastelten Geschossen auf dichtbesiedelte Wohngebiete in Aleppo, um nur einige Versäumnisse dieser Art zu nennen.

Warum arbeitet die Redaktion der Tagesschau nicht unter Zuhilfenahme vernünftiger und verifizierbarer Quellenangaben? Es widerspricht klar den Programmrichtlinien, die besagen, dass Berichterstattung objektiv und unparteiisch zu erfolgen hat, wenn sich die von der Redaktion der Tagesschau bemühten Quellen zum Syrienkonflikt ausschließlich aus oppositionellen Kreisen zusammensetzen.

Warum scheint die alte journalistische Regel nicht mehr zu gelten, dass für alle Nachrichten mindestens eine zweite unabhängige Quelle vorhanden sein muss, ansonsten sind sie nicht verwendbar?

Warum wird entgegen des Programmauftrages wiederholt zu fragwürdigen Methoden gegriffen, bei denen die Vernebelung von Kontexten im Syrienkonflikt zu Lasten des Informationsauftrages der Öffentlichkeit betrieben wird, die zu einem beträchtlichen Teil strategisch gewollt zu sein scheint, aber eben nicht gekonnt aussieht?

Wenn nach dem „Überfall“ auf den Sender Gleiwitz, der Lüge vom Tonkin-Zwischenfall, der Brutkastenlüge, der Anthrax-Lüge und diversen anderen, längst widerlegten vorgeschobenen Kriegsgründen, nunmehr die inflationär bemühten Krankenhauslügen als Feindbildkostrukt und Vorwand für neue Nato-Invasionen medial kolportiert werden, sollten Sie als öffentlich-rechtliche Anstalt an der Vorbereitung dieses inszenierten Konfliktes nicht beteiligt sein.

Was Powell einst als "Schandfleck in seiner Karriere" [2] bezeichnete war mehr als das:

Es war die Vorbereitung zum anlasslosen Massenmord an Zivilisten.

Aus Transparenzgründen werden diese Beschwerde und weiterführender Schriftverkehr auf der Webseite des Vereins http://forum.publikumskonferenz.de/ veröffentlicht.

Mit freundlichen Grüßen

Maren Müller


[1] https://www.youtube.com/watch?v=Js1b-q3fs_E
http://www.ardmediathek.de/radio/HIER-U ... d=29950142
[2] http://www.sueddeutsche.de/politik/lueg ... 1.264076-5
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Maren

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Re: Luftschläge treffen Krankenhaus in Aleppo

BeitragSo 8. Mai 2016, 16:09

Zwischenbescheid aus dem Büro des NDR-Intendanten. Der Vorgang wird an den SWR verwiesen.
NDR Büro des Intendanten_geschwärzt.pdf
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Maren

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Re: Luftschläge treffen Krankenhaus in Aleppo

BeitragSa 21. Mai 2016, 12:00

Antwort vom Chefredakteur Fernsehen des SWR, Fritz Frey, auf die Beschwerde.
Ständige Publikumskonferenz_TS 28.04.16_geschwärzt.pdf
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